Manchmal verfliegt die Zeit. Ganz ohne, dass man es merkt. Die innere Uhr weiß nicht mehr, welcher Tag es ist. Das Gefühl nennt sich Abstand vom Alltag oder übersetzt: Constance Halaveli Resort. Text: Anja Genz

Sanft wiege ich auf und ab. Die kleinen ovalen Fenster geben den Blick frei auf die glitzernde Oberfläche. Das türkisfarbene Wasser trägt uns scheinbar mühelos. Dabei sind unzählige Gepäckstücke an Bord und elf urlaubsreife Gäste. Vom japanischen Pärchen über den Scheich mit seiner verschleierten Frau bis hin zu jungen englischen Honeymoonern. Mir ist noch unklar, ob wir überhaupt abheben können. Ich sitze in einem knallroten kleinen Wasserflugzeug. Zum ersten Mal, und nein, ich habe keine Flugangst, aber ich bin nervös. Ich rede mir ein: der Pilot und seine Zwei-Personen-Crew haben das schon öfter gemacht. Immerhin wissen sie anscheinend, dass es sich barfuß auf den Malediven besser fliegt. Die Tür schlägt zu. Propeller knattern – ein tosendes Gerappel, ähnlich dem Gefühl, auf einer Waschmaschine zu sitzen. Wir heben sanft ab. Mit ruhig summendem Motor geht es in Richtung Constance Halaveli Resort. Die Aufregung schlägt in Vorfreude um. Ich versuche, die unzähligen kleinen Inseln unter uns zu zählen. Sie erscheinen wie kleine Spiegeleier im Ozean. Ich scheitere kläglich – es sind zu viele. Nach 25 Minuten lande ich im Paradies! Hier ticken die Uhren anders. An der Tagesordnung: FlipFlops, luftig leichte Kleidung und garantiert kein Make-up. Eben ganz relaxt und gelassen. Kaum habe ich den Fuß auf die Insel gesetzt, überkommt mich eine seelische Ruhe. Aller Alltag und Ballast sind wie weggeblasen. Bei der Aussicht fällt das nicht schwer. Palmen beugen sich über den puderzuckerweißen Strand. Sie schwingen leicht mit dem Wind, während das glasklare Meer den feinen Sand rhythmisch umherspült. Die Wirkung? Sehr beruhigend, fast wie autogenes Training. Das Gefühl begleitet mich – bis in meine Wasservilla.

100 Quadratmeter direkt über dem Meer – auf Holzstelzen. Der Effekt ist einzigartig: eine Hintergrundmusik aus einem nie endenden Platschen und Gurgeln. Es zieht mich magisch auf das hölzerne Sonnendeck. Schließlich habe ich hier nicht nur einen Blick auf den traumhaften türkisfarbenen Ozean, sondern rieche ich ihn auch. Er hypnotisiert meine Sinne, und ein angenehmer Wind streicht sanft über die Haut. Plötzlich finde ich mich im Infinity-Pool meines Sonnendecks wieder. Die Kühle erfrischt. Sie weckt den Entdecker. Meine Mission: unzählige Lichtschalter für noch so kleine Lämpchen finden, die Klimaanlage überlisten und meine „Hütte”, wie ich sie liebevoll nenne, erkunden. Natürlich ist es eher ein Palast der Gemütlichkeit mit dunklem Holz im Schlafbereich und Steinplatten im Bad. Sehr beeindruckend sind die gewölbten und warm angestrahlten Holzdecken. Sie erinnern an ein Dhoni, den traditionellen Bootstyp der Malediven. Von jedem Plätzchen blicke ich auf das Meer. Ob von der frei stehenden Badewanne oder der Dusche. Die pure Wohlfühlatmosphäre. Wer braucht bei dem Ausblick schon Kontakt zur Außenwelt – egal, ob es der riesige Flachbildschirm mit Internet und Fernsehen oder das Telefon mit Anrufbeantworter ist? Wesentlich praktischer ist der gefüllte Weinkühlschrank. Ein gutes Glas versüßt mir den Sonnenuntergang. Dafür muss ich nicht mal an die Strandbar hinüber.

Der Sand fühlt sie an wie Puderzucker

Wer annimmt, dass Strand gleich Strand ist, hat weit gefehlt! Hier gleiten die Füße durch samtweichen Sand. Wüsste ich es nicht besser, könnten es auch Unmengen an Puderzucker sein. Das Geheimnis heißt Korallensand. Mit einer besonders angenehmen Eigenschaft: Er wird nicht heiß wie gewöhnlicher Sand. Ich spaziere einmal um die Insel – extra langsam. Dabei sind 15 Minuten eigentlich schon reichlich bemessen. Im Schlendertempo hinterlasse ich Fußabdrücke im Sand, suche nach Muscheln und sitze unter Palmen. Es ist der beste Platz, um Stachelrochen oder den elegant vorbeistelzenden Kranich zu beobachten. Dazwischen: Abtauchen in badewannenwarmes Meer. Das Ziel meiner Inselwanderung ist der Hauptstrand. Der frische Mango-Smoothie ruft. Den genieße ich gemütlich in die Hängematte gekuschelt. Andere Gäste kommen kaum vorbei. Ganz wie an einem Privatstrand. Das könnte durchaus daran liegen, dass maximal 150 Urlauber im Resort sein können. Aber man erspäht sogar noch weniger Gäste, viele genießen ihre eigenen vier Wände. Von der Wasser- über die Strandvilla bis hin zum Highlight, der 700 Quadratmeter großen Präsidentenvilla – für jeden Geschmack und Anspruch ist etwas dabei.

Es ist Zeit für eine vitalisierende Massage im Valmont-Spa. Für den Anfang reicht mir eine Gesichtsbehandlung. Ich schlüpfe in eine Art Kimono, und meine Wahl fällt auf »Source of Bisses«, zur Hydration der Haut. Es beginnt und endet mit einem kleinen Kribbeln. Kreisende und behutsam streichende Finger verreiben die verschiedensten Cremes mit dem Ziel der Zellauffrischung. Ich bin auf den Geschmack gekommen. Am nächs­ten Tag erlaube ich mir gleich eine Ganzkörperbehandlung. Mit heißen Steinen. Gespannt schaue ich durch die Liege und eine Art Bullauge auf den Meeresgrund. Unzählige Fische wirbeln dort umher. Ich denke noch: was für eine nette Idee. Danach erinnere ich mich an nichts mehr. Ein herzliches »Excuse me, Ms Genz« und der Hinweis, dass meine Behandlung beendet sei, wecken mich auf. Wie ich mich fühle? Wie neugeboren!

Entspannung schön und gut, aber ich brauche etwas Action

Entspannen ist schön und gut. Doch ich brauche etwas Action. Klimatisiertes Fitnessstudio oder Tennisplatz gibt es überall auf der Welt. Die Unterwasserwelt des Alifu Alifu Atolls aber nicht. Also nichts wie los. Mit einem Boot geht es hinaus an die Schnorchelspots. Ein beherzter Sprung, und mir eröffnet sich eine andere Welt. Schwerelos treibe ich an der Oberfläche und betrachte die verschiedensten Fischarten wie im Kino. Einen riesigen Walhai sehe ich nicht, dafür niedliche Clownfische in ihren Anemonen. Umso beeindruckender, aber ungefährlich sind zwei Riffhaie. In dieser stillen Welt scheint alles vergessen. Nur das Meer und ich. Die Strahlen der Sonne bündeln sich unter Wasser. Es wirkt wie eine Art Lichttrichter, der sich in der Tiefe verliert. An der senkrechten Riffkante wird mir mulmig. Es geht steile 15 Meter in die Dunkelheit hinab. Ich stelle fest: Ich bekomme Höhenangst. Und das unter Wasser! Die Tiefe ist genauso wenig für mich gemacht wie die Höhe.

Ganz im Gegensatz zur Geschwindigkeit. Da kann ich nicht schnell genug sein. Wen wundert es da, dass ich als nächsten Programmpunkt das Wakeboarden ausgesucht habe. Es soll mit Snowboarden vergleichbar sein, nur auf dem Wasser. Beides kann ich nicht. Kraft und Durchhaltevermögen sind gefordert. Ich ziehe mich am Seil aus dem Wasser heraus, hinter dem fahrenden Boot. Mein Ehrgeiz ist geweckt. Zwei Tage lang versuche ich mich zu steigern, bis hin zu einem senkrechten Sprung. Dafür kommt die Quittung sehr bald – ein ordentlicher Muskelkater. Der unweigerliche Effekt: Ich humple nun am Strand entlang. Das war es wert! Schließlich gibt es noch unzählige bewegungsärmere Alternativen, wie zum Beispiel Essen.

Ich hoffe, der Tag des Abschieds kommt nie …

Wie wäre es mit einem romantischen Abendessen am Strand? Das Küchenteam zaubert mir die Leichtigkeit und die Gelassenheit der Malediven auf die Zunge. Bei einem Glas Champagner schwelge ich in den Erlebnissen des Tages. Derweil werden in Limettensaft eingelegter Rifffisch sowie allerlei Kleinigkeiten bis zum »Surf und Turf« mit süßem Kokosnussdessert serviert. Cédric, der Chef-Sommelier, sorgt für die passenden Weine. Bei 14000 Flaschen in zwei Weinkellern hat er reichlich Auswahl.

Doch der Tag ist gekommen. Ich hatte gehofft, er kommt nie. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen vom neu gewonnenen Paradies. Der beste Ort dazu? Natürlich mein Pool – nachts unterwasserbeleuchtet. Dazu funkeln die Sterne am Himmel um die Wette. Fast schon zu kitschig, um wahr zu sein. Morgen hat die Realität mich wieder. Und damit die Zeit. Schade …

Anreise. Beispielweise mit Emirates über Frankfurt a. M. nach Dubai und Weiterflug nach Male. Anschließender 25-minütiger Weiterflug mit dem Wassertaxi. Hier können maximal 25 kg Gepäck pro Person mitgenommen werden. Übergepäck wird extra berechnet. Bei Anreise nach 16 Uhr werden die Gäste zu einem vorreservierten Hotel in Male gebracht.

Aktionen. Kostenfrei sind zum Beispiel Tretbootfahren oder Fitness. Gegen eine Gebühr werden zum Beispiel Katamaran-Segeln, Wakeboarden, Wasserski, Tauch- oder Schnorcheltouren angeboten. Dazu sind Ausflüge bei Sonnenuntergang im traditionellen Dhoni oder zu unbewohnten Inseln möglich.

Spa. Als eines der »Signature Rituals« von Valmont wird im Halaveli Spa das »After Diving Treatment« angeboten. Hier kosten 45 Minuten um die € 160. Die 30-minütige Valmont-Gesichtsbehandlung Source of Bisses ist für knapp € 100 zu haben.

Constance Halaveli Resort. Eine Woche in der Wasservilla kostet € 1 846 pro Person (Sieben-Tage-für-vier-Special, inklusive Frühstück und Transfer). Alifu Alifu Atoll, Halaveli 09130, Republic of Maldives. Tel.: +960 666 70 00, www.halaveli.com. Zum Beispiel buchbar über: www.radermacherreisen.de

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