Vielreisende, die in Luxushotels übernachten, dürften vermutlich schon in Zimmern geschlafen haben, die von ihnen eingerichtet worden sind: Peter Joehnk und Corinna Kretschmar-Joehnk von Joi Design sind Deutschlands erfolgreichste Hotel-Inneneinrichtungsdesigner. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Peter Joehnk über seine Arbeit und aktuelle Trends bei der Inneneinrichtung von Hotels. Interview: Frank Störbrauck

Herr Joehnk, seit wann richten Sie eigentlich Hotels ein?

Mein allererster Kontakt mit Hotels war bei meinem ehemaligen Arbeitgeber die Renovierung der Zimmer im Kempinski – Hotel Vier Jahreszeiten München. Das war für mich kurz nach dem Studium schon ein Gefühl von »großer, weiter Welt«. Als ich mich dann 1984 selbständig machte, war mein erstes Hotel das damalige Queens Hotel am Stadtpark in Hamburg – ich habe dafür damals alles im Detail selbst gezeichnet und auch Stühle extra für dieses Projekt entwickelt.

Wie viele Hotels tragen mittlerweile Ihre Design-Handschrift?

Meine Frau hat kürzlich einmal nachgerechnet und kam auf insgesamt über 500 Projekte, einschließlich der Restaurants, Kinos und Büroprojekte. Hotels sind es bisher circa 350 Stück, wenn man auch die Teilrenovierungen mitzählt.

Ist der Markt der Hotelinnendesigner hart umkämpft?

Der Anfang ist sicherlich schwer, aber inzwischen haben wir einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Hotelbetreiber und Investoren kommen heute durchaus auf uns zu und fordern uns zu einem Angebot auf. In Deutschland sind wir Markführer – und statistisch gesehen sogar in Europa, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass der Markt des Hoteldesigns hart umkämpft ist. Einerseits sind dies Innenarchitekten oder Architekten, die unbedingt einmal ein Hotel designen wollen – ohne arrogant wirken zu wollen: in den allermeisten Fällen bleibt es dann auch bei einem einzigen Hotelprojekt. Andererseits gibt es gerade bei den internationalen Hotelketten, die den größten Teil unserer Arbeit betrifft, auch einen internationalen Wettbewerb, der auf Grund der im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten sehr hart ist. Und letztlich gibt es auch zunehmend „Einrichter“, also Lieferanten von Möbeln, die auch ein wenig Planung machen, sich aber über den Verkauf der Produkte finanzieren. Da wir nur von den Honoraren leben, ist dieser Wettbewerb besonders schwierig für uns. Wir versuchen über die permanente Präsenz bei Hoteltagungen und Hotelkonferenzen und über die Veröffentlichung unserer geplanten Hotels im Gespräch zu bleiben mit unseren potentiellen Kunden, so dass diese im konkreten Auftragsfall auch an uns denken. Trotz aller Schwierigkeiten funktioniert das eigentlich ganz gut.

Haben die meisten Hotelinhaber konkrete Vorstellungen darüber, wie das Innendesign aussehen soll oder müssen Sie bei null anfangen?

Die wenigsten Auftraggeber haben konkrete Vorstellungen, aber ganz bei null müssen wir trotzdem nicht anfangen: Die großen Hotelketten haben Qualitätsvorgaben zu den Materialien und Produkten, die es zu beachten gilt, und insbesondere verfügen sie auch über ein Marketingkonzept von der jeweiligen Hotelmarke und besitzen eine Idee, wie man auf die Gäste wirken möchte – ohne dass dies eine konkrete Designvorgabe wäre. Bei den privaten Bauherrn und Hotelbetreibern müssen wir dagegen im Gespräch herausfinden, wofür das Hotel stehen soll und wer die künftigen Gäste sein werden. Aber in beiden Fällen analysieren wir zunächst die Konkurrenzsituation und erarbeiten dann ein Thema für das Hotel, von dem sich das Design ableiten lässt.

Wie lange sind Sie in der Einrichtungsphase in der Regel vor Ort?

Das ist komplett von der Größe und der Komplexität der Aufgabe abhängig. Bei einem kleinen Restaurantumbau mag es sein, dass wir mit vier Besuchen auf der Baustelle unsere Bauleitung abhaken können, während ein großes Hotel für uns circa ein halbes Jahr als Baustelle läuft und während dieser Zeit müssen wir auch präsent sein. Allerdings haben wir im Lauf der Jahre ein System mit „reisenden Bauleitern“ etablieren können, die dann für uns vor Ort sind. Meine Frau und ich sind eigentlich eher in der Entwurfsphase involviert und versuchen den Großteil der wichtigen Gespräche mit Investor und Betreiber selbst zu führen. Bei Projekten im Ausland versuchen wir im Grunde unseren Auftrag so zu verhandeln, dass wir nur eine künstlerische Bauleitung übernehmen – also nur kontrollieren, ob der Innenausbauer unser Design umsetzt und qualitativ akzeptabel arbeitet. Die tägliche Baustellenkoordination in einer Fremdsprache mit oft unterschiedlichen Kulturen versuchen wir zu vermeiden.

Ein Hotelzimmer dient in erster Linie zum Schlafen und Duschen. Das klingt erst einmal banal. Für Sie aber steckt noch viel mehr dahinter, vermuten wir?

Das, was Sie ansprechen, sind die Grundfunktionen, die sowieso erfüllt werden müssen. Design setzt erst danach an. Für uns geht es vielmehr um das Ambiente und darum, wie der Gast sich in dem Hotelzimmer fühlt. Hinzu kommt, dass jeder Hotelier natürlich ein ganz individuelles Haus haben möchte und seinen Gästen einen „WOW-Effekt“ entlocken will. Bei allen atmosphärischen Überlegungen müssen wir aber auch immer daran denken, ob Materialen pflegeleicht und gegebenenfalls robust genug sind.

Wie groß ist eigentlich die Versuchung, sich bei einem Projekt selbst zu kopieren? Sie können sich schließlich nicht bei jedem neuen Auftrag eines Hotels neu erfinden.

Dieser Versuchung – sofern es sie gibt – sind wir noch nie erlegen. Wir erfinden tatsächlich jedes Projekt neu. Ich glaube aber auch, dass es für einen Designer keinerlei Reiz darstellt, etwas so zu gestalten, wie er es schon einmal gesehen oder selbst gemacht hat. Unsere Mitarbeiter und wir selbst haben immer den Ehrgeiz, etwas Neues zu schaffen! Und so schwierig ist das auch nicht, denn Inspirationen begegnen uns täglich hundertfach – und das, was wir gestern ganz toll fanden, ist morgen auch schon wieder Schnee von gestern!

Ihre Arbeit unterliegt auch gesellschaftlichen Entwicklungen. Früher war der Flaschenöffner im Bad unabkömmlich, heute ist er verschwunden. Nun scheint angesichts der Generation Tablet der Schreibtisch in den Hotelzimmern zur Diskussion zu stehen …

Tatsächlich steht der Schreibtisch zur Zeit in der Diskussion, aber so ganz verschwunden ist er noch nicht, denn der Schreibtisch ist auch eine sehr praktische Ablage – unabhängig davon, ob man mit seinem Tablet im Bett arbeitet. Die gesellschaftlichen Trends beschränken sich aber nicht nur auf Funktionen und neue Techniken, sondern es geht auch um Strömungen zu Natürlichkeit, Nachhaltigkeit, Farbtendenzen, dem Gefühl der Geborgenheit versus Helligkeit und Freundlichkeit.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Wir bearbeiten mit unserem 40-köpfigen Büro immer circa 30 Projekte parallel, die ich hier nicht alle aufzählen will. Spektakulär sind die gerade fertig gestellten Mercedes Benz Living @Fraser Suiten in London und Singapur oder die Umgestaltung der alten hamburgischen Oberfinanzdirektion in ein Luxushotel, die wir gerade bearbeiten. Aber wir bearbeiten nicht nur Luxus, sondern wir haben gerade den Markteintritt der Budgetmarke »Premier Inn« in Deutschland mitgestaltet oder machen zum Beispiel unter anderem auch ein Timeshare-Hotel in Venedig im Vier-Sterne-Bereich. Wir sind jedenfalls gut beschäftigt und sehr viel unterwegs.

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