An der norditalienischen Adriaküste öffnete 2015 das Dörfchen Portopiccolo seine Pforten. Ja, richtig gelesen. Ein ganzes Dorf. Aus dem Felsen gestampft. Mittendrin: das Fünf-Sterne-Hotel Falisia. Text: Frank Störbrauck

Der Tag ist noch halbwegs jung, als sich der Wagen am Flughafen Triest gegen Mittag in Bewegung setzt. Gerade einmal zwanzig Minuten soll ich unterwegs sein. Mein Ziel: Portopiccolo. Ich gebe zu: Ich hatte einige Wochen zuvor noch nie davon gehört. Aber ich war nicht allein. Freunde, von denen ich glaubte, sie kennen Italien aus der Westentasche, zuckten auch nur mit den Schultern. »Wo soll das denn sein?«, hallte es mir fragend entgegen. Wer sich in Portopiccolo eingooglen will, wird bei Wikipedia enttäuscht: Das Online-Lexikon schweigt. Dafür aber spuckt die Suchmaschine unzählige Beiträge und Fotos aus, die mir eine Welt aus Glanz, Glamour und Luxus verheißt. Tatort-Kommissar Miroslav Nemec verbrachte hier seinen Urlaub. Und Victoria Swarovski, ja, die mit den Kristallwelten aus Tirol, schmiss hier gar ihre Hochzeitsparty. Ich bin neugierig.

Es geht im Nieselregen über die A4 durch die verschlafene Landschaft der Region Friaul-Julisch Venetien. Richtung Süden, bis zur Ortschaft Sistiana. Das ist ein kleines Dorf, rund 20 Kilometer nördlich von Triest. Der Fahrer biegt von der Hauptstraße ab und steuert den Wagen auf eine Straße, die zur Bucht hinabführt. Auf einem riesigen Werbeschild steht in großen Buchstaben »Portopiccolo«. Ich bin da.

Portopiccolo und Hafen

Frank Störbrauck

Dass es sich hier keineswegs um ein ganz normales Dorf am Meer handelt, wird mir schon nach 300 Metern klar: Eine Schranke versperrt den Weg, zur linken Seite ein Bungalow-förmiger Bau. Ein Mann einer Sicherheitsfirma sitzt dort hinter Glasscheiben und wacht über Dutzende High-Tech-Monitore. Portopiccolo ist zwar jederzeit für die Öffentlichkeit zugänglich, aber das Recht, jemanden abzuweisen, das haben sich die Betreiber dieser illustren Wohngegend vorbehalten.

Portopiccolo: nichts für knauserige Sparfüchse

Der Bauträger Rizzani de Eccher (RDE) hat hier 2015 ein beeindruckendes Immobilien-Projekt aus dem Boden gestampft. Auf 35 Hektar Größe wurden in drei Jahren Bauzeit 460 Wohneinheiten treppenförmig in die ehemalige Steinbucht gezimmert. 28 Kräne und 800 Arbeiter waren dafür im Einsatz. Villen, Häuschen, Apartments – für jeden ist etwas dabei.

Blick auf Häuser in Portopiccolo

@portopiccolosistiana

Für jeden? Nun, nicht ganz. Wer sich hier niederlassen will, braucht das nötige Kleingeld. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für das eigene Luxusdomizil beträgt rund 6.500 Euro. Auch die Marina und die Promenade, die den Wohneinheiten zu Füßen liegen, wurde neu gebaut. Dazu wurde mal eben die Meeresbucht einhundert Meter landeinwärts verlegt. Der Hafen, so viel Luxus darf sein, bietet 121 Liegeplätze für Yachten.

Yacht im Hafen von Portopiccolo

Frank Störbrauck

Ich aber habe keine Villa. Noch nicht einmal ein Einzimmer-Apartment. Weder gekauft noch gemietet. Aber für Besucher wie mich gibt es eine Alternative in dem Dorf. Eine sehr feine sogar: das Fünf-Sterne-Hotel Falisia. Es gehört zur Luxury-Collection-Familie der Starwood-Hotels (die wiederum mittlerweile eine Tochter der Marriott-Gruppe ist).

Bevor ich auf Entdeckungstour durch das Hotel flanieren kann, muss ich erst einmal dort ankommen. Nachdem uns die Securtiy problemlos an den Schranken hat passieren lassen, geht es die Straße hinunter zum Hafen. Ich blicke mich leicht nervös um. Gleich bin ich da. Habe ich alles? Handy, Jacke, Rucksack? Dazu muss man wissen: Ich lasse immer wieder gern Habseligkeiten im Auto liegen. Besonders dann, wenn ich aufgeregt bin und es plötzlich hopplahopp gehen muss.

Plötzlich verschwindet der Wagen in einem riesigen Parkhaus

In Gedanken steige ich bereits aus meinem schicken Wagen an der Promenade aus und stolziere in die Hotellobby. Auf halber Strecke aber biegt der Fahrer plötzlich ab. In eine dunkle Tiefgarage. Oh. »Portopiccolo ist autofrei. Jeder, der mit dem Auto anreist, muss seinen Wagen im Parkplatz abstellen«, klärt mich der Fahrer auf, als er im Rückspiegel in mein verdutztes Gesicht blickt.

Rund zweihundert Meter rollt der Wagen durch das 1.220 Parkplätze bietende Tiefgaragen-Labyrinth. Dann sind wir da. Das Falisia hat einen eigenen Tiefgaragen-Eingang. Ein Page eilt herbei und nimmt sich meines Koffers an und begleitet mich zum Fahrstuhl. Nur einen Stock geht es nach unten – und schon stehe ich vor der Rezeption. Fein, fein, denke ich.

Das Falisia ist ein schnuckeliges Kleinod. Besonders gut gefällt mir die Größe des Hotels: Nur 58 Zimmer und Suiten gibt es.

Zimmer im Falisia Resort & Spa Portopiccolo

@portopiccolosistiana

Alle, so auch meins, haben einen kleinen Balkon mit Blick auf die Hafenpromenade, den zentralen Dorfplatz und den Yachthafen. Auf dem Balkon ist man also ziemlich nah dran am Geschehen. Man kann es sich hier bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Rotwein herrlich gemütlich machen und das Geschehen beobachten. Nachdem ich Platz genommen habe, bemerke ich aber schnell, dass ich es vor allem bin, der hier beobachtet wird. Denn die Balkone sind eine Art Präsentierteller. Gefühlt jeder, der auf der Promenade vorbeiflaniert, nimmt mich ins Visier. Einige lächeln verstohlen, andere winken. Huhu … bon giorno!!

Blick auf das Falisia Hotel in Portopiccolo

@portopiccolosistiana

Molto chic: eine Sauna komplett im Glaskasten

Das Hotel wirbt vor allem damit, eine Erholungsoase in einem luxuriösen Ambiente zu sein. Dass hier keine Autos herumlärmen und die Luft verpesten, das ist ja schon mal eine gute Sache.

Frau fotografiert Mann und Sohn in Portopiccolo

@portopiccolosistiana

Aber das ist natürlich nicht alles, was das Falisia zur Entspannung in petto hat. Im zweiten Stock versteckt sich eine kleine Wellnessoase, gleich nebenan ein Fitnessraum. Das Schöne: Von meinem Hotelzimmer laufe ich fünf Schritte bis ins Hotel-Spa. Noch schöner: Fast immer habe ich den Spa für mich allein. Die Finnische Sauna ist ungewöhnlich konzipiert – man schwitzt in einem Glaskasten, mitten im Spa.

Das Spa-Highlight aber befindet sich rund 200 Meter vom Hotel entfernt: das Portopiccolo Spa by Bakel. Das ist ein ziemlich großer Klotz am Rande des Dorfes. Wer hier rein reinmarschiert, sollte Zeit und Muße mitbringen: Auf 3.600 Quadratmeter Fläche nämlich kann man sich in dem Wellness-Paradies austoben. Was gleich auffällt: Design und Ausstattung sind inspiriert vom Meer und dem Karst-Stein, der aus dem Steinbruch stammt, aus dem Portopiccolo entstanden ist. Das Angebot ist riesig. Es gibt einen Innen- und Außenpool mit Meerblick, einen Haman, eine Bio-Sauna, ein Kneippbecken und einen Eisbrunnen. Allerdings, und das ist leider ein Manko, darf jeder Hotelgast pro Aufenthalt nur drei Stunden in das Portopiccolo Spa by Bakel. Ab dem zweiten Besuch kostet der Besuch extra.

Mann und Frau im Portopiccolo Spa

Portopiccolo Spa by BAKEL

Herrin dieses Spa-Wohlfühltempels ist Raffaella Gregoris. Dr. Raffaella Gregoris. Ich begegne der Chemikerin in dem Hotel-Café auf dem Dorfplatz. »Ich war immer verärgert über die Verwendung minderwertiger oder unwirksamer Inhaltsstoffe in Kosmetika. Ich begann daher als klinischer Berater für Apotheken zu arbeiten, um eine eigene Kosmetikmarke zu entwickeln. 2008 habe ich dann die Marke Bakel gegründet, die ausschließlich Bio-Inhaltsstoffe verwendet«, erläutert sie ihre Philosophie. Das heißt: keine Ölderivate, Silikone, Konservierungsmittel, Farbstoffe oder Alkohol in den Kosmetika. Alles bio. 100 Prozent.

Das Face Treatment macht mich doch glatt 10 Jahre jünger

Ich entscheide mich für ein Treatment in ihrem Spa. Die angebotenen Anwendungen tragen typische und für die Gegend charakteristische Namen wie Bora (Wind), Miramare (Meerblick), Falesia (Kliff) oder Sommac (Karstpflanze). Angeboten werden Facials, Peelings, Massagen oder Ganzkörperbehandlungen. Ich entscheide mich für eine Gesichtsbehandlung. Ein schönes Face Treatment mit Reinigung, Peeling, Entfernen von Hautunreinheiten, Festigung des Bindegewebes. Am Ende ein strahlender und zarter Teint, das wäre es, denke ich. Nachdem ich die Rezeption im Erdgeschoss hinter mir gelassen habe, geht es mit dem Aufzug in den dritten Stock. Die Spa-Mitarbeiterin wartet schon auf mich. Schnell in den Bademantel geschmissen – und dann geht es auch schon los.

Frau bei Massage

@portopiccolosistiana

Nach einer Reinigung mit dem Energy Gel geht es eiskalt weiter. Dann wird nämlich das Blossom Ice aufgetragen – ein Anti-Ageing-Creme. Sofort bemerke ich ein belebendes Kribbeln auf der Haut. Ui, ui, ui, es tut sich was, das merke ich doch sofort! Auch beim nächsten Gang kribbelt es ganz schön. Dann ist nämlich das »Even Renewing Serum« an der Reihe: »Das steigert die Abstoßung abgestorbener Hautzellen«, erläutert die Spa-Dame. Ja, ja, nur zu, murmele ich. Abgestorbene Zellen, die möchte ich nun wirklich nicht. Weg damit!

Zum Schluss wird mein Gesicht mit einer Gips-artigen Maske zugekleistert. Ein paar Minuten muss ich damit ruhig liegenbleiben – bis sie ganz hart geworden ist und mit einem vorsichtigen Griff vom Gesicht entfernt wird. Nach 50 Minuten ist der Spaß vorbei. Neugierig knipse ich ein Selfie und vergleiche es mit dem Selfie vor der Behandlung. Wow! Die Haut wirkt wirklich deutlich frischer und entspannter. Der Altersunterschied zwischen vorher und nachher beträgt doch mindestens fünf, wenn nicht 10 Jahre. Was für ein Jungbrunnen! Grazie mille!!!

Ein Schönheitschirug aus Salzburg

Die Spa-Treatments sind freilich nicht die einzigen Maßnahmen zur Steigerung des Wohlbefindens, denen man sich in Portopiccolo unterziehen kann. In Sachen Beauty wird hier nämlich geklotzt. Geboten wird das volle Programm: individueller ärztlicher Erstberatungstermin, Bluttest, Elektrokardiogramm und Bioimpedanzmessung.

Man kann sich aber nicht nur Medizinbehandlungen unterziehen, sondern sich auch unter den OP-Tisch begeben und sich ein wenig »aufhübschen« lassen. Facelifting, Halsstraffung, Kinn-, Oberlid-, Unterlid- und Nasenkorrektur, Bauchstraffung oder Brustvergrößerung – das Plastische-Chirurgie-Angebot ist groß. Verantwortlich für die Schönheitsoperationen ist Dr. Alexander Papp aus Salzburg, der mit seinem kompletten OP-Team regelmäßig nach Portopiccolo reist. »Wir haben Patienten, die eine Hürde haben, nach einer Operation mit einem geschwollenen Gesicht wieder nach Hause zu fahren. Sie nutzen einen Aufenthalt in Portopiccolo sehr gerne, um sich für zehn Tage in diesem Hideaway zu erholen – wo sie gleichzeitig aber auch dem restlichen Körper etwas Gutes tun können«, sagt Papp, der heute einen kleinen Vortrag im Falisia hält. Rund ein Dutzend Interessierte lauscht seinen Ausführungen.

Feine Kost im Cliff’s Restaurant

Dem Körper etwas Gutes tun, das ist ein gutes Stichwort. Ich habe nämlich nach Dr. Papps Vortrag Hunger bekommen. Da trifft es sich doch gut, dass die führende Kulinarikstube Portopiccolos im gleichen Gebäude nur ein paar Schritte entfernt ist: das Cliff’s Restaurant. Ich möchte ein typisches Menü probieren, das Gästen serviert wird, die ein paar Kilo zu viel auf den Hüften haben. Dazu wird mir zur Vorspeise ein Erdbeer-Spargel-Salat mit Zitrone und Minze und einer vegetarischen Mayonnaise serviert. Der mundet sehr gut, so herrlich leicht nach italienischer Dolce Vita. Als Hauptgericht wird ein ungewöhnlicher Spaghetti-Teller serviert, und zwar mit Walnüssen und Chicoree.

Spagetti mit Walnüssen

Frank Störbrauck

Äußerst köstlich, von freudloser Schonkost weit entfernt. Da freue ich mich auf den Nachtisch: Früchte auf Himbeerengelee und Blaubeerensorbet. Schmeckt zum Tellerabschlecken gut und herrlich leicht ist es auch. Der Service ist übrigens exzellent. Freundlich beim Empfang und sehr aufmerksam während des ganzen Besuchs. Aber etwas Anderes habe ich im Falisia auch nicht erwartet. Arrivederci, mein liebes Portopiccolo!

Infos. Hotel Falisia, a Luxury Collection Resort & Spa, Portopiccolo, Località Sistiana 231/M, Str. di Portopiccolo, 34011 Duino-Aurisina TS, Italien. Tel +39 040 997 4444, E-Mail: reservations@falisiaresort.com. Infos und Buchung auf der Website.

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