Die Familie Erhardt hat vor einem Jahr die Werdenfelserei am Fuß der Zugspitze eröffnet. Ein modernes Holzhaus. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Text: Verena Wolff

Garmisch-Partenkirchen ist nicht gerade bekannt für moderne Architektur oder alternative Baustile. Man hat es gerne klassisch im Werdenfelser Land, am Fuße der Zugspitze. Aus Oberammergau ist ein bisschen Lüftlmalerei rübergeschwappt in den 27.000-Einwohner-Ort, die Kirchen haben Zwiebeltürme, und die Häuser im Sommer geranienbepflanzte Holzbalkone. Neue Hotels? Man könnte sich nicht erinnern, dass in den vergangenen Jahrzehnten etwas gebaut wurde. So war es zumindest bis zum vergangenen Jahr. Denn da hat die Familie Erhardt, bislang Gastgeber für die Ferienwohnungen des Fiakerhofs in Partenkirchen, die Hotellandschaft aufgemischt.

Familie Erhradt, Hotel Werdenfelserei in Garmisch

Werdenfelserei

Und das an prominenter Stelle: Direkt am Kurpark in Garmisch, der inzwischen Michael-Ende-Park heißt, haben die vier die Werdenfelserei eröffnet.

Ganz anders als die übrigen Hotels in Garmisch

Ein Hotel, das auffällt. Denn es ist ganz aus Holz gebaut, hat 124 Betten in 51 Zimmern und sieht so ganz anders aus als das meiste, das man in Garmisch findet. Bis sie das Grundstück bekommen haben, mussten sie einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Einst stand an dieser Stelle der Bichlerhof, eine klassische Kureinrichtung, die langsam in sich zusammenfiel.

Zimmer mit Balkon im Hotel Werdenfelserei in Garmisch

Werdenfelserei

Treibende Kraft hinter dem Konzept für das Hotel war Mutter Monika Erhardt. Ihr hat schon lange ein solches Haus vorgeschwebt, modern und trotzdem gemütlich. »Hier soll sich jeder wohlfühlen«, sagt sie. Egal, ob er aus Garmisch kommt, aus München oder dem hohen Norden. Denn die Werdenfelserei soll kein Haus mit Fremdenzimmern sein, sondern ein Ort, der nach Garmisch gehört und in dem auch die Einheimischen ein und aus gehen. Darum stehen die Türen jedem offen, das »Wurzelwerk«, so heißt das Restaurant im Haus, bietet das Mittagessen nicht nur für Hotelgäste an. Sondern für jeden, der vorbeischaut. Snacks, Süßspeisen, ein Business-Lunch. Und am Sonntag gibt es Familienessen: Da kommt der Bräter, bayerisch: die Rein, auf den Tisch, darin ein traditioneller Braten – natürlich mit allerlei Schmankerln drumherum.

Dessert im Restaurant Wurzelwerk in Garmisch

Werdenfelserei

Es duftet nach Zirben

Deftiges Essen, das gehört dazu im bayerischen Oberland. Es ist wichtiger Bestandteil des Seins, und es schmeckt immer gut. Und wer den ganzen Tag auf den Bergen herumkraxelt, zu Fuß oder mit dem Mountainbike, der kann auch die einheimische Kost ganz gut vertragen. Küchenchef Johannes Wäger gehört zu den jungen Wilden seiner Zunft, er ist erst 26 Jahre alt – aber er hat das Prinzip »Traditionell mit modernem Einschlag – und bitte nicht ganz so gehaltvoll« bestens verinnerlicht.

Gemütlich ist es in der Werdenfelserei an so ziemlich jeder Stelle. Das Holz strömt vielerorts seinen entspannenden Duft aus, vor allem auf den Zimmern ist man von Zirbenduft nur so umgeben. Eine Minibar gibt es dort nicht, dafür einen Trinkwasserbrunnen in Stein gemeißelt. Die Einrichtung ist übersichtlich, aber genau richtig ausgewählt: angenehme Farben, natürliche Materialien. Zum Holz kommt Filz, Naturstein und Canvas. Schönen Gruß aus den Alpen!

Infinity-Pool mit Blick auf die Zugspitze

Modern haben sie ihr Hotel gebaut, die Erhardts, in Vollholz mit manchem architektonischen Kniff. Rechts geradlinig ist der gesamte Bau, die Schnörkel sind mitunter versteckt – zum Beispiel in den Schnitzereien an den Balkonen. Und das Allerbeste haben sie sich für das oberste Stockwerk aufgehoben: den Wellness-Bereich. Der liegt, teils offen, teils geschlossen, auf dem Dach des Hauses. Das absolute Highlight ist der beheizte Infinity-Pool, bei dem man direkt in die Berge zu schwimmen scheint. Genauer: »Den Berg der Berge, unsere Zugspitze«, wie die Erhardts sagen. Ein Kirchturm, viel Grün und dahinter gleich das Gebirge – schöner hätte man die Lage nicht malen können.

Hotel Werdenfelserei

Fassade des Hotel Werdenfelserei

Drumherum stehen bequeme Liegen und schicke Daybeds bereit, Entspannung ist hier oben angesagt. Wer nach dem Wandern, Biken oder Skifahren die müden Muskeln entspannen will, findet verschiedene Saunen mit Panoramablick über das oberbayerische Idyll. Es ist alles da, was man braucht für ein paar entspannte Tage im Werdenfelser Land, zwischen glücklichen Kühen und dem höchsten Gipfel der Republik. Die Optik stimmt, das Angebot auch – und die Atmosphäre sowieso.

Infos. Werdenfelserei, Alleestraße 28, 82467 Garmisch-Partenkirchen. Übernachtung mit Frühstück pro Person ab 115 Euro, Telefon: 08821/686939, mehr Infos hier.

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