Unsere Autorin lebt seit einigen Monaten in Kathmandu und hat sich inzwischen quer durch die lokale Küche probiert. In ihrer Kolumne erzählt sie diesmal von Nepals Nationalgericht, von ihrem neuen Lieblingsessen und von den beliebtesten Lokalen der Stadt.

Neulich waren mein Freund und ich in »Weißt Du noch?«-Stimmung und dachten an den Beginn unserer Beziehung zurück. »Ich fand es toll, dass du so unkompliziert warst, was Essen anbelangt«, sagte Ishan und erinnerte mich an einen Abend in Kathmandu vor etwas mehr als anderthalb Jahren: Damals war ich zum ersten Mal in Nepal, wir hatten den Tag mit Sightseeing verbracht und Ishan lotste mich im Anschluss zielstrebig in eine Lokalität in Thamel, Kathmandus Touristen-Viertel. Western Tandoori & Naan House hieß die unscheinbare Bude, aus der Hitze und Stimmengewirr quollen. Am Eingang knetete ein Mann direkt neben einem rostigen Ofen Teig für die Fladenbrotspezialitäten Naan, Roti und Paratha, weiter hinten drängten sich Gäste an schmale Pressspan-Tische mit abgeplatzten Kanten. Die Wände waren fast so fleckig wie die Schürze des Kellners, die Küche, die man vom hinteren Teil des kleinen Raumes einsehen konnte, schummrig und zugestellt.

Susanne Helmer liebt die nepalesische Küche

Susanne Helmer

Mein neues Lieblingsessen: Palak Paneer mit Aloo Paratha

»Oha!«, dachte ich beim Eintreten durchaus, doch zu keiner Zeit schlug mein Erstaunen in echte Skepsis um. Warum auch? Ich vertraute Ishan voll und ganz, der kannte sich hier schließlich aus und würde schon wissen, was gut ist und was nicht. Außerdem war der Laden rappelvoll – und das ist immer und überall auf der Welt ein gutes Zeichen. Am Ende waren die Currys und Naans, die wir bestellten, die besten indischen Köstlichkeiten, die ich je gegessen hatte. Für Essen und Getränke zahlten wir zusammen 550 Rupien, das sind umgerechnet nicht einmal 4,50 Euro. Und dass Ishan selbst auch noch nie dort gewesen und der Empfehlung eines Freundes gefolgt war, erzählte er mir erst hinterher.

Palak Paneer Aloo Paratha

Susanne Helmer

Schlichte Buden wie das Western Tandoori & Naan House, in denen man nepalesische und indische Gerichte bekommt, gibt es in Kathmandu an jeder Ecke. Und bis jetzt bin ich ein ums andere Mal dafür belohnt worden, dass ich sie ohne Vorbehalte betrete: Das Essen ist einfach unschlagbar lecker und günstig. Kein Wunder, dass diese Lokale immer gut besucht sind. So auch der Laden im Stadtteil Thapathali, den ich vor einer Weile für mich entdeckt habe. Wie er heißt, kann ich euch leider nicht sagen, denn der Name steht in mir gänzlich unbekannten Devanagari-Schriftzeichen auf dem Eingangsschild. Gilt übrigens auch für die Gerichte auf der Speisekarte. Macht aber nichts, ich bestelle sowieso immer dasselbe: Palak Paneer mit Aloo Paratha – mein Leibgericht, seit ich in Nepal lebe.

Kleines Lokal in Kathmandu, Nepal

Susanne Helmer

Palak Paneer ist pürierter und gewürzter Spinat mit schnittfestem Frischkäse, Aloo Paratha ist mit Kartoffel gefülltes Fladenbrot. Beides stammt eigentlich aus Indien. Der cremige Spinat und das gefüllte Paratha schmecken auch einzeln lecker und sind zudem nicht so scharf wie viele andere südasiatische Gerichte.

Essen in Kathmandu: Scharf, schärfer, Sadheko

Womit ich übrigens nicht sagen will, dass ich Schärfe nicht vertrage. Im Laufe der Zeit habe ich mich an das leichte Brennen auf den Lippen nach dem Essen gewöhnt und gelernt, dass ein Gericht in einem Restaurant viel feuriger daherkommen kann als in einem anderen. Wer allerdings so gar nicht scharf auf Scharfes ist, kann »Piro nabanaunusna hai!« (Machen Sie es bitte nicht scharf!) beim Bestellen sagen. Er oder sie hält sich außerdem besser fern von den Speisen der newarischen Küche. Keiner kocht schärfer als die Newar, jene Volksgruppe, die das kulturelle Leben im Kathmandutal seit Jahrhunderten prägt. Einmal habe ich versehentlich (es lag an meiner schlechten Aussprache) ein newarisches Gericht namens »Aloo Sadheko« bestellt. Ich bekam einen kalten Kartoffelsalat, dessen Würze so beißend war, dass mir sofort leicht übel wurde und Tränen in die Augen schossen.

Dal Bhat: Futtern wie bei Muttern

Aber auch im Dal Bhat, dem nepalesischen Nationalgericht, landet hier und da ein bisschen mehr Chili als anderswo. Die wichtigsten Zutaten sind Reis (Bhat) und Linsen (Dal), dazu werden gebratene Kartoffeln, Gemüse wie Spinat und Blumenkohl und Fleisch gereicht. Meist wird Dal Bhat in kleinen Schälchen auf einem Metallteller serviert, was optisch ordentlich was her macht. Geht der Reis in der Mitte oder der Inhalt der Schälchen zur Neige, kommt der Kellner oder die Kellnerin mit Topf und Kelle in der Hand aus der Küche direkt zum Tisch und füllt mehr als großzügig nach. Dabei wird mir immer ganz warm ums Herz, diese Geste hat etwas unheimlich Liebevolles. Ein wohlmeinender Rat an dieser Stelle: Das Schälchen mit den Linsen lieber nicht wieder komplett auffüllen lassen, wenn ihr noch nicht lange in Nepal seid. Der westliche Darm muss sich an die vielen Ballaststoffe erst gewöhnen. Ihr versteht …

Gefüllte Teigtaschen, genannt Momos, aus Nepal

Susanne Helmer

Unbedenklicher sind Momos – gefüllte Teigtaschen, die es hier ebenfalls überall, in allen möglichen Formen mit allen möglichen Füllungen gibt. Man hat die Wahl zwischen Veg Momos, Veg Cheese Momos, Buff Momos oder Chicken Momos, man kann sie mit viel oder wenig Soße, gedämpft, gebraten oder mit extra viel Chili gewürzt bestellen. Manchmal sind sie wie kleine Fische geformt, manchmal wie Halbmonde, manchmal kreisrund. Immer bieten sie sich zum Teilen in geselliger Runde an. Ich bin nicht nur einmal über einem Teller Momos mit Fremden ins Gespräch gekommen.

Pizzeria in Nepals Hauptstadt Kathmandu

Susanne Helmer

Und für den Fall, dass ich mich doch mal unbändig nach westlichem Essen sehne, habe ich auch längst einen Go-to-Place auserkoren: Er heißt »Fire and Ice« und befindet sich am Rand von Thamel. Das italienische Restaurant ist eine echte Institution in Kathmandu. Schon seit 1995 macht es mit seiner Steinofenpizza, der besten der Stadt, Einheimische und Reisende glücklich. Und alle paar Wochen auch mich.

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