Surfer-, Strand- und Spa-Paradies, der Ballermann der Tropen oder auch Selbstfindungsinsel – Indonesiens beliebteste Urlaubsinsel trägt viele Namen, negativ wie positiv behaftet. Trotz der Touristenflut ist und bleibt Bali ein tropisches Juwel, dessen magischem und spirituellem Flair man sich kaum entziehen kann. Ein Erfahrungsbericht.Text: Ulrike Klaas

Es ist kurz nach sechs am Morgen, der Strand vor uns und die Pool-Liegen hinter uns sind menschenleer. Die Flut drückt mehr und mehr die Wellen an den Sandstrand und untermalt das beginnende rhythmische Gemurmel des Priesters. Er singt und beginnt unvermittelt mit dem vor Wasser triefenden Strauß Zitronengras-Stängeln über unseren Köpfen zu wedeln. Anschließend klebt er uns gelb gefärbte Reiskörner auf die Stirn und hinter die Ohren. Dabei murmelt und singt der hinduistische Priester unentwegt. Verstehen tun wir fünf Teilnehmer nichts von dem Ritual. Die Knie schmerzen. Die Augen fallen immer wieder zu – ob nun wegen der frühen Morgenstunde, den Strahlen der aufgehenden Sonne oder den Wasserspritzern des Priesters.

Ritz Carlton Nusa Dua -Bali

Ulrike Klaas

Nach einer halben Stunde ist das religiöse Spektakel vorbei. Ob ich mich gereinigt fühle? Seien wir ehrlich: nein. Ich fühle mich wie nach einer muffigen Dusche. Aber bei der Zeremonie ging es ja auch nicht um die äußere Hülle, sondern um das Innere, die Seele. Das Äußere muss ich anscheinend selber säubern.

Achtung, Superlative!

Ob man nun dran glaubt oder nicht: Wer Bali besucht, der kann sich vor der Spiritualität der Insel nicht verschließen. Der Priester aus dem benachbarten Dorf ist heute früh extra ins The Ritz-Carlton Nusa Dua gekommen, um in einer Zeremonie unsere Touristenseelen zu reinigen. Sozusagen professionelles Seele-baumeln-Lassen.

Traumhaft schön: Ritz Carlton Nusa Dua-bali

Ulrike Klaas

Das Fünf-Sterne-Haus, das ganz im Süden Balis liegt, ist ein kleines Dorf der gehobenen Großzügigkeit und der noblen Ruhe, aber auf einem sehr entspannten Niveau. Der Sandstrand ist wohl – Achtung, Superlative! – der schönste und weißeste der ganzen Insel, falls die Gäste es denn überhaupt bis zum Meer schaffen. Zu schön ist es im eigenen kleinen Bungalow mit eigenem Pool, in den man entspannt von seiner Terrasse aus hüpfen darf.

Privatsphäre hoch fünf mit eigenem Pool - Ritz Carlton Nusa Dua- bali

Ulrike Klaas

Noch mehr Futter für die Seele gibt es im weitläufigen Super-Spa. Bei einem »Tropical Marine Pleasure«-Treatment werden in 120 Minuten (Warum kommen einem solche Zeitspannen dann vor wie 20 Minuten?) gekonnt Stress und Verspannungen hinfortgeknetet. Es wird noch besser: In sechs Restaurants wird serviert, wonach der Gaumen verlangt. Die Genusspalette reicht von authentischer indonesischer Küche über Tapas am Strand hin zu frischem Fisch- und Grillspezialitäten. Natürlich darf auch die frischen japanische Küche nicht fehlen.

Kenn Sie einen Ketut?

Wessen Seele im The Ritz-Carlton Nusa Dua nicht nach zwei Tagen sprichwörtlich völlig entspannt in der Hängematte baumelt, dem kann tatsächlich nur noch der Hindu-Priester helfen.

Der Eat-Pray-Love-Selbstfindungs-Tourismus auf Bali boomt nach wie vor. Viele besuchen die indonesische Insel auf der Suche nach dem wahren Glück des Lebens. Oder zumindest die Erleuchtung, auf welchem Weg sich das Glück denn finden ließe. Heiler wie »Ketut« – ebenjener Heiler, der Autorin Elizabeth Gilbert im wahren Leben und Julia Roberts im Film »Eat. Pray. Love.« die Erleuchtung näherbringt – sind eine hoch frequentierte Attraktion Esoterik-Reisender.

Reist man als unwissender Tourist nach Bali und ist auf der Suche nach »Ketut«, könnte dies eine schwierige Angelegenheit werden, denn auf Bali trägt fast jeder Zweite diesen Namen. Oder eher gesagt: Jeder Vierte. »Ketut« heißt nämlich übersetzt: der Viertgeborene. Die Balinesen bevorzugen es, ihre Kinder zu nummerieren. Bis zum Vierten. Dann geht es von vorne los. Bei Mädchen wie bei Jungen.

Bambuskörbchen für die Götter

Der Glaube ist ein wichtiger Bestandteil der balinesischen Kultur. Er ist allgegenwärtig. Es muss nicht gleich eine Touri-Seelenreinigungszeremonie bei einem Heiler sein, um dem Antlitz der drei Götter Shiva, Brahma und Vishnu zu begegnen.

Opfergaben für die Götter auf Bali

Ulrike Klaas

An jeder Straße, auf jedem Gehweg und in jedem Haus befinden sich kleine geflochtene Bambuskörbchen, die mit Blüten bestückt sind. Dreimal täglich opfert und dankt der Balinese den Göttern mit kleinen Gaben. Sogar jedes Reisfeld hat seinen eigenen Schrein.

93 Prozent der balinesischen Bevölkerung leben den Hinduismus. Damit ist Bali die einzige hinduistische Enklave in Indonesien, wo 87 Prozent Muslime den Anteil an der Bevölkerung ausmachen. Es ist eine vergleichsweise aufgeschlossene Ausprägung des Hinduismus Agama Hindu Dharma genannt. Im Gegensatz zu Indien beispielsweise spielt das Kastensystem eine geringe Rolle.

»Es ist keine Religion, sondern gehört zum Leben dazu wie das Zähneputzen«,

sagt Isan, Koch im The Ritz-Carlton Hotel.

Er nimmt uns Gäste mit zum einheimischen Markt zwanzig Autominuten entfernt. Mopeds drängeln sich im Zickzackkurs haarscharf zwischen Autos und Fußgängern hindurch. Die Straße gleicht einem motorisierten Ameisenhaufen, der brummt wie ein Bienennest.

Bananenverkäufer Nusa Dua - bali

Ulrike Klaas

Die Männer tragen Röcke mit Schlitzen vorne, einem Tuch um den Bauch und eine Art Turban um den Kopf. »Udeng nennt sich der Turban«, erklärt Isan. Das Ende der Schleife vor der Stirn zeigt gen Himmel – so halte man den Kontakt mit dem Überirdischen, nehme seine Gedanken zusammen und fokussiere sich auf das Wesentliche, sagt Isan. Das Göttliche steckt im Detail!

Überall duftet es nach Räucherstäbchen

Auch am Abend am Uluwatu, dem südlichsten und mit bekanntesten Tempel Balis, der sich in schwindelnder Höhe auf den Ozean ausrichtet, wo irgendwann hinter dem Horizont nur noch Westaustralien und dann die Antarktis wartet. Der Duft der Räucherstäbchen, die ebenfalls als Opfergabe dienen, erfüllt die Luft. Ein Geruch, der mich über die ganze Insel begleiten wird, ebenso wie die unverwechselbare Tempelmusik, die am Uluwatu kommt und geht, je nachdem, wie der Wind die Melodie zu uns trägt.

Magischer Sonnenuntergang Uluwatu

Ulrike Klaas

Die untergehende Sonne färbt den Himmel so magisch magentarot, dass die vielen Touristen sich nicht mehr vom Objektiv oder Smartphone lösen können. Dann beginnt der Tanz, der viel mehr ist als das. Aufgeführt für uns Touristen, und dennoch wird uns Zuschauern schnell klar, dass auch Tanz Religion ist und die Bitte um den Segen Gottes und der Dank dafür – wie Isan mir am Morgen erklärt hatte.

Selbst hier am Touristenmagnet schlechthin entfaltet sich eine Magie. Das rhythmische Cak-Cak-Cak des Kecak-Tanzes, das die Männer irgendwann in Trance versetzt und die Tür zu höheren Sphären öffnet, ihrer Auffassung nach. Ihr Kampf zwischen Gut und Böse und das Streben nach Harmonie und Balance im Leben.

Tänzerinnen am Uluwatu - Bali

Ulrike Klaas

Plötzlich ist sie greifbar diese Faszination Balis: die mit Leben ausgefüllte Kultur, die in einer offensichtlichen Selbstverständlichkeit gelebt wird und die Insel unverwechselbar macht. Und die auch durch die Massen an Touristen nicht an Wert verliert.

Das Irdische schön gestalten

Selbst Orte wie Kuta, ein weiteres Strandeldorado im Süden, das allerdings auch als Ballermann der Neuseeländer und Australier gilt, die gerne schon mittags einen über den Durst trinken, können den Gesamteindruck nicht schmälern. Empfehlenswert wäre es dennoch, wenn man einen großen Bogen um Kuta macht.

Nach ein paar Tagen braucht das Auge eine Veränderung. Das Blau des Ozeans wird eingetauscht gegen ein Meer aus saftigem Grün. Das Ziel: Ubud. Der Ort der schönen Künste. Dort, wo kreative Köpfe aus aller Welt sich ausgetobt haben.

Auf dem Weg begegnet uns eine Prozession mit Opfergaben zum nächstgelegenen Tempel. Das ganze Dorf scheint auf den Füßen zu sein, festlich geschmückt von Kopf bis zur Sohle. Die Götter scheinen Ästheten zu sein. Die Häuser, an denen wir vorbeifahren, würden es allesamt in ein Schöner-Wohnen-Magazin schaffen. Allein die wunderschön arrangierten Gärten sind eine Augenweide: Ein harmonisches Zusammenspiel aus tropischen Blumen, Götterfiguren, Schreinen und Teakmöbeln. Möglichkeiten, diese zu erstehen, gibt es reichlich. Möbellädchen buhlen um die Gunst der Touristen. An jedem möchte man anhalten und über die wunderschönen Holzschnitzereien mit der Hand fahren. Der unbedingte Wille, dem Irdischen Schönheit abzuringen und die Insel zum Gefallen der Götter zu gestalten, ist allgegenwärtig.

Die Geister, die Walter Spies rief

Glücklicherweise löst die Aussicht auf ein tropisches Grün den Einkaufsdrang ab. Dass die Götter auch bei der Anlage der Reisterrassen ihre Hände im Spiel haben, glaubt man bei diesem Anblick sofort. Der deutsche Walter Spies hat sich hier ein besonders schönes Fleckchen ausgesucht, von dem aus er das Kunstleben auf Bali seit 1927 maßgeblich mitgestaltet hat. In Deutschland ist der 1942 verstorbene Maler weitestgehend unbekannt, auf Bali jedoch jedem ein Begriff, denn er hat den Geist und die Geister der Balinesen wohl so gut verstanden und zum Ausdruck gebracht wie kaum ein Ausländer je zuvor, heißt es. Er war es auch, der den berühmten Kecak-Tanz wesentlich mitprägte und damit sein Verständnis von balinesischer Kunst ausdrückte.

Seit seiner Zeit zieht es die Kunstschaffenden ins Grüne – wie den Schmuckdesigner John Hardy, US-Amerikaner. Sein Team aus kreativen Köpfe sitzt inmitten eines Reisfeldes und zeichnet neue Schmuckkreationen. Ubud ist längst keine erlesene Künstlerkolonie mehr, sondern ein berühmter Touristenort, wenn man auf Bali seinen Urlaub verbringt.

Künstlerkolonie Ubud ist längst ein Touristenmagnet

Ulrike Klaas

Zahlreiche Museen, Galerien und Tanzperformances locken die Besucher an. Kitsch und Kunst, so weit das Auge reicht. Ebenso wie Yogastudios und Spas.

Betreten mit schlechten Gedanken verboten

Auch die historischen Sehenswürdigkeiten rund um Ubud legen Wert darauf, sich auf die Schönheit der Dinge und des Lebens zu besinnen. Vor Gunung Kawi, einer der wohl eindrucksvollsten historischen Stätte Balis im Pakerisan-Tal, steht ein Schild, das ausdrücklich darauf hinweist, dass man das Gelände nicht »mit schlechten Gedanken« betreten darf.

Ulrike Klaas

Und zum Pura Tirta Empul, einer von Balis heiligsten und wichtigsten Tempelanlagen, kommen gläubige Balinesen und auch Touristen, um sich in den heiligen Quellen spirituell zu reinigen und ihren Körper und Geist vor Krankheiten und der Missgunst der Götter und Dämonen zu bewahren.

Am Nachmittag zeigen sich die Götter milde, als ich durch die Reisfelder radele: Das Licht ist sanft, die Temperaturen mild und das Grün noch satter. Ich bin im Hier und Jetzt. Inmitten der idyllischen Weite. Das Klackern der Reifen auf dem Schotterweg, das Schnattern der umherstolzierenden Enten und das Rascheln der bunten Fähnchen im Wind. Der Geruch nach nasser Erde und sattem Grün. Der Anblick der Szenerie aus Palmen und Himmel, die sich im Wasser der Reisfelder widerspiegelt. Kurz erahnt man, warum die Reisterrassen auch Himmeltreppen zu den Göttern genannt werden. Das ist Balis wahres Gesicht. Und tatsächlich: Die Insel schafft es mit Charme und Schönheit, den Geist von allen negativen Gedanken zu befreien – ob die Seele nun gereinigt ist oder nicht.

 

Anreise. Mit Emirates via Dubai nach Bali. www.emirates.com/de

Übernachten. Ritz-Carlton Nusa Dua, Jl. Raya Nusa Dua Selatan Lot III, Sawangan, Badung, Bali 80361., Suiten ab € 350 die Nacht, Villen ab € 900 die Nacht bei

Doppelbelegung. Mandapa, a Ritz Carl-ton Reserve. Mandapa Resort, The Ritz Carlton Hotel Company, Jl. Raya Kedewatan, Ubud, Kab. Gianyar, Bali 80571, Indonesien, Suiten ab € 400 die Nacht für zwei Personen, Villen ab € 780 die Nacht für zwei Personen inkl. Frühstück. www.ritzcarlton.com

Infos. Visit Indonesia Tourism Officer, c/o Global Communication Experts GmbH. Hanauer Landstraße 184, 60314 Frankfurt, Tel. 069 17 53 71 038, www.tourismus-indonesien.de. Zahlreiche Infolinks und PDFs zum Download

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Mehr Unterkünfte auf Bali? Das absolute Top-Luxus-Hotel auf Bali ist das Mandapa, a Ritz-Carlton Reserve. Warum Redakteurin Ulrike Klaas gar nicht mehr aus dem Schwärmen herauskam, lesen Sie hier.

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