Aus der Perspektive eines Seeadlers sehen die 2.000 Kalkfelsen der Halong Bay wie grüne Tupfer aus. Die Passagiere der Luxusdschunke sehen die Inseln als ein Wunder der Natur. Text: Karolina Golab

Hallo Halong Bay

Je weiter wir Hanoi hinter uns lassen, desto ländlicher und geräuschfreier wird die Provinz. Es sind gerade mal 160 Kilometer zum Golf von Tonkin, aber es dauert fast eine Stunde, bis man sich aus den Klauen der Fünf-Millionen-Stadt mit doppelt so vielen Mopeds befreit hat. Und weitere drei Stunden, bis wir mit dem vorgeschriebenen Tempo 80 km/h Lotusblumen- und Reisfelder sowie Wasserbüffelherden hinter uns lassen und schließlich die Halong Bay erreichen.

Fre Sonneveld

In einer kleinen Bucht auf dem Tuan Chau Island liegt die  Dschunke von Paradise Cruises vor Anker. Es ist ein traditionelles Boot mit gelben Segeln, 17 Luxuskabinen und einer Sauna, die bei 40 Grad Celsius und 80-prozentiger Luftfeuchtigkeit kaum einen Freiwilligen finden wird. Der rote Teppich ist ausgerollt. Die kalten und nach Lotus duftenden Erfrischungshandtücher werden mit einer Silberzange ausgeteilt. Jetzt heißt es endlich aufatmen! Nur das Klimpern der Champagnergläser ist jetzt noch zu hören.

Das Boot setzt sich in Bewegung

Und plötzlich ist es gar nicht mehr allein. Nach Erreichen des offenen Meeres ist es Teil einer Riesenarmada von einheimischen Fischerbooten, Kajaks und weiteren Dschunken. Wer Halong Bay ganz für sich allein haben will, ist 100 Jahre zu spät geboren. Trotzdem: Das sanfte Gleiten und die leise Klaviermusik lassen die wenigen Passagiere schnell alle Mitstreiter vergessen. Zwei Tage soll die kleine Kreuzfahrt dauern, aber schon jetzt möchte ich diesen Moment einfrieren: leichter Windhauch, aufgespannte Schirme am Sonnendeck, frischer Lotusblumensalat, der auf feinstem Porzellan gereicht wird, und dazu die Kulisse, die sich gut im Breitbandformat machen würde. Wir gleiten an den vom Dschungel überwucherten Felswänden vorbei, dann wieder durch ein Labyrinth aus Fjorden und Höhlen.

Stijn Swinnen

Die Halong Bay besteht aus 2.000 Inseln, davon stehen 400 unter dem Schutz der Unesco. Ähnliche Formationen gibt es nur noch im thailändischen Krabi und im chinesischen Guilin. Und die beste Art, das Naturwunder zu erkunden, ist neben Segelbooten ein Kajak, mit dem man unter den Stalaktit-Höhlen zu größeren Kesseln gelangt, um dem Echospiel zu lauschen und auf einem kleinen Strandabschnitt die absolute Ruhe zu erleben, während die Seeadler im Himmel ihre Kreise ziehen.

Abschied nehmen fällt schwer

Bis auf eine sind die Kalkinseln nicht bewohnt. Die meisten Menschen, denen wir begegnen, sind Touristen oder Händler, die von Ananas bis Chips alles feilbieten, was auf ihr Bambusboot passt. Einige von ihnen leben in Cua Van, einem Fischerdorf, das in seiner Art einzigartig ist. Die Fischer leben wie ihre Vorfahren in kleinen Holzhütten mitten im Meer. Hier gibt es keine Straßen. Nur Kinder auf Bambusbooten, die auf uns zurudern, um ihre Perlmuttmuscheln feilzubieten: »Madame, one dolla’!« Der Singsang geht mir gar nicht mehr aus dem Kopf, als wir wieder an Bord gehen, um zu dinieren. Bis acht Uhr müssen wir unseren Ankerplatz erreichen. Denn danach herrscht in der Halong Bay absolute Stille. Hanoi scheint Lichtjahre entfernt.

 

Anreise. Mit Vietnam Airlines ab Frankfurt/a.M. viermal wöchentlich nonstop nach Hanoi

Reiseveranstalter. Ikarus Tours bietet verschiedene Vietnamreisen an.

Paradise Cruises. Für Individualreisende: In der Zeit von Mai bis Sep. kostet die Kabine für eine Drei-Tages-Tour ab 310 USD. Von Okt. bis April ab 360 USD inkl. Vollverpflegung außer Getränken, Schnorchelausrüstung, Tai-Chi und Kochvorführungen.

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