Am 21. Juli 2019 jährt sich die erste bemannte Mondlandung zum 50. Mal. Am Tag des Jubiläums plant der US-Milliardär Richard Branson, sich mit einer Rakete ins All schießen zu lassen. Es könnte der Auftakt eines privaten Weltraumtourismus sein. Auch Trips zum Erdtrabanten sind in Planung. Von Stefan Weißenborn

Es ist nahezu 47 Jahre her. Am 12. Dezember 1972 setzte der Astronaut Harrison H. Schmitt als letzter von bislang zwölf Menschen seinen Fuß auf den Mond. Danach endete das Apollo-Programm der Nasa, und es wurde wieder ruhig um den Erdtrabanten – zumindest, was Besuch von der Erde betrifft. Nun könnte die Geschichte fortgeschrieben werden – ein japanischer Milliardär als potentieller Weltraumtourist soll bereits ein Ticket zum Mond gelöst haben.

Weltraumtourismus: Blick vom Mond auf die Erde

Dima Zel/Shutterstock.com

Es gibt mehrere Pläne etablierter Raumfahrtagenturen für neue bemannte Mondmissionen. Doch am meisten Wirbel veranstalten derzeit drei bekannte Namen aus der Privatwirtschaft: die Milliardäre Elon Musk, Richard Branson und Jeff Bezos.

Musk ist vor allem bekannt als Tesla-Chef, Branson als Gründer der Plattenfirma Virgin und Bezos als Amazon-Gründer und laut aktuellem »Forbes«-Ranking reichster Mensch der Welt. Sie sind aber auch die Chefs oder Gründer der privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX, Virgin Galactic und Blue Origin, die sich derzeit einen Wettlauf liefern. Sie alle wollen die Ära des Weltraumtourismus einleiten.

Weltraumtourismus: neue Urlaubsform für jedermann

Die Vision: Trips ins All sollen für jedermann buchbar werden – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Denn fest steht: Die Tickets ins Universum werden teuer, wenn auch nicht mehr so viel kosten, wie Dennis Tito zahlte.

Dennis Tito

andrey_l/Shutterstock.com

Der amerikanische Multimillionär ließ sich seinen mehrtägigen Aufenthalt in der Internationalen Raumstation ISS im Frühjahr 2001 rund 20 Millionen Dollar kosten.

Damals wurde er als der erste Tourist im All gefeiert, obwohl 1985 bereits Prinz Al-Saud, Sohn des aktuellen Königs von Saudi-Arabien, mit einem Shuttle in die Erdumlaufbahn geflogen war und nach ihm im alten Jahrtausend noch weitere ohne klar definierte Aufgabe im Dienste von Forschung und Wissenschaft. Weitere vermögende Hobby-Raumfahrer folgten Tito nach, die allesamt hohe zweistellige Millionenbeträge hinblätterten.

Wie viel der japanischen Milliardär Yusaku Maezawa der Space-Trip wert ist, wird geheim gehalten. Bekannt ist, dass er bereits ein Ticket zum Mond gelöst hat. Verläuft alles nach dem Plan, wie Elon Musk ihn schmiedet, wird er mit einer SpaceX-Rakete im Jahr 2023 womöglich der erste Weltraumtourist sein, der zu dem Erdtrabanten geschossen wird. Allerdings ist nicht vorgesehen, dass er den Mond betritt. Im Abstand von 200 Metern soll er ihn umrunden.

Auch Prominente zählen zu den Interessenten

Flüge an den Rand des Weltraums haben private Anbieter schon seit mehreren Jahren in Planung. Prominenz setzte sich auf die Wartelisten – Madonna oder Paris Hilton. Auch dieses Mal wollen Menschen wie Leonardo DiCaprio oder Justin Bieber mit zu den ersten zählen, die sich auf ins All machen. Virgin Galactic zählt bereits mehrere Hundert Vorbestellungen. Ein 90-minütiger Flug soll später einmal eine Viertelmillion Dollar kosten.

Zuletzt gelang Branson ein Achtungserfolg, der ihn in Tränen ausbrechen ließ. Sein aktuelles SpaceShipTwo stieg mit zwei Mann Besatzung in eine Höhe von über 80 Kilometer auf, ab dort spricht die Nasa vom Übergang ins All. In 100 Kilometern verläuft die so genannte Kármán-Linie, wo das All nach gängiger Definition beginnt. »Wir haben gezeigt, dass Virgin Galactic den Weltraum für alle zugänglich machen kann«, sagte Branson, nachdem sein Raumschiff wieder heil auf der Erde gelandet war.

Blick aus dem Weltall auf Europa

NicoElNino/Shutterstock.com

Seine Konkurrenten Bezos und Musk schossen ihre Raketen bereits noch höher – allerdings unbemannt. Dem Amazon-Gründer gelang mit Origin Blue vor einigen Jahren ein Testflug zur Kármán-Linie, noch in diesem Jahr will er erste Astronauten und später dann zahlende Touristen einsteigen lassen, für 200.000 Euro bis 300.000 Euro pro Flug. Und SpaceX versorgt bereits regelmäßig die ISS in 400 Kilometern Höhe. Doch derzeit deutet alles darauf hin, dass Richard Branson das Rennen machen könnte.

Hotel im Weltall: Utopie oder bald Realität?

Dass Touristen wie am 21. Juli 1969 Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond, den Erdtrabanten wirklich betreten, kommt in den Plänen aller drei Milliardäre bislang allerdings nicht vor.

Weltraumtourismus: Astronaut als Urlauber

studiostoks/Shutterstock.com

Dafür taucht immer wieder die Idee auf, Hotels im All zu stationieren. 2014 redete Branson davon. Ende vergangenen Jahres machte das US-Unternehmen Orion Span auf sich aufmerksam. Man wolle ab 2022 Gäste im ersten »Luxushotel im All« in über 300 Kilometern Höhe empfangen. Ein Zwölftagestrip soll rund sechs Millionen Euro kosten. Virgin Galactic-Flüge ins All allein sollen innerhalb der nächsten zehn Jahre auf um die 50.000 Euro sinken.

In den Sechzigerjahren, als die Apollo-Missionen voll im Gange waren, gab es schon einmal einen touristischen Moon-Hype. Die US-Fluglinie führte eine »First Moon Flights«-Liste, auf die sich jeder setzen lassen konnte, der ein Ticket zum Mond löste – knapp 100.000 Menschen zahlten einen Pfand in Millionenhöhe. Die Tickets, geplant waren touristische Mondflüge für das Jahr 2000,  wurden nie eingelöst. Dass es dieses Mal klappt – dafür sind die Chancen deutlich gestiegen.

DAS NEUE HEFT IST DA

PLANE DEIN PERSÖNLICHES ABENTEUER fÜR 2020