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Die Basilikata zählt noch immer zu den wenig besuchten Regionen Italiens. Zwischen Kampanien und Apulien gelegen, wirkt sie wie ein ursprüngliches Stück Süditalien: rau, still und von einer Landschaft geprägt, die ihren ganz eigenen Charakter bewahrt hat.

Hier gibt es keine großen Touristenströme, keine perfekt kuratierten Fotospots. Stattdessen treffen Besucher auf zerklüftete Berge, einsame Straßen, uralte Dörfer und eine Atmosphäre, die eher an vergangene Zeiten erinnert als an modernes Reisen. Genau das macht die Basilikata so besonders. Die Region verlangt Zeit, belohnt dafür aber mit intensiven Eindrücken und richtig tollen Highlights.

Matera: Die berühmte Höhlenstadt

Die bekannteste Stadt der Region ist Matera. Sie allein ist schon Grund genug für eine Reise nach Basilikata. Ihre berühmten »Sassi«, in den Tuffstein gehauene Höhlenwohnungen, bilden eine der außergewöhnlichsten Wohnorte Europas.

Was Matera so besonders macht, ist nicht nur ihr Alter – die Besiedlung reicht mehrere tausend Jahre zurück –, sondern die Art, wie Architektur und Natur hier ineinander übergehen. Die Häuser sind Teil des Felsens selbst. Dächer dienen gleichzeitig als Straßen, Treppen führen scheinbar ins Nichts, und immer wieder öffnen sich kleine Höhlenkirchen mit verblassten Fresken.

Matera in Italien am Abend beleuchtet

Foto: ermess/Shutterstock.com

Lange Zeit war Matera ein Symbol für Armut und Rückständigkeit. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann ein Umdenken. Heute ist die Stadt Unesco-Weltkulturerbe und war 2019 Kulturhauptstadt Europas. Trotz dieser Entwicklung hat sie sich eine gewisse Rauheit bewahrt, besonders abseits der Hauptwege. Wer früh morgens oder spät abends durch die Gassen geht, erlebt eine fast surreale Stille. Doch keine Sorge: Ausreichend hippe Läden und köstliche Restaurants haben sich in den Höhlen eingenistet und machen den Urlaub in Matera zu etwas ganz besonderem.

Castelmezzano und Pietrapertosa: Dörfer in den Felsen

Ein ganz anderes Gesicht zeigt die Basilikata in den Lucanischen Dolomiten (Piccole Dolomiti Lucane). Diese zerklüftete Berglandschaft rund um Castelmezzano und Pietrapertosa zählt zu den spektakulärsten Naturkulissen Süditaliens.

Panoramablick auf Castelmezzano in Maratea, Italien

Foto: Rudy Balasko/Shutterstock.com

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: kurvige Straßen führen durch eine karge Bergwelt, bis plötzlich die ersten Häuser sichtbar werden. Beide Orte sind geprägt von engen Gassen, steilen Treppen und immer wieder überraschenden Aussichtspunkten.

Berühmt ist die Region für den »Volo dell’Angelo«, eine Zipline, die Besucher zwischen den beiden Dörfern durch die Luft schweben lässt. Doch auch ohne Adrenalin lohnt sich der Besuch: Wanderwege führen durch eine alpine wirkende Landschaft, die deutlich weniger erschlossen und ruhiger ist als die echten Dolomiten. Ein Paradies für Naturliebhaber. Und wer im November zum Kastanienfest hier ist, sitzt schnell zwischen Einheimischen bei einem Glas Wein und Kastaniensuppe.

Maratea: Die unbekannte Küste Italiens

Während die Adriaküste oft im Rampenlicht steht, ist die tyrrhenische Küste der Basilikata rund um Maratea ein Geheimtipp. Im Gegensatz zur berühmten Amalfiküste geht es hier deutlich ruhiger zu. Statt dicht bebauter Hänge dominieren Natur, Wälder und felsige Klippen. Kleine Buchten mit klarem Wasser wechseln sich mit versteckten Stränden ab, die oft nur zu Fuß erreichbar sind.

Maratea selbst verteilt sich auf mehrere Ortsteile, die sich vom Meer bis in die Berge ziehen. Hoch über der Küste steht eine große Christusstatue, die an Rio de Janeiro erinnert und einen spektakulären Blick bietet. Besonders reizvoll ist die Mischung aus Meer und Hinterland: Innerhalb weniger Minuten gelangt man von der Küste in eine völlig andere Landschaft.

Christi-Statue in Maratea, Italien

Foto: Andrew Mayovskyy/Shutterstock.com

Melfi und das Vulture-Gebiet

Im Norden liegt Melfi, eine historisch bedeutende Stadt. Hier residierten einst die Normannen; die imposante Burg dominiert noch heute das Stadtbild. Die Umgebung wird vom Monte Vulture geprägt, einem erloschenen Vulkan, der eine überraschend grüne Landschaft geschaffen hat: dichte Wälder, Weinberge und die beiden Kraterseen Lago di Monticchio.

Das Gebiet ist berühmt für den Aglianico del Vulture, einen der besten Rotweine Süditaliens. Zahlreiche oft familiengeführte Weingüter laden zu Verkostungen und Einblicken in traditionelle Produktion ein.

Person hält ein Glas Rotwein aus der Region Ronda in der Hand

Foto: Kalle Pernu/Shutterstock.com

Craco und Aliano: Verlassene Orte und besondere Landschaften

Ein besonders eindrückliches Erlebnis bietet Craco. Die verlassene Stadt liegt auf einem Hügel und wirkt wie eine eingefrorene Momentaufnahme. Nach Erdrutschen und Abwanderung wurde sie aufgegeben und dient heute als Kulisse für Filme.

Dorf Craco in der Basilkata, Italien, aus der Vogelperspektive

Foto: Felix Lipov/Shutterstock.com

Nicht weit entfernt liegt Aliano, ein Ort, der durch den Schriftsteller Carlo Levi bekannt wurde. Die Landschaft rund um Aliano ist geprägt von den »Calanchi«, stark erodierten Lehmböden, die eine fast surreale, mondähnliche Szenerie bilden. Diese Orte sind nicht spektakulär im klassischen Sinne, doch gerade ihre Stille und Ursprünglichkeit machen sie so eindrücklich.

Kulinarik: Lecker essen in der Basilikata

Die Küche der Basilikata ist einfach, aber einfach super lecker. Sie basiert auf wenigen Zutaten, die dafür umso aromatischer sind. Brot, Hülsenfrüchte, Lamm und Gemüse spielen eine zentrale Rolle. Typisch sind Gerichte mit Peperoni Cruschi, getrockneten roten Paprikaschoten, die frittiert eine knusprige Textur bekommen. Dazu kommen hausgemachte Pasta und deftige Eintöpfe, die stark von bäuerlichen Traditionen geprägt sind.

Besonders beliebt ist die Pasta Strascinati oder Orecchiette, serviert mit würziger Salsiccia, Brokkoli oder einer Sauce aus Peperoni Cruschi. Auch Lagane e ceci – breite Nudeln mit Kichererbsen – ist ein Klassiker, der die Bescheidenheit der regionalen Küche widerspiegelt.

Wer Fleisch liebt, findet in der Basilikata viele Gerichte mit Lamm, etwa Abbacchio al forno (im Ofen gebackenes Lamm) oder Spezzatino di agnello (Lammragout). In den Bergdörfern rund um Potenza kommt oft Wild oder Ziegenkäse auf den Tisch.

Brot ist fast heilig: Das Pane di Matera mit seinem dichten, aromatischen Teig gilt als eines der besten Brote Italiens und wird traditionell im Holzofen gebacken.

Mehrere Pane di Matera auf einem Tisch

Foto: Chris Lawrence Images/Shutterstock.com

Dazu passen lokale Olivenöle und kräftige Weine – allen voran der Aglianico del Vulture, ein vollmundiger Rotwein aus den vulkanischen Böden rund um den Monte Vulture.

Kurzum: Was früher einfache Bauernkost war, gilt heute als authentische Delikatesse, die Besucher in Agriturismi und kleinen Trattorien genießen können.

Beste Reisezeit für die Basilikata

Die Basilikata ist das ganze Jahr über reizvoll, aber die ideale Reisezeit hängt davon ab, was man sucht.

Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) sind für die meisten Reisenden die Favoriten. Dann herrschen milde Temperaturen (meist 18–28 °C), die Landschaft zeigt sich von ihrer schönsten Seite – blühend im Frühling, gold- und rotgetönt im Herbst – und du kannst Highlights wie die Sassi von Matera, die Lukanischen Dolomiten oder die Calanchi ohne große Hitze oder Massen genießen. Wanderungen und Ausflüge machen richtig Spaß, und die Preise sowie die Wartezeiten bleiben angenehm niedrig.

Sommer (Juli–August) ist perfekt, wenn du ans Meer nach Maratea willst: kristallklares Wasser, warme Nächte und Strandleben. Allerdings wird es im Inland (besonders in Matera und den Bergen) oft richtig heiß (über 30–35 °C), und an den beliebtesten Spots kann es voller werden. Wer die wilde Seite der Region liebt, sollte besser die Schulterzeiten wählen.

Winter (November–März) hat seinen eigenen Charme: Die Region ist dann fast menschenleer, die Preise sind günstig, und in den Bergen kann es sogar schneien. Für Kultur und ruhige Spaziergänge in Matera oder Craco ist das super, aber an der Küste ist die Badezeit vorbei, und manche Shops und Restaurants haben eingeschränkte Öffnungszeiten.

Einen Urlaub in Basilikata kannst du auch super mit einem Aufenthalt in Apulien verbinden. Hier verraten wir dir die besten Strände in Apulien, hier die schönsten Dörfer in Apulien.