Der religiöse Brauch, bei dem Gläubige lange Strecken bewusst zu Fuß zurücklegen, wird immer beliebter. Jedes Jahr machen sich Hunderttausende Menschen auf den Weg – längst nicht alle sind Gläubige. Aber wohin pilgern? Hier fünf beliebte Pilgerwege.

Früher sind die Menschen gepilgert, weil sie um Vergebung ihrer Sünden baten oder weil sie hoffen, von ihren Krankheiten befreit zu werden. Viele der heutigen Pilger sind allerdings nicht zwangsläufig gläubig, sondern erhoffen sich Entspannung und wollen abschalten. Weltweit gibt es viele großartige Pfade zu erkunden. Hier vier beliebte Pilgerwege, die zu verschiedenen Vorlieben passen.

Wanderstiefel und Steine auf einer Jakobsweg-Infotafel

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Jakobsweg, Spanien

Ganz klar: Der Jakobsweg ist der bekannteste Pilgerweg der Welt. Er besteht aus mehreren Pfaden, die allesamt nach Santiago de Compostela im spanischen Galicien führen. Dort befindet sich der Legende nach das Grab des Apostels Jakobus – und alle wollen dorthin: Laut einer statistischen Auswertung pilgerten im Corona-Jahr 2020 deutlich mehr Besucher als erwartet den Jakobsweg entlang. Seine Beliebtheit erklärt sich aus der wunderschönen Landschaft, durch welche die Pilger kommen und, zumindest in Deutschland, auch durch die vielen Prominenten, die ihn öffentlichkeitswirksam wanderten.

Camino de Santiago in Spanien

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Var, Frankreich

Die Route beginnt beim bischöflichen Ensemble in Fréjus dessen Kathedrale, das Baptisterium, das Kloster und der Bischofpalast unter Denkmalschutz stehen. In der ehemaligen Abtei von Celle-Roubaud kann es einigen Wanderern gruslig vorkommen, wenn sie in der Kapelle auf den Glassarg der heiligen Roseline treffen, die dort seit 1329 unverwest der seligen Ruhe frönt. Stärken kann man sich mit einem edlen Tropfen des Weinguts, das heutzutage auf dem alten Abteigelände steht.

Jakobsweg Var in Frankreich

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Weiter Richtung Westen trifft man auf ein Meisterwerk der zisterziensischen Baukunst: Die Abtei Le Thoronet ist eine der drei Schwesterabteien der Provence und verkörpert die Einfachheit der Dinge schlichtweg. Le Corbusier war von dieser Baukunst dermaßen fasziniert, dass er viel Zeit an diesem Ort verbrachte und sich davon inspirieren ließ. Die perfekten architektonischen Proportionen verleihen dem Gebäude eine besondere Akustik.

Die Basilika in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume ist der größte gotische Bau der Provence. Darin befindet sich das Grab der heiligen Maria-Magdalena, welches das drittwichtigste des Christentums darstellt.

Jesusweg, Israel

Wer es ausgefallen mag, der kann auf dem israelischen Jesus Trail pilgern. Er beginnt im vermutlichen Geburts-Ort Jesu, in Nazareth. Dort wandern die Pilger an der berühmten Verkündungsbasilika los, machen Station in Kana (hier verwandelte Jesus der Bibel zufolge Wasser in Wein), im Arbel-Tal und am See Genezareth (wo Jesus die Fünftausend speiste) und gelangen schließlich zum Fischerdörfchen Kafarnaum.

Jesusweg in Israel

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Trotz der vielen Verbindungen zum Leben von Jesus ist der Weg auch etwas für Nicht-Christen – denn er führt durch wunderschöne Landschaften; von dichten Wäldern über malerische Dörfer bis hin zu großen Gartenanlagen gibt es vieles zu bewundern. Kaum zu glauben, dass es den 65 Kilometer langen Pilgerweg erst seit 2007 gibt. Die Route wurde da von zwei begeisterten Wanderern ausgearbeitet und wird heute von ehrenamtlichen Helfern als gemeinnütziges Projekt verwaltet.

Paulusweg, Türkei

Klettern, Boot fahren, wandern: Der 500 Kilometer lange Paulusweg hat alles im Angebot. Er beginnt an der türkischen Mittelmeer-Küste, in der antiken Stadt Perge, und führt dann bis zu den Ruinen von Adada. Von dort geht es durch ein Waldgebiet zum Egirdir-See.

Egirdir-See in der Türkei

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An dessen schmalster Stelle können die Pilger per Boot übersetzen, um schließlich ins antike Antiochia zu gelangen. Der Weg führt zwar offiziell an den Wirkungsstätten des Apostels Paulus entlang – doch er ist vor allem passend für alle, die auf ihrer Pilgerfahrt richtig aktiv sein wollen: Der Pfad beinhaltet Etappen, bei denen man teils bis zu 2.200 Höhenmeter zurücklegen muss. Dazu kommen noch zwei höhere Berge von jeweils 2.800 Meter, die man optional besteigen kann.

Besinnungsweg, Österreich

Das Kloster St. Martin in Gnadenwald ist ein einzigartiger Kraftort, dessen magische Ausstrahlung euch schon von Weitem bewusst wird. Hier findet ihr die ersehnte Erholung für euren müden Geist und erschöpften Körper. Das kretische oder klassische Steinlabyrinth, das auf dem Grundstück des Klosters zu finden ist, versteht sich auch als Symbol des menschlichen Lebenswegs. Welcher Weg führt zum Ziel, befinde ich mich womöglich in einer Sackgasse oder ist der Umweg vielleicht doch der richtige Weg? Möglicherweise liefert der Weg durch das Gang-Wirrwarr im Klostergarten doch eine Antwort bei der drängenden Suche nach dem Sinn.

Der Besinnungsweg, der hier bei St. Martin seinen Ursprung hat, orientiert sich mit seinen neun Stationen an den Worten der »Seligpreisungen« Jesu. Sie lassen euch aufmerksam werden und innehalten. Im Gegensatz zu den drei anderen Pilgerwegen ist dieser an einem Nachmittag zu bewerkstelligen.

Wanderweg in Gnadental in Tirol

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Der Besinnungsweg ist gleichzeitig auch Teil des bekannten Tiroler Jakobsweges, dem uralten Pilgerweg zum vermeintlichen Grab des Hl. Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.