Das Gute: glasklare Bergseen, grüne Täler, glückliche Kühe, Almrausch, Heimatgefühl und mondäne Metropolen. Kärnten ist im Sommer wie im Winter ein Garant für entspannte Tage. Wir haben das südlichste Bundesland Österreichs einmal durchbuchstabiert.

Adel. Seit dem 16. Jahrhundert ist Kärnten eines der angesagten Ziele für den europäischen Adel. Johann Fürst von Liechtenstein bezog schon 1832 sein Quartier im Schloss am Wörthersee. In den 1950er-Jahren erholte sich die englische Prinzessin Mary dort, und bald zog es die ganze Familie Windsor zur Sommerfrische dorthin. Heute kommt der Medienadel Kaiser Franz Beckenbauer.

Brettljause und Most. Die Brettljause wird nachmittags als Zwischenmahlzeit genossen. Auf dem Brettl locken die Köstlichkeiten der Region wie Geselchtes (Geräuchertes), Schweinsbraten, Verhackertes, Hartwürstel, Speck, Senf, Kren, Käse, Gurkerl, Tomaten und auch ein Ei. Und dazu ein Bauernbrot und frische Butter. Am bes­ten schmeckt die Brettljause auf einer rustikalen Almhütte bei zünftiger Musik und einem Glas Apfelmost.

Chöre. Das Singen – nicht nur während der christlichen Messe – hat in Kärnten eine lange Tradition. Und Traditionen wollen gepflegt werden. So kann es sein, dass hinter der nächsten Ecke ein Männerchor ein Liedchen intoniert. Wer ein anderes »C«, wie zum Beispiel »Chill-out«, bevorzugt, findet die entsprechend relaxte Atmosphäre in der Strandbar »Lakeside« am Wörthersee. Das nobelste Entspannen bei exzellentem Essen und einem unverstellten Blick auf den Wörthersee bietet das Restaurant »Seespitz« in Velden. Die gediegene Espresso-Bar »KAP-4613« am Millstätter See lädt zum Tanzen und zwischendurch Füße-in-den-Sand-Stecken ein.

Blau blüht der Enzian

Domkirche St. Peter und Paul. Die Domkirche, besser bekannt als Klagenfurter Dom, ist ein weiteres Highlight. Die prunkvolle Kirche mitten in Klagenfurt lässt das kitschverliebte Herz höher schlagen: goldornamental umrankte Marienfiguren, weiße, vergoldete und pastellfarbige dicke Engelchen und Heiligenskulpturen sowie insgesamt 23 bunte Fresken. Kerze anzünden und innehalten…

Enzian. Ja, ja so blau, blau, blau blüht er auch in Kärnten. Und man braucht gar keine große, dunkle Sonnenbrille, um ihn zu finden.

Enzian in den Alpen

by Paul/Shutterstock.com

»Franzl« – soll Kaiserin Sisi gehaucht haben, als sie von den Hohen Tauern glücklich staunend den schneebedeckten Großglockner betrachtet hat. Von der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe in den Hohen Tauern hat man bis heute einen der schönsten Panoramablicke Kärntens: Unten gefriert das Eis des Pasterzen-Gletschers, hoch oben glitzert der Schnee auf den karstigen Spitzen des höchsten Bergs Österreichs.

Goldene Gans. Die »Goldene Gans« ist das älteste Gebäude Klagenfurts. Es steht im Zentrum der Stadt. 1489 erbaut und von Kaiser Friedrich III. der Stadt geschenkt, hieß es einst sinntragend und wegweisend »Das Haus bei der Burkh«. Heute gibt es dort ein kleines Café und eine herrliche Wiener Melange.

Ein Stein erinnert an die wohltätige Hemma

Heilige Hemma. Nach den vielen Schicksalsschlägen – Mann weg, Kinder weg – gedachte Hemma nicht mehr des Irdischen. Als fromme Witwe lebte sie fortan in stiller Einsamkeit im Kloster in Gurk. Im Jahre 1043 kam Erzbischof Balduin zu ihr, begleitet von einigen Nonnen, um die Kirche zu weihen, am Hochaltar und umgeben von 70 Jungfrauen. Heute erinnert der »Hemmasitz«, ein Stein mit flacher Oberfläche, an die wohltätige Hemma. Noch heute soll es Glück bringen, sich auf den Stein der Hemma in Gurk zu setzen, von dem aus sie Menschen beschenkte, und sich still etwas zu wünschen.

Idylle. Gäbe es das Wort Idylle nicht, man müsste es erfinden, sobald man Kärnten betritt. Grüne Täler, plätschernde Flüsse, klare Bergseen. Eine Idylle mit ausgewiesenen Glücksplätzen. Beispielsweise in Irschen: Duftgarten, mit schmackhaften und heilenden Kräutern. Die anderen Glücksorte findet man gewiss ganz von selbst.

»Jungfräulich« nannte der Komponist Johannes Brahms die Kärntener Seenlandschaft. Wortwörtlich soll er gesagt habe: »Ja, der Wörthersee ist ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu zertreten.« Das empfand wohl auch Gustav Mahler, der sich ein bescheidenes Häuschen im Wald bauen ließ, in dem er seine berühmten Symphonien IV, den Anfang der V sowie die VIII komponierte.

Faaker See in Kärnten

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Klagenfurt. »In diese Stadt«, schreibt Ingeborg Bachmann über ihren Heimatort, »ist man selten aus einer anderen Stadt gezogen, weil ihre Verlockungen zu gering waren.« Bachmanns unsentimentale Erinnerungen brachten sie gedanklich zurück in das Klagenfurt der 1950er-Jahre. Damals gab es »links eine Nachbarschaft mit Boxerhund und rechts Kinder, die Bananen essen«, die »Reck und Ring im Garten aufgemacht haben und schwingend den Tag verbringen«. Heute gilt die südlichs­te österreichische Landeshauptstadt mit ihren Barock- und Jugendstilfassaden im Stadtzentrum als die italienischste Stadt Österreichs: mit mediterranem Flair und Palmen in der Altstadt.

Ein Wurm als Wahrzeichen der größten Stadt Kärntens

Lindwurm. Der sagenumwobene Wurm, das Wahrzeichen Klagenfurts, ähnelt einem Drachen mit fluguntauglichen Flügelchen und steht auf dem größten Platz der Stadt, dem Neuen Platz. Der Legende nach soll der Drache in der sumpfigen Moorlandschaft gelebt und besonders bei Nebel die Menschen verschlungen haben. Als das Ungeheuer einst besiegt wurde, baute man zur Freude ein Schloss, dem Sieg über das Ungeheuer setzte man später das Lindwurm-Denkmal.

Musil. In dem Geburtshaus des Schriftstellers Robert Musil – dessen berühmteste Werke »Der Mann ohne Eigenschaften« und die Schullektüre »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß« sind – wurde ein kleines Literaturmuseum eingerichtet. Literaturliebhaber finden in der Bahnhofstr. 50 in Klagenfurt neben Manuskripten und Fotos ausgewählte Exponate wie den Reisekoffer Musils, der ihn während seiner Emigrationsjahre begleitete.

Nocky Mountains. »Nocken« nennt man in Kärnten eigentlich die Knödel. Dass ein Gebirgszug den inoffiziellen Namen »Nocky Mountains« trägt, hat er seinen sanften Rundungen zu verdanken. Die Panorama-Straße durch die Nockberge stellt – im Vergleich zu der Großglockner-Hochalpenstraße – beinahe noch einen Geheimtipp dar. Doch trotz knödeliger Silhouette sind die 52 Kurven ähnlich scharf wie am Großglockner.

Nockberge in Kärnten

Nockberge in Kärnten

Oh, wie ist das schön! Stiefel, Designerjeans, Blusen oder Dessous anprobieren, ohne warten zu müssen. Ganz allein, zu zweit. Mal eben rausspringen und einen passenden Gürtel zur Hose finden und nebenbei unbeobachtet Sonnenbrillen aufsetzen. »Private Shopping« heißt der neue Szenetrend in Kärnten. Anmeldung genügt, um die Designerläden und edlen Boutiquen nach Ladenschluss ganz für sich zu haben. Möglich wird dieser Mädchentraum zum Beispiel beim »Stiefelkönig« und in der Boutique »Grüner« in Klagenfurt oder bei »Wöss« in Villach.

Schon mal geposcht?

Poschen. »Do wird Gstanzlt gsunga, poscht und plattlt!« – Wer bis jetzt nicht alles verstanden hat, für den könnte das Angekündigte ein unvergesslicher Spaß werden. Und für alle anderen gewiss auch. Denn das professionelle Poschen, eine traditionelle Form des rhythmischen Klatschens und Schuhplattlerns, kann man auf der Almhütte in einem Workshop lernen – mit anschließendem Käsefondue und Hüttengaudi.

Quark – in Österreich besser bekannt als Topfen. Topfenstrudel stammt eigentlich aus der ungarischen Küche. Und weil Topfen allein geschmacklich ein bisschen langweilig wäre, werden in Kärnten wahlweise Eier, Zucker, Rosinen und Gewürze wie Vanille untergehoben. Die süße-sauere Masse wird in den Strudelteig eingerollt, gebacken und mit sahniger Vanillesoße und Puderzucker warm serviert.

Richtig kreativ. Man mag es kaum glauben, aber nicht nur Helmut Kohl, sondern auch junge Kreative haben das beschauliche Kärnten unlängst als Repräsentationsfeld für sich entdeckt. So verfügt das Bundesland über eine ausdifferenzierte Kreativ- und Designszene, die durch Ausstellungen und Events regelmäßig auf sich aufmerksam macht, wie etwa die Galerie Unart in Villach, in der Stadtgalerie in Klagenfurt oder während des Kärntner Architekturherbstes.

Das berühmte Schloss am Wörthersee

Schloss Velden – besser bekannt als ein Schloss am Wörthersee. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts residierte im Schloss am See, berühmt geworden durch zahlreiche Spielfilme und Serien, der österreichische Hochadel. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten jugoslawische Truppen das Schloss, später wurde es kurzzeitig als illegale Spielbank genutzt. Seit den 1960er-Jahren ging der Jetset im Schloss ein und aus. So dinierten, feierten, entspannten und schliefen im Schlosshotel einst die Schauspielerin Ingrid Bergman, Kirk Douglas, Omar Sharif, der Schriftsteller Somerset Maugham und der Musiker Lionel Richie. 1990 erwarb der Industriellenerbe und Playboy Gunter Sachs den Renaissancebau, ehe er ihn für eine geschätzte Summe von 22 Millionen Euro wieder veräußerte. Seit 2007 empfängt das noble Luxushotel Gäste aus der ganzen Welt.

Schloss Velden am Wörthersee

Schloss Velden am Wörthersee

Tibetanische Außenstelle. Er nannte ihn »Henrig«. Als Heinrich Harrer nach Tibet kam, war der Dalai Lama zehn Jahre alt und wissbegierig, was Heinrich ihm über die westliche Kultur erzählen konnte. Sieben Jahre waren sich der Dalai Lama und Heinrich Harrer einander Lehrer, ein Leben lang blieben sie Freunde. Zurück in Österreich, hat Harrer in Hüttenberg ein kleines tibetanisches Kleinod eröffnet, das »Tibetzentrum«. Erleuchtung nicht ausgeschlossen.

Urig und echt. Ursprünglich ist nicht nur die Natur in Kärnten, sondern bei Bedarf auch das Wellness-Programm. Im Karlbad oben in den Bergen, an der Nock­almstraße, sitzt die Entspannungssuchende in einem ausgehöhlten und mit heißem Thermalquellwasser gefüllten Lärchenstamm. Das rustikale Jungbrunnenbad hat eine lange Tradition. Die antiken Weihealtäre für die Quellgöttin Vibe belegen, dass schon die Römer den Ort aufsuchten, um Körper und Geist mit Thermalwasser zu heilen.

Auch einen Besuch wert: Villach

Villach. Sie ist zwar nur die zweitgrößte Stadt Kärntens, dennoch hat Villach keinen Grund, sich hinter der großen Schwester Klagenfurt zu verstecken. Neben einer kopfsteingepflasterten Altstadt punktet Villach mit zwei der schönsten Seen der Region: dem Ossiacher See, der von der Gerlitzen eingerahmt ist, und dem türkisfarbenen Faaker See.

Villach an der Drau in Kärnten

Villach an der Drau in Kärnten

Wörthersee. Der größte See des Landes ist in den letzten Jahren zur hippsten Region Österreichs aufgestiegen. Ob Beach-Volleyball-Turniere, Golfen oder das gute Essen, die herzliche Lebensart und abends bei einem Cocktail die Lichtkunstinstallationen über dem See genießen – der Wörthersee besticht durch seine moderne Unverfälschtheit.

X-tra Portion Action. Klettern, Skifahren, Rafting, Wandern, Wellness, Fischen, Paragliding. Es gibt kaum eine Trendsportart, die man in Kärnten nicht optimal testen kann. Ein besonders Erlebnis ist das »Biken unter Tage«: In dem Bergwerk in Petzen an der slowenischen Grenze fährt man durch schmale Tunnel, vorbei an bizarren Gesteinsformationen und Felsvorsprüngen.

Yammi, yammi. Mit musikalischen Leckerbissen wie »Aber bitte mit Sahne« und dazu »Griechischer Wein« hat Udo Jürgens von Kärnten aus die Schlagerwelt bereichert. Er wurde übrigens mit mehr als 50 Preisen ausgezeichnet, darunter das Bundesverdienstkreuz, der Bambi, der Deutsche Fernsehpreis, die Goldene Kamera und der Echo für sein Lebenswerk. Ein Liedchen auf den Lippen, wenn man in Jürgens Heimatort Klagenfurt einfährt, gehört deshalb zum guten Ton. »Siebzehn Jahr, blondes Haar …«

 

 

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