Bordeaux-Weine sind bei Weinkennern aus der ganzen Welt beliebt. Der neueste Trend: Die Besinnung auf Tradition und Ursprünglichkeit. Wir verraten, was es damit auf sich hat – und welche Weingüter man besuchen sollte.

Die Weine aus Bordeaux sind bei Weinkennern aus der ganzen Welt beliebt. Der neueste Trend: Die Besinnung auf Tradition und Ursprünglichkeit.

Reben im Sonnenaufgang mit Nebel.

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Wein für Jedermann

Wein wurde schon immer getrunken, bei den Römern sogar zu jeder Zeit. Sklaven bekamen Wein, und für Soldaten gab es immer reichlich Ration. Doch beschrieb man ihn eher mit »zerstreut die nagenden Sorgen« oder »bringt törichte Eigensucht«. Definitiv glich der Wein eher einem Gesöff als einem Genusstropfen. Kein Wunder: Zusätzlich zu der durch den natürlichen Gärungsprozess entstehenden Essignote, erhielt der Wein durch das Dichten der Amphore mit Öl einen entsprechenden Beigeschmack. Um die Säure zu mildern, mischten die Römer Kalk bei. Üblich war es auch, den »edlen Tropfen« mit lauter (in unseren Augen unpassenden) Mittelchen zu verfeinern. Unter anderem mit Aschenlauge, Flöhkraut, Salz, Schwefel, Gips, Pinien- und Pistazienharz. Um den Wein süßlicher zu gestalten, fügten die Winzer Römer Honig und Rosenblütenblätter zu.

Viele dunkle Trauben in Kanister zur Herstellung von Wein.

Vins de Bordeaux

Bitterer Beigeschmack: Adé Tannine!

Genug über die altertümlichen Sitten. Was genau übernehmen die Winzer heutzutage, um den perfekten Tropfen zu bekommen? Um Kalk und Öl im Wein wird heute ein großer Bogen gemacht. Auch der Tanningehalt der Weine wird reduziert. Zwar haben hochwertige Weine häufig einen sehr hohen Tanningehalt, Tannine sorgen aber für einen bitteren Beigeschmack und sind Grund für das pelzige Gefühl auf der Zunge.

Was lange gärt …

Ebenso markant wie die Geschmeidigkeit ist auch das fruchtige Aroma der Bordeaux-Weine. Um einen möglichst unverfälschten Geschmack des Weins zu erhalten, wird der Winzer-Wein in vielen Familienbetrieben nicht mehr in neuen Holzfässern, sondern in Terracotta-Amphoren gereift. Was lange gärt, wird endlich gut, also ab damit in die Erde! Schon die Römer-Winzer haben die Amphoren im kalten Boden reifen lassen. Darüber hinaus werden Zement- oder Stahltanks für den Ausbau verwendet. Das soll sicherstellen, dass der Geschmack des Rebenbodens im Wein zu schmecken ist und die Fruchtnoten nicht durch Sauerstoff oder Holznoten verfälscht werden. Besonders beliebt ist diese Methode bei Weißweinen, weil die meist einen fruchtigen Eigenschmack von Birne, Stachelbeere und Co haben. Wozu da noch ein Holzaroma?

Amphoren zur Weinlagerung in Garten.

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Die jungen Winzer

Vielerorts ist die junge Winzergeneration dynamisch und innovativ. Viele sind weit gereist und haben Weinkunde studiert. Dadurch verschmelzen innovative Technologien mit Produktionstechniken anderer Kulturen. Experimentell und ökologisch, das sind die »neuen Winzer«.

Nachhaltigkeit und Umweltinitiativen werden groß geschrieben in Bordeaux. Genauso wichtig ist die Nähe zum Kunden. Durch die Nutzung sozialer Medien können Kunden und Weinverliebte heute weltweit die Herstellung und Neuheiten mitverfolgen.

Zahlen und Fakten

Das Anbaugebiet Bordeaux verkauft jährlich 138 Millionen Flaschen Wein in über 170 Länder. Davon sind fast neunzig Prozent Rotweine. Auf den 112 Tausend Hektar Fläche der Weinberge arbeiten rund 6100 Winzer. Die am meisten verbreitete Rebsorte ist Merlot.

Mann erntet die Trauben von den Reben.

Vins de Bordeaux

Was schmeckt wie? Kleines Rebsorten-Einmalvier

Cabernet Sauvignon – von diesem Wein hast du ganz bestimmt schon mal gehört. Es ist schließlich aus der bekanntesten Rebsorte Bordeauxs und weltweit beliebt. Der tiefrote Wein begeistert mit einer besonders fruchtigen Note der Johannisbeere. Aromen wie Vanille, Lakritz und Minze zeichnen den begehrten Tropfen ebenso aus wie die kräftigen Tannine.

Merlot – besonders beliebt für moderne Rotweine und dadurch die am meisten angebauten Rebe. Die fruchtigen Aromen von süßen Feigen und Pflaumen machen den Merlot zu einem sehr beliebten Wein, der zu jedem Anlass getrunken wird. Weiche Tannine bringen Noten von Brombeeren und Heidelbeeren ein.

Frauenhand mit Weinglas, dass gerade mit Rotwein gefüllt wird.

Vins de Bordeaux

Cabernet Franc – Himbeer-Vanille-Noten, klingt das nicht lecker? Die kleinen Trauben des Cabernet Franc sind nur mäßig gefärbt, haben dafür aber einen umso süßeren Geschmack. Durch den geringen Tannin und Säuregehalt ist der Wein weich und fruchtig. Noten von schwarzer Johannisbeere, Erdbeeren und Veilchen runden den Wein der alten Rebsorte ab.

Malbec – herber und vielleicht sogar winterlicher ist der Wein der Rebsorte Malbec. Der schwarz-lilafarbene Wein überrascht mit seltenen Aromen wie Lebkuchen, Blaubeere und Wacholder. Besonders im Alter entwickelt er seine volle Intensivität. Durch die hohe Tannin-Dichte ist der Malbec samtig vollmundig.

Rotweinkorken aus Bordeaux

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Weingüter: Und hier schmeckt’s besonders gut

Château Pontet Canet

»Alte Gewohnheiten hinter sich lassen und neu beginnen, um wieder mit der Natur in Kontakt zu treten«. Die Umstellung auf eine ursprüngliche Weinherstellung ist mit viel Geduld und brennender Leidenschaft verbunden. Alfred Tesseron und Jean-Michel Comme haben das Risiko gewagt und setzten auf organische und biodynamische Methoden. Dank Durchhaltevermögen und Herzblut haben sie mittlerweile unvergleichbar gesunde und widerstandsfähige Reben. Sie trotzen Wind und Wetter, Hitzewellen und Trockenphasen. Dieses innere Gleichgewicht und die Kraft schmeckt man in jedem Schluck!

Château Pey Bonhomme les Tours

»Give back to the Earth. Its vitality«. Es ist das größte Weinanbaugebiet Bordeauxs. Auf mehr als dreißig Hektar Land baut die Familie Hubert seit sechs Generationen die Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Malbec an. Die Weine der Huberts sind vor allem eins: ursprünglich. Denn jede Änderung der Technologie lehnt die Familie ab. Ein Wein ohne Tricks, ohne Zusatz. Ein Wein, der mit viel Liebe zur Tradition und der Herstellung an Einzigartigkeit gewinnt. Sanft, elegant und vielschichtig, das sind die Weine des Château Pey Bonhomme les Tours.

Château Fombrauge

Historisch und innovativ. Der Mix von edlen historischen Elementen und fortschrittlich technischen Abläufen macht das Weingut einzigartig. Hier werden die riesigen Rebflächen mit Drohnen überwacht, um den perfekten Reifezustand abzupassen. Nach der Ernte reifen die Trauben in historisch antiken Amphoren. Die exquisiten Weine können bei diversen Weinverköstigungen, Schulungen und Führungen probiert werden. Wer danach am liebsten direkt ins Bett fallen möchte, der ist in den herrschaftlichen Suiten des Château Fombrauges gut aufgehoben. In solch französisch- historischem Charme fühlt man sich fast ein bisschen wie Marie Antoinette.

Weinglas mit Rotwein vor Reben und Wasser

Kym Ellis/Unsplash.com

Château Les Carmes Haut Brion

Ein Weingut wie aus dem Bilderbuch. Sattgrüne Reben, ein gelbes Schlößchen und ein Fluss der das Gut durchquert. Das Gebiet ist seit dem 16. Jahrhundert ein Zufluchtsort der Ruhe und ein Gartens der Fülle. Über Generationen schon bietet der nahrhafte Boden perfekte Anbaubedingungen für gesunde Reben und prächtige Früchte. Die ausgiebige Führung durch die üppigen Hügel des Guts beginnt mit traditioneller Weinherstellung und endet im »New Cellar«, gebaut im Jahr 2004 und geplant von den berühmten Architekten Luc Arsene Henry und dem Designer Philippe Starck.

Welcher ist meiner?

Jeder Wein, ja jeder Weinjahrgang, hat seine eigene Persönlichkeit. Klitzekleine Veränderungen können den Geschmack verändern, ihn zu einem ganz eigenen Wein wandeln. Ein anderes Fass, ein anderer Boden, ein anderes Klima. Wein ist nicht gleich Wein. Schon die Römer fanden gefallen daran, an den edlen Trauben herumzuexperimentieren. So auch die neue Winzer-Generation. Ob Amphoren, Holzfässer, Tanninreich, Tanninarm. Eins steht fest: Für jeden gibt es den passenden Wein, und nicht nur einen. Da hilft nur kosten – zum Wohle!

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