Ja, ja, die lieben Flugreisenden! Sie kaufen ein Ticket, checken online ein, schaffen es pünktlich zum Flughafen, geben ihr Gepäck auf und passieren den Zoll. Die Pflicht ist getan, und nun folgt die Kür: der Flug. Sollte man meinen. Doch kaum bewegen sich die Passagiere vom Gate in Richtung Flieger, geht eine seltsame Wandlung in ihnen vor: Mündige Bürger verwandeln sich in die kopflose Spezies »pax«, und die Gesetze von Vernunft und Logik werden oftmals komplett außer Kraft gesetzt. Hier Teil eins unserer zweiteiligen Serie »die bei Flugbegleitern beliebtesten Typen«.  Text: Cordelia Neumetzger

Der »Packesel«: Mitnehmen, was nur irgendwie geht

Der »Packesel« hat es mal wieder geschafft, den halben Hausrat am Handlingsagenten vorbei in den Flieger zu schmuggeln. Doch eigentlich sind die Gepäckfächer für das sogenannte Handgepäck – das seinen Namen nicht von ungefähr hat – gedacht. Das macht es unmöglich, kühlschrankgroße Pakete, zum Reißen gespannte Papiertüten oder das Dreirad des Sprösslings in die Ablage zu stopfen. Darum am besten alles mitten im Gang stehen lassen, vorzugsweise während des Boardings. Der »Packsel« kommt nicht weiter – nur gerecht, dass es den anderen Passagieren jetzt ebenso geht! Irgendjemand (Flugbegleiter) wird sich schon um all die Koffer und Taschen kümmern …

Illustration dreier Passagierer im Flugzeug. Ein Passagier lädt sein Gepäck im Fach ab, zwei warten verärgert

Jennifer van Sandt

Der »Einzelgänger«: Das Flugzeug gehört mir

Da ist Ärger programmiert, besonders wenn der »Packesel« auf den »Einzelgänger« trifft. Letzterer erwartet auch in der günstigsten Buchungsklasse viel Platz und kann es gar nicht akzeptieren, dass er im Flugzeug tatsächlich nicht allein sitzt, sondern sich im schlimmsten Fall seine groß kalkulierte »Komfortzone« mit Vorder-, Hinter- und Nebenmann bzw. -frau und deren Gepäck teilen muss. Da werden schnell Ellbogen und Knie ausgefahren, um das Revier zu markieren. Das führt früher oder später zu unliebsamen Zusammentreffen mit Getränke- oder Essenstrolleys, die die Flugbegleiter durch die Gänge schieben. Zur Strafe für die Mitreisenden lässt der »Einzelgänger« dafür konsequent auch während des Essensservices die Rückenlehne bis zum Anschlag nach hinten geklappt.

Der »Strecker«: Wenn der Flieger zur Fitness-Übungszone wird

Viel Freiheitsdrang verspürt auch der »Strecker«, der es bald gar nicht mehr auf seinem Sitz aushält. Kaum sind die Anschnallzeichen erloschen, so ist er schon im Galley, um dort ein Schwätzchen mit den Flugbegleitern zu halten, die wahrscheinlich ohnehin nichts Besseres zu tun haben. Ob Platz oder nicht – für ein paar Stretching- oder Yogaübungen ist auch in der engsten Küche noch Raum. Hoch das Bein an die Flugzeugtür, ein Spagat am Boden oder einfach mal mit gestreckten Armen durch den Gang vor und zurück laufen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, und so hat sich noch jedes Flugzeug in eine Workout-Zone verwandelt.

Illustration von Flugzeugpassieren, spielende Kinder nerven andere Passagiere

Jennifer van Sandt

Der »Ignorant«: Höflichkeit ist ihm fremd

Ganz anders verhält sich der »Ignorant«. Der in sich selbst ruhende Passagier reagiert weder auf die freundlichen Begrüßungen oder Verabschiedungen der Crew, noch lässt er sich auf Fragen bezüglich seiner Essens- und Getränkewahl ein. Mit etwas Glück lassen sich ihm ein paar mehr oder weniger artikulierte Laute herauslocken, aus denen mit einiger Erfahrung der Wunsch nach einem Drink oder einer Speise interpretiert werden kann. Wenigstens lässt sich bei ihm wieder die Zeit aufholen, die die oben genannten Typen zuvor im Flugablauf gekostet haben. Denn bei ihm muss niemand auf ein Danke oder Bitte oder weitere unsinnige Höflichkeitsfloskeln warten.

Der »Workaholic«: Stets wichtig, stets busy

Vor lauter Arbeit eher zum Sitzen verdammt ist hingegen der »Workaholic«. Er ist sehr wichtig und hat auch kurz vor dem Start immer noch enorm viel zu tun. So kann er weder sein Handy in den Flugmodus stellen, noch sein lautes Gespräch beenden und schon gar nicht seinen Laptop zusammenfalten und verstauen. Da wage es noch ein Flugbegleiter, ihn auf die Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam zu machen. Er muss erst noch einmal schnell die Welt retten.

Illustration: Workaholic und verärgerte Flugbegleiterini m Flugzeug

Jennifer van Sandt

Der »Besserwisser«: Lehrstunden übers Vielfliegen

Der »Besserwisser« ist ein recht enger Verwandter des »Ignoranten«, kennt er doch jedes Flugzeug und dessen Spezifikationen und Gegebenheiten in- und auswendig und kann daher getrost die Anweisungen des fliegenden Personals ignorieren. Er bekundet sein Desinteresse jedoch nicht durch Sprachlosigkeit, denn reden kann er! Gerne erklärt der »Besserwisser« den Flugbegleitern ihren Job oder warum er auch bei heftigen Turbulenzen aufs Anschnallen und Hinsetzen verzichten kann. Sein großer Erfahrungsschatz lässt ihn mitunter auch weibliche Kapitäne im Flightdeck sehr kritisch begutachten. »Man muss ja wissen, wer da vorne sitzt. Und so ‘ne Blondine, haha, na ja, runter kommen wir alle.« Nein, langweilig wird es mit ihm bestimmt nie, gibt er doch zu jeder Situation einen Kommentar ab und beglückt auch die Mitreisenden ungefragt gerne mit gut gemeinten Ratschlägen.

Der »Anfänger«: Was mache ich hier nur?

Vielleicht könnte er sich stattdessen besser um den »Anfänger« kümmern. Dieser Typus bedarf vollster Aufmerksamkeit. Als Neuling im Flugzeug ist es zugegebenermaßen oft schwer, die Orientierung zu behalten. Wo war gleich noch rechts und links? Sind die Sitzreihen 1 bis 50 tatsächlich auch nach dem allgemein üblichen, numerischen System von vorne nach hinten angeordnet? Und ja – die Toiletten. Wo befinden sich die nur?

Illustration eines Orientierung suchenden Passagiers im Flugzeug

Jennifer van Sandt

Das meist übergroße WC-Schild auf den Toilettentüren scheint da oftmals mehr Verwirrung als Klärung zu stiften. Gerne klopft der »Anfänger« auf der Suche nach dem stillen Örtchen auch mal an der Cockpittür an. Endlich gefunden, stellt sich das Öffnen der Toilettentür dann oftmals als schwer zu meisternde Herausforderung dar. Einer versucht mit kreisenden Bewegungen über die ganze Fläche den Eingang zu finden, der nächste eher handfest, indem er sich mit vollem Gewicht dagegen drückt. Endlich im WC angekommen, scheint vielen die Handhabung der Spülung und des fließenden Wassers zum Händewaschen leider ebenfalls unbekannt zu sein.

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