Die Hauptstadt Chinas präsentiert sich als 8-gängiges-Couples-Menü für eine Person: überfordernd, überraschend, aber durchaus genussvoll. Wer eine Reise nach Peking plant, der bereite sich gut vor, picke die Rosinen beziehungsweise die krossgebratene Haut der Peking-Ente heraus und genieße eine spannende Mischung aus Traditionen und ein bisschen Big Brother. 你好Nǐ hǎo Beijing! Hallo Peking! Text: Simone Sever

Einreise. Ohne Visum kommt kein Tourist ins Land. Aber was gilt es genau für ein gültiges Chinavisum zu beachten? Die Reisedokumente, also der Reisepass, sollte zum Zeitpunkt der Visumsbeantragung noch sechs Monate gültig sein und mindestens zwei Seiten im Dokument frei haben. Seit April 2019 melden sich China-Reisende per Online-Formular unter Visa for China an. Unbedingt genügend Zeit für das Ausfüllen der Antragsdokumente (nur in Englisch und Chinesisch verfügbar) einplanen. Deutsche und andere Schengen-Staaten-Mitglieder zahlen für ein Touristenvisum 125,45 Euro.

Sack Reis China

Simone Sever

Anreise. Ab München fliegt Lufthansa täglich mehrfach in die chinesische Hauptstadt. Auch Air China bietet Flüge ab deutschen Flughäfen an. Lieber auf Schienen? Einsteigen zur Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking!

Internet in China: Reise in eine andere Online-Welt

Internet. Schwer vorstellbar, aber wahr: Das Internet, wie wir es kennen, funktioniert in China nicht. Kein Google, kein Facebook, kein Instagram, kein Netflix, kein Twitter. Nicht mal eben kurz nachchecken per Google Maps, ob man auf dem richtigen Weg ist. Kein schneller Blick per Währungsrechner. Was also tun? Zum einen kann man vor der Reise VPN, ein sogenanntes Virtual Private Network installieren, etwa Express VPN – 12,95 Euro für einen Monat (funktioniert gut) – oder man sucht sich kostenlose VPNs, da kann es jedoch sein, dass die mal weniger gut funktionieren. Wer lieber legal im Reich der Mitte surft und auf den von China nicht erlaubten Zugriff verzichtet, der installiere sich besser WeChat. Hilfreich ist auch die App Maps.me, die offline Stadtkarten anbietet.

Beste Reisezeit. Die Sommer in der Stadt sind heiß, die Winter können schlotterkalt sein, temperaturbedingt bieten sich Herbst und Frühling als angenehmere Reisezeiten an.

Straßenszene Peking

zhang kaiyv

Allerdings ist Peking im Schnee auch besonders schön und wer es gern sonnig mag … Bei der Reiseplanung sollten unbedingt die nationalen Feiertage, wie etwa das Chinese New Year und die Nationaltagswoche ab dem 1. Oktober, bedacht werden. Während solcher Festivitäten kann es besonders voll sein.

Englisch reicht oft nicht

Sprache. Für Chinesen ist Englisch nicht die Weltsprache Nummer eins, das schon mal zur Klärung der Situation. Heißt, wer auf Märkten, in Malls oder im Taxi unterwegs ist und davon ausgeht, man käme mit Englisch weiter, der irrt – gewaltig! Natürlich gibt es irgendwo immer eine Person – bevorzugt im Studentenalter – die des Englischen mächtig ist, ausgehen können Pekingbesucher davon aber lediglich in internationalen Hotels und Restaurants, manchmal auch in einigen Malls, in denen viele Ausländer einkaufen.

Tipp: Wer das Hotel verlässt, sollte unbedingt eine chinesischsprachige Hoteladresse dabeihaben. Am besten fotografieren, so kann kein Zettel verloren gehen. Google Translate kann nur benutzen, wer online per VPN verbunden ist. Hilfreich ist auch die Voice Translator App oder auch die Bing Translator App mit der man zum Beispiel fotografierte Texte (Menükarten im Restaurant) übersetzen kann.

Geld. Die einfachste Art Geld abzuheben, ist mit einer regulären Kreditkarte oder auch Pre-Paid-Kreditkarte. Automaten sind überall in Peking zu finden. Eine kleine Gebühr wird berechnet, insofern lohnt es sich größere Beträge abzuheben. Ansonsten kann in vielen Restaurants auch mit Karte gezahlt werden. Chinesen zahlen mit ihrem Handy, sprich mit WeChat Pay, kurzes Anhalten an den Cardreader, peep und fertig. Schöne neue Welt, die allerdings nur in Verbindung mit einem chinesischen Bankkonto funktioniert.

Unterwegs. Der schnellste und auch einfachste Weg von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit ist per Subway. Das zweitlängste U-Bahnnetz der Welt misst 552 Kilometer auf 391 Stationen.

U-Bahn in Peking

zhang kaiyv

Wer die Rush Hour am Morgen und am Abend meidet – kann sich – sofern er weiß, wann er um- und aussteigen muss und wohin des Weges, ziemlich schnell und unkompliziert durch die Stadt bewegen. Ein Ticket für eine Strecke kostet bei 5-6 Stationen ab 4 Yuan umgerechnet etwa 50 Cent.

Übernachtungstipps in Peking

Unterkünfte. Im modernen Stadtteil Wanfujing haben sich gleich mehrere Fünf-Sterne-Hotels platziert, unter anderem hat das feine The Peninsula Beijing an der Goldfish Lane die Luxuslaken aufgeschlagen und verwöhnt die weibliche Gästeschar mit dem wohl überraschendsten Hotelgadget, einem Nagelföhn – mehr über das Hotel und seine Annehmlichkeiten hier.

Peninsula Beijing

PR/The Peninsula Hotels

Nur einige Schritte weiter ragt das The Regent in den manchmal smogverhangenen Himmel über Peking. Die Teppiche in den Korridoren sind so weich, dass man beinahe federt.

Ganz anders als die Luxushotels verwöhnt The Orchid im Baochao Hutong, einem der typischen alten Stadtteile mit kleinen Gassen seine Gäste – zumindest die, die das hübsche kleine Boutique-Hotel finden, denn ein Namensschild darf nicht an der Straße angebracht werden. Wer zwischen grauen Wänden dennoch die weiße Wand mit dem Namenszug identifiziert, der freut sich über ein wahres Kleinod inmitten der trubeligen Millionenstadt mit einem mehr als nur zuvorkommenden Hotelteam. Die kleinen und geschmackvoll eingerichteten Zimmer, haben allesamt wunderschöne Bäder mit Regendusche und sind inklusive Frühstück buchbar. Probiert unbedingt die Pancakes und das Shakshuka. Einfach nur köstlich!

Chinesische Mauer: Aufstieg in 40 Minuten

Sehenswürdigkeiten. An der Verbotenen Stadt führt wahrlich kein Weg in Peking vorbei, liegt sie doch im Herzen der Stadt.

Verbotene Stadt in Peking

Simone Sever

16 Millionen Besucher kommen jährlich. Wobei es Besuchern erst seit 1925 erlaubt ist, den ehemaligen Kaiserpalast nebst kaiserlichen Gärten der Ming- und Quing-Dynastie zu betreten. Die Forbidden City wurde 1987 Unesco-Weltkulturerbe. Tipp: Vergiss auf keinen Fall den Reisepass. Einlass nur mit Ausweis!

21.196,18 Kilometer lang ist die Chinesische Mauer und gilt als das größte Bauwerk der Welt.

Chinesische Mauer

Simone Sever

Beim Mauerabschnitt Mutianyu schlängelt sich das Bauwerk besonders schön durch die Natur. Wer Lust auf Bewegung hat, erklettert sich das Weltwunder. Der Aufstieg dauert etwa 40 Minuten. Wer es bequemer mag und keine Angst vor Höhe hat, nimmt die Seilbahn Made in China und erreicht nach wenigen Minuten Fahrt das Monument. Der Weg zurück zu den Bussen ist besonders empfehlenswert, per Sommerrodelbahn Made in Germany rauscht es sich bequem ins Tal. Ein herrlicher Spaß!

Was man in Peking gesehen haben muss

Must Sees Traditionell. Komplett aus Holz erbaut und ebenfalls Unesco Weltkulturerbe ist der Tempel of Heaven, der Himmelstempel. Tipp: Früh am Morgen gehen! Modern: Im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2008 wurde am 28. Juni desselben Jahres das Nationalstadion eingeweiht. Das imposante Gebäude des Schweizer Architektenbüros Herzog & de Meuron wird im Volksmund Vogelnest genannt. Architekturinteressierte melden sich zur Bird’s Nest Day oder Night Tour an (ab 40 Yuan). Ein weiteres architektonisches Highlight ist das Nationale Zentrum für darstellende Künste des französischen Architekten Paul Andreu, das elipsenförmig aus Glas und Titan an das traditionelle Ying und Yang Motiv erinnert. Neben Oper, Theater und meist klassischer Musik findet auch Ballett statt.

Nationales Zentrum für darstellende Kunst in Peking

Simone Sever

Traditionell: Nicht ganz so bekannt und daher eher nicht ganz so touristisch sind Drum and Belltower, 41 Zhonglouwan Hutong. Wer mag, erklimmt die steilen Stufen der etwa 50 Meter hohen Gebäude. Oder genießt am frühen Nachmittag das rege Treiben auf dem großen Platz zwischen den beiden Towern. Mit Glück kann den Pekingern beim Tanz zugeschaut werden. Modern: Viel zu sehen gibt es auch im 789 Art District in der Dashanzi Area. Gallerien, Street Art, Kunst und Kunst, die im Auge des Betrachters liegt, findet in einem ehemaligen Industriegebiet statt.

Shopping-Tipps für Peking-Besucher

Shopping. Die Stadt ist ein wahres Shopping-Eldorado. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Etwa in der sehr charmanten Yandai Xie Street, wo sich ein kleiner Laden an den nächsten lehnt. Selbstgemachtes Eis in Bunnyform, Waffeln als chinesische Schriftzeichen, selbst geschmiedete Ringe, T-Shirts … auch die wunderschöne Nanluoguxiang Straße lockt in den Fußgängerbereich. Die wohlduftensten Ventilatoren findet man bei Miniso, einem japanischen Gadget Laden mit allerlei Kleinkram wie Kissenrollen für den Rückflug, Pantone Regenschirme, knallbunten Bluetoothboxen …

Auf der Suche nach Luxusmarken made in China? Die Gui You Mall 5 JlanGuoMenWai Street, Chaoyang District, Nähe U-Bahnstation Yongalo hat ein großes Angebot. Moderne Einkaufszentren mit internationalen Marken von Mainstream bis Luxus sind im Stadtteil Wangfujing in der Nähe der Nobelhotels (siehe oben) zu finden.

Essen und Trinken. Ebenfalls in Wangfujing ist der Donghuamen-Nachtmarkt, eine spannende Adresse für Hungrige.

Nachtmarkt in Peking

Simone Sever

Wie wäre es mit Skorpionen am Stiel? Oder doch lieber eine Riesenfleischkeule to go? Die beste Peking-Ente, gibt es bei Da Dong, Jinbao St, 88 einer Restaurantkette, die gleich dreimal in Peking zu finden ist. Die Chinesen essen übrigens nicht nur die knusprige Haut, sondern eigentlich alles vom Tier, von Hirn bis Entenfuß. Wohl bekommt’s! Baozi und Jiaozi, eine Art chinesischer Maultaschen, schmecken besonders gut bei Mr. Shi’s Dumplings, 74 Baochao Hutong. Wer mag, hinterlässt an der Wand ein buntes gemaltes Dankeschön.

Drinks mit und ohne Aussicht!

Bars. Lust auf einen guten Drink with a View? Die Rooftop Bar des Migas Mercado Beijing kann nicht nur sensationelle Gin Tonics servieren, auch die Tapas sind ausgezeichnet. Und die Aussicht auf den 234 Meter hohen und CCTV Tower, die  Sendezentrale des staatlichen Fernsehens China Central Television ist spektakulär. Tipp: Komm’ zum Sonnenuntergang! Auch The Peninsula Beijing hat eine Rooftop Bar. Im The Peninsula Yun – was übersetzt Wolke bedeutet – legen an den Wochenenden DJs auf. Eine Pink Lady kostet etwa 12 Euro. Im MaoMao Chong 12 Banchang Hutong gibt es keine Aussicht, dafür serviert der chinesische Barman neben sehenswerten Drinks auch Pizza und ein paar Brocken Deutsch.

Mitbringsel für die Daheimgebliebenen

Souvenirs. Wie wäre es mit einem 20-Yuan-Schein, der ist fast so schön wie ein Gemälde, zeigt er doch eine der aufregendsten Landschaften des Landes: die Karststeinfelsen in Guilin (mehr darüber im September Heft in der Yangshuo Reportage). Chinesisiche Glücksmünzen am roten Bad eigenen sich wunderbar als Mitbringsel, und Tiger Balm kann man doch immer gebrauchen.

Frau hält Anhänger mit Bildnis eines Politikers in Peking in der Hand

Simone Sever

Zum Einstimmen. Filme sehen: Karate Kid (von 2010) oder Der letzte Kaiser. Buch lesen: den China-Krimi Beijing Baby von Volker Häring oder die Trisolaris-Trilogie des erfolgreichen chinesischen Science-Fiction Autors Cixin Liu.

Fotos. Keine Scheu bei Selfies. Die Selbstbildnisse sind definitiv zum Volkssport Nummer eins im Reich der Mitte geworden. Einfach mitmachen.

Trinkgeld. in internationalen Hotels und Restaurants ist Trinkgeld genauso zu handhaben wie anderswo auf der Welt. In chinesischen Restaurants ist es nicht Gang und Gäbe. Bei Taxifahrten wird aufgerundet. Wer sich nicht allein ins Reich der Mitte traut, kann über Chinatours Individual- und auch Gruppenreisen buchen. Generelle Infoseiten: China Tourismus und Beijing International.

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