TV- und Radiomoderator Jan Malte Andresen ist unser Travel-Grumpy. Also der Mann, der ausspricht, was ihm beim Reisen missfällt. Von Berufs wegen ist er viel unterwegs und hat somit reichlich Futter für seine neue kleine Kolumne. Heute schreibt er über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Fluggesellschaft Eurowings.

Ich hatte mich gerade so schön daran gewöhnt. »Kuchen oder Käse?« Eine Frage, die geradezu philosophisch klingt. Ein bisschen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wie ist es bei Ihnen gerade? Mehr so Kuchen, oder doch eher Käse? Okay, hier ging es nur ums profane Abklopfen persönlicher Snack-Vorlieben. Irgendwo über den Wolken, in einem Eurowings-Flieger.

Jan Malte Andresen

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Ich gestehe: Mit 1 Meter 90 Körpergröße greife ich gerne mal tiefer in die Tasche und buche mir für einen Zehner den Platz mit mehr Beinfreiheit zum Basic-Billigticket dazu. Kuchen oder Käse inklusive, also: krümeliger Karottenkuchen in Zellophan oder pappiges Käse-Sandwichchen. Ich schreibe das extra so komisch, denn erstens weiß ich nicht, wie man »Sandwich« korrekt verniedlicht, und zweitens würde sich der 4. Earl of Sandwich, Namensgeber der belegten Brote mit Gemüsezugabe, vermutlich im Grabe umdrehen, erführe er, welch kulinarisches Schindluder in seinem Namen über den Wolken getrieben wird.

Höchst unterhaltsames Passagier-Bingo über den Wolken

Wobei das jetzt sowieso egal ist. Denn »Kuchen oder Käse« sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das ist einerseits schade, denn das Passagier-Bingo der Bordbesatzung (»Haben Sie sich umgesetzt?«, »Hatten Sie mit oder ohne Snack gebucht?«, »Nein, Sie müssen den Kaffee kaufen!«) hatte immer etwas Unterhaltendes. Andererseits möchte man gar nicht wissen, wie viel Plastik nach einem Kuchen-oder-Käse-Flug im Müll gelandet ist. Wenigstens damit tut Eurowings also eindeutig was für die Umwelt. Und hatte eine riesen Idee.

Wer jetzt bei Eurowings den teureren Smart-Tarif bucht, bekommt zwar nichts mehr zu essen oder zu trinken, darf dafür aber als Erster einsteigen. Wobei »als Erster« jetzt ein dehnbarer Begriff ist. Echte Vielflieger und Statuskarteninhaber bekommen da das kalte Grausen: Ab sofort stehen sie auch in der Schlange. Zusammen mit all denen, die »Smart« gebucht haben. Heißt wie immer: »Priority Boarding«. Nur, dass jetzt eben die halbe Maschine priority boardet. Für uns Normalos ein Hauch von Kuchen – für HON-Circle-Member im Nadelzwirn dann doch eher Käse!

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