Eine Stadt lässt sich gut über ihre Wahrzeichen erkunden. Spannender wird es oft ein paar Straßen weiter, in Vierteln, die sich aus alten Hafenanlagen, Lagerhallen und stillgelegten Fabriken neu erfunden haben. Genau dorthin zieht es deshalb immer mehr Reisende. Sechs kreative Viertel in Europa, und dazu jeweils das passende Hotel.

Fast jede europäische Metropole besitzt heute ein Viertel, das zum Synonym für Kreativität geworden ist. Gemeinsam haben diese Orte ihre industrielle Vergangenheit. Unterscheiden tun sie sich in allem anderen: Mal dominieren Street Art und Clubs, mal Designstudios, kleine Galerien oder ausgezeichnete Restaurants. Genau diese Vielfalt macht ihren Reiz aus. Und oft findet sich mittendrin ein Hotel, das den Charakter des Viertels aufgreift und weit mehr ist als nur ein Ort zum Übernachten.

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Friedrichshain in Berlin: Street Art, Clubs und Galerien

Tagsüber wirkt der Stadtteil entspannt, nachts gehört er zu den lautesten Adressen der deutschen Hauptstadt: Kaum ein Viertel steht so für Berlins kreative Energie wie Friedrichshain. Rund um die Warschauer Straße, eine der bekanntesten Ausgehmeilen der Stadt, und am Ufer der Spree reihen sich Galerien, Ateliers und Clubs aneinander. Dazwischen Street Art an fast jeder Wand.

Backsteingebäude mit Street Art und Photoautomat im Berliner Viertel Friedrichshain

Foto: Mo Photography Berlin/Shutterstock.com

Das Michelberger Hotel mittendrin ist deshalb längst eine Institution. Es funktioniert schon deshalb wie ein Kulturort, weil dort regelmäßig Konzerte und Lesungen stattfinden und das Haus mit lokalen Kreativen zusammenarbeitet. Industrielle Schlichtheit und ein bewusst zusammengewürfelter Stilmix verbinden sich mit einer offenen, geselligen Atmosphäre, ganz im Sinne des Viertels. Mehr unter www.michelbergerhotel.com.

Begrünter Innenhof des Michelberger Hotels mit Lichterketten am Sommerabend, Berlin

Foto: Ben Stockley

Amsterdam Noord: Was macht das Viertel so kreativ?

Menschen am sandigen Ufer mit Blick auf das Pontsteiger-Gebäude in Amsterdam Noord

Foto: fokke baarssen/Shutterstock.com

Nur wenige Fährminuten über das IJ, den breiten Wasserarm im Norden der Stadt, trennen den belebten Hauptbahnhof vom Viertel Amsterdam Noord. Am anderen Ufer wird es sofort ruhiger und grüner. Wo früher Werften und Fabriken standen, liegt heute eine der spannendsten Kreativzonen Europas, denn aus dem Industriegebiet ist ein Treffpunkt geworden. Cafés am Wasser, Künstlerateliers und Veranstaltungsorte verteilen sich zwischen begrünten Wohnstraßen und breiten Radwegen. Im Sommer werden alte Lagerhallen zu Ausstellungsräumen.

Bunk Amsterdam in einer umgebauten Backsteinkirche mit Terrasse, Amsterdam Noord

Foto: Bunk Amsterdam

Die passende Unterkunft im Viertel ist das Bunk Amsterdam, untergebracht in einer umgebauten Kirche. Unter hohen Gewölbedecken treffen kompakte Schlafkojen, sogenannte Pods, und private Zimmer auf lange Gemeinschaftstische und ein dichtes Kulturprogramm. Damit spiegelt das Hotel den kreativen, offenen Charakter von Noord. Mehr unter wearebunk.com.

Alcântara in Lissabon: kreatives Viertel rund um die LX Factory

Das kreative Leben in Lissabon spielt sich rund um die LX Factory ab, ein altes Fabrikgelände voller Läden und Studios. Denn direkt an der großen Hängebrücke Ponte 25 de Abril beherbergen frühere Lagerhallen heute Designstudios, Concept Stores und Cafés. Und ihre Dachterrassen blicken über den Fluss Tejo. Weniger geschniegelt als die Altstadt, dafür experimenteller, zieht das Viertel Lissabons Kreative ebenso an wie internationale Gäste.

Wer in der Gegend übernachten will, findet im Independente Bica ein Haus mit künstlerisch gestalteten Räumen und einem geselligen Konzept. Vor allem jüngere Reisende schätzen es als moderne Alternative zum klassischen Hotel. Das Haus passt zu Alcântara, das sich vom Industriegebiet zu einem der lebendigsten Viertel Lissabons gewandelt hat. Mehr unter www.independente.eu.

Gasse mit Cafés und Lagerhallen unter der Ponte 25 de Abril im Lissabonner Viertel Alcântara

Foto: Maxence Bouniort

Vesterbro in Kopenhagen: Wie wurde aus dem Rotlichtviertel ein Kreativquartier?

Kaffeeröstereien, Weinbars und kleine Galerien liegen Tür an Tür mit den gefragtesten Restaurants der Stadt. So zeigt sich Vesterbro heute. Einst Kopenhagens Rotlicht- und Arbeiterviertel und inzwischen eines der kreativsten Quartiere Skandinaviens. Der Reiz liegt im Gegensatz: Vesterbro ist heute schick und teuer, hat sich seinen ungeschliffenen Charakter aber bewahrt, und an Sommerabenden füllen sich Innenhöfe und Straßencafés.

Gäste mit Weingläsern in einer Bar im Kopenhagener Viertel Vesterbro

Foto: Marc Skafte-Vaabengaard

Im Carlsberg-Viertel, dem ehemaligen Brauereigelände im Westen der Stadt, steht das Hotel Ottilia in einem markanten früheren Industriegebäude. Drinnen verbinden sichtbarer Beton und Stahl das Industrieerbe mit modernem Minimalismus, ganz wie es typisch für Kopenhagen ist. Mehr unter www.brochner-hotels.com.

Le Marais in Paris: Mode, Galerien und Geschichte

Zwischen jahrhundertealter Architektur reihen sich Modehäuser, unabhängige Galerien und Concept Stores an eine lebhafte Café-Szene. Genau diese Mischung macht Le Marais zu einem der ältesten und zugleich modischsten Viertel von Paris. An Sommerabenden füllen sich die Plätze bis spät, Museumshöfe werden zu Bühnen, und kleine Galerien öffnen ihre Türen.

Belebter Platz mit beleuchteten Cafés und Terrassen am Sommerabend im Pariser Viertel Le Marais

Foto: Lilly Trott/Shutterstock.com

Das Experimental Marais in der Rue du Temple zeigt dagegen die kühnere Seite des Viertels. Filmreife Interieurs, stimmungsvolles Licht und eine Bar, die zur Pariser Nachtszene gehört, machen es eher zur Erlebniswelt als zum klassischen Luxushotel. Mehr unter www.experimentalmarais.com.

Shoreditch in London: Was vom alten Künstlerviertel geblieben ist

Shoreditch gehört seit Jahren zu den bekanntesten Kreativvierteln Europas, hat seinen experimentellen Geist aber bewahrt. Street Art, kreative Start-ups und neue Gastrokonzepte prägen diesen Teil im Osten Londons, und viele Orte changieren bewusst zwischen Galerie, Bar und Bühne. Im Sommer kommen Dachterrassen, Open-Air-Restaurants und Galerieeröffnungen hinzu.

Mit Postern und Aufklebern bedeckte Wand in Shoreditch, London

Foto: Ibrahim Elwakeel

Genau diese Mischung greift das One Hundred Shoreditch auf. Zwischen stilvollen Zimmern, mehreren Bars und einer Dachterrasse trifft sich hier nicht nur, wer dort übernachtet. Mehr unter www.onehundredshoreditch.com.

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein Städtetrip in diese Viertel am meisten?

Im Sommer zeigen die Viertel ihre lebendigste Seite, weil Terrassen, Innenhöfe und Open-Air-Programme dann geöffnet sind. Wer es ruhiger mag, reist im Frühsommer oder frühen Herbst.

Lohnt es sich, direkt im Szeneviertel zu übernachten?

Wer das Viertel erleben will, wohnt am besten mittendrin, denn das Leben spielt sich abends vor der Tür ab. Wer Ruhe sucht, wählt eine Adresse am Rand.

Wie gut sind die Viertel an Flughafen und Zentrum angebunden?

Alle sechs liegen verkehrsgünstig und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Amsterdam Noord etwa erreicht man per Gratisfähre, Friedrichshain und Vesterbro liegen nah an großen Bahnhöfen.

Welches Viertel passt zu welchem Reisetyp?

Friedrichshain und Shoreditch eignen sich für ein junges Nachtleben, Le Marais für Mode und Kultur. Amsterdam Noord, Vesterbro und Alcântara punkten mit entspannter Kreativ- und Café-Szene.

Sind diese Viertel auch für einen kurzen Wochenendtrip geeignet?

Ja, denn die meisten Highlights liegen fußläufig beieinander. Schon zwei bis drei Tage reichen, um ein Viertel samt Hotel, Cafés und Galerien kennenzulernen.