Fastnacht, Fasching, Karneval – die fünfte Jahreszeit hat viele Namen. Rosenmontagsumzüge schön und gut – nur ist es in Deutschland in der Karnevalszeit immer so kalt. Aber Karneval wird auch frostfrei gefeiert. In vielen Städten rund um den Globus sind der Kreativität bei der Kostümgestaltung keine Kälte-Grenzen gesetzt.

Straßenkarneval in Brasilien

Klar, zu Karneval weltweit fällt einem als erstes Rio de Janeiro ein. Für den berühmtesten Straßenkarneval der Welt fliegen schließlich jedes Jahr Besucher aus aller Welt ein. Das ist aber natürlich ein teures Vergnügen. Zum Glück hat Brasilien noch mehr zum Thema Karnevalshochburgen zu bieten. Nicht ganz so Samba-lastig und organisiert, aber mindestens so ausgelassen geht es zum Beispiel bei den Karnevalsparaden in Salvador da Bahia zu. Dem Guinnessbuch der Rekorde zufolge ist der Karneval von Salvador der größte Straßenkarneval der Welt. Die Paraderouten sind insgesamt knapp zwanzig Kilometer lang. Die Musik reicht von Samba über Reggae bis hin zu afrikanischen Trommelrhythmen. Mitfeiern ist angesagt!

Karnevalsparade in Salvador da Bahia

Vinicius Tupinamba/Shutterstock.com

Carnival in Uruguay

Von Brasilien geht es weiter südlich nach Uruguay. Die Uruguayer feiern mehr als 40 Tage im Jahr ihren Carnival, am lebhaftesten in ihrer Hauptstadt Montevideo. Die Theater der Stadt und viele ihrer Bewohner bringen politische und soziale Themen in speziellen Opern, den »tablados«, auf die Bühne. Den eigentlichen Höhepunkt aber bilden die zwei bunten Paraden, bei denen die Musiker ihr Talent – und ihre afrikanischen Wurzeln – in Trommelrhythmen unter Beweis stellen. Diese werden »candombe« genannt.

Mardi Gras in New Orleans

Und ab in die USA: Mardi Gras ist ein Überbleibsel aus der französischen Kolonialzeit und untrennbar mit der Stadt am Mississippi verbunden. Der »Fette Dienstag« ist mit neun Paraden der Höhepunkt des Karnevals in New Orleans. Offiziell beginnt der Karneval am 6. Januar, doch die meisten Umzüge und Partys finden in den letzten fünf Tagen vor Beginn der Fastenzeit statt. Im French Quarter, besonders auf der Bourbon Street, gibt es ebenso fantasievolle wie textilarme Kostüme bei den vielen Straßenparaden zu bestaunen. Überall begegnet man den Mardi Gras-Farben Lila, Grün und Gold – von den Perlen, die von den Paradewagen geworfen werden, bis zur Glasur des King Cake, der traditionell zum Mardi Gras gereicht wird.

Sun, fun, carnival – Welcome to Miami!

In Miami wird sowieso immer gefeiert. Im Frühjahr geht es jedoch besonders heiß her. Für zehn Tage verwandelt sich die Stadt in eine einzige, riesengroße Party. Festzüge, Konzerte, Sport-Veranstaltungen und verschiedenste kulinarische Leckerbissen machen den Karneval in Miami aus. Das große Finale findet in der Straße »Calle Ocho« in Little Havana statt, wo über eine Länge von 23 Häuserblocks zu Salsa und Merengue getanzt und gefeiert wird. Sonnenhungrige Karneval-Fans sollten das auf keinen Fall verpassen!

»Carnaval« in der Dominikanischen Republik

Mittelpunkt des Faschings in der Dominikanischen Republik ist La Vega im Cibao-Tal am Ufer des Flusses Rio Camú, im Landesinneren der Karibikinsel. Dort finden an allen Sonntagen im Februar von 12 bis 17 Uhr bunte Karnevalsumzüge statt. Weitere berühmte Orte sind Puerto Plata, Río San Juan, Constanza, Montecristi, Samaná, Higuey, La Romana und Santiago. Ein wichtiges, kulturelles Ereignis ist gleichermaßen der Umzug am Malecón, der Uferpromenade der Hauptstadt Santo Domingo, der diesjährig am 4. März stattfindet.

Karnevalsteilnehmer in Dominikanischen Republik

Tourist Board Dominikanische Republik

Der Startschuss zum Karneval erfolgt mit der Wahl zum »Rey del Carnaval«, zum König des Karnevals. In La Vega feiern Einheimische und Zuschauer gemeinsam zu den Rhythmen von Salsa, Merengue und Bachata. Bei den Karnevalsumzügen verwandeln sich die Straßen in ein Meer voller bunter »diablos co­juelos« – übergroße Teufelsmasken mit langen Hörnern. Merkmal der sogenannten »hinkenden Teufel« ist ihr spitzbübisches Verhalten. Typisch für den dominikanischen Fasching ist auch die Figur »Roba la Gallina« (zu Deutsch: Klau’ die Henne), eine als Frau verkleideter Mann mit farbigen Kleidern, der singt, tanzt und Süßigkeiten verteilt.

Die Anfänge des dominikanischen Karnevals reichen bis zum 16. Jahrhundert zurück. Bereits 1510 gab es die ersten kleinen Umzüge mit verkleideten Einwohnern in La Vega. Masken, Kostüme und Tänze setzen sich aus einer Mischung aus afrikanischen Ele­menten und Traditionen zusammen, die damals von Sklaven in die »neue Welt« mitge­bracht wurden sowie aus den Trachten und Bräuchen der eingewanderten Europäer.

Karneval auf den Kanarischen Inseln

Auch Europa hat in puncto Fasching viel zu bieten – auf den Kanaren zum Beispiel. Wo beerdigt man schon Sardinen? Wer sich für den kanarischen Karneval entscheidet, wird diese Frage bald beantworten können. Auf Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote und Teneriffa wird Karneval überall ausgiebig gefeiert. Das bunte Treiben in Santa Cruz de Tenerife gilt dabei als europäisches Pendant zum Karneval in Rio – selbst was die Größe angeht. Für Liebhaber des brasilianischen Karnevals, die den langen Flug nach Brasilien scheuen, ist Teneriffa eine gute Alternative.

Karneval auf Gran Canaria

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Die dreiwöchigen Festivitäten erreichen mit Umzügen am Faschingsdienstag ihren Höhepunkt. Abends wird eine Sardine aus Pappmaché durch Santa Cruz (und viele andere kanarische Orte) getragen und schließlich verbrannt, um das Ende des Karnevals zu symbolisieren. Auf der kleineren Kanareninsel La Palma gibt es eine ähnliche Karnevalstradition. Auch hier findet am Ende die Beerdigung der Sardine statt. Doch davor muss man sich am Rosenmontag auf eine Puderschlacht gefasst machen. Der Brauch stammt aus dem 19. Jahrhundert, wo statt Puder Mehl als Symbol für Reichtum geworfen wurde.

Carnaval de Cádiz

Fast nirgends kann man besser feiern als an der andalusischen Atlantikküste – und besonders im Hafenstädtchen Cádiz. In dessen Altstadtviertel Santa María befindet sich auch in diesem Jahr wieder das festliche Epizentrum des weltberühmten »Carnaval de Cádiz«. Charakteristisch für diesen Karneval ist, dass sich Freunde, Familienmitglieder oder Arbeitskollegen gleich kostümieren und singend durch die Straßen ziehen. Neben den Chören ist die vielleicht typischste Figur des Karnevals in Cadíz ein Romanzensänger (»romancero«), der vergleichbar mit einem Minnesänger anhand von Schautafeln oder Plakaten allerlei Lieder und Geschichten zum besten gibt. Musik wird hier großgeschrieben!

Blumenfasching in Nizza

Im französischen Hot Spot an der Côte d’Azur wird in der Faschingszeit Tag und Nacht gefeiert. Farbenprächtige Paraden mit mehr als 1000 Musikern und Tänzern, die ihre Künste vorführen, ziehen durch die Stadt. Auf der Promenade des Anglais werfen die Karnevalisten in ihren extravaganten Kostümen unendlich viele Blumen aus kunstvoll geschmückten Wagen in die Menschenmenge. Stelzenläufer in Fantasiekostümen zeigen, was sie können und die über 100.000 Glühlampen, die extra zur Karnevalszeit in der Stadt befestigt werden, verleihen Nizza zusätzlichen Glanz. Die Sonne, die Blumen, das Meer – hier ist die Kälte ganz schnell vergessen.

Maskerade in Venedig

Ganz anders geht es beim Karneval in Venedig zu. Geheimnisvolle Masken und aufwändige Kostüme sind überall auf dem Markusplatz und in den Gassen der Lagunenstadt zu sehen. Die Stimmung ist ruhig, fast melancholisch.

Karneval in Venedig

Samo/Shutterstock.com

Den venezianischen Karneval erlebt man am besten, wenn man umherwandelt und nach fantastischen Kostümen Ausschau hält. Abends finden prunkvolle Maskenbälle in privaten Palästen und Hotels statt. »Bella Venezia« ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, zieht aber nach wie vor viele Besucher mit ihrer geheimnisvollen Aura an.

Tschechien: Böhmen und Mähren feiern auch

In Dörfern wie Hamry, Vortová oder Studnice in Tschechien hat sich seit Generationen kaum etwas verändert. Zumindest was die traditionellen Faschingsumzüge betrifft. Kostüme, Masken, ja sogar die dargestellten Figuren und deren Laufordnung sind noch genauso, wie vor 200 Jahren. Aus dieser Zeit stammen die ersten verlässlichen Aufzeichnungen über die genauen Abläufe. Läufer, Rattenfänger, Türken und Juden, Schornsteinfeger und Strohmännchen, sie alle spiegeln den Glauben längst vergangener Lebenswelten wider. In der Regel stecken in den Kostümen allesamt Männer. Sie ziehen von Haus zu Haus, geben ein Ständchen und wünschen Glück sowie Gesundheit. Im Gegenzug erhalten sie Faschingskrapfen und Hochprozentiges.

Die Umzüge in der Region Hlinsko zeigen auf eindrucksvolle und unterhaltsame Weise, wie sich altslawisches und christliches Brauchtum über die Jahrhunderte überlagerten. Da trifft das vorgeschichtliche Hoffen auf ein baldiges Frühjahr auf die Vorfastenzeit. Da wird auf der einen Seite der Winter symbolisch erschlagen, und auf der anderen viel und gehaltvoll gegessen. All das können Besucher bei einem der Umzüge erleben, die seit einigen Jahren immer mehr Gäste von außerhalb anziehen. Einer der schönsten führt am 27. Januar zum Freilichtmuseum Veselý Kopec. Zwischen den dort versammelten alten Holzhäusern der Region findet zum Abschluss ein großes altböhmisches Schlachtfest statt. Weitere Umzüge gibt es am 3. Februar in Hamry und Studnice, am 4. in Blatno, einem Stadtteil von Hlinsko, sowie am 10. Februar in Vortová.

Karneval in Böhmen

CzechTourism/Lukáš Žentel

Auch in vielen anderen Orten in Böhmen und Mähren können Besucher dem ausgelassenen Treiben zusehen und mitfeiern. So etwas in der Unesco-Welterbestadt Český Krumlov (Krumau). Die mittelalterlichen Gassen der südböhmischen Stadt bilden vom 10. bis 13. Februar die stimmungsvolle Kulisse für ein Volksfest mit Gauklern, Straßentheater und Musikanten.

 

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