Gut fünf Jahre nach der großen Flut hat sich das Ahrtal weitestgehend wieder erholt. Gastronomische Betriebe haben wieder geöffnet und auch die Bahn bringt wieder fleißig Touristen aus Köln und Bonn in die Region. Insbesondere an sonnigen Wochenendtagen strömen die in Scharen durchs Tal.

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Was aber viele nicht wissen: Hier, in den Weinbergen zwischen den Orten Ahrweiler und Dernau, liegt tief unter der Erde ein Ort, der es in sich hat: der Regierungsbunker.
In einer Tunnelanlage von rund 20 Kilometer Länge entstand unter den Weinhängen einst das geheimste Bauwerk der Bundesrepublik Deutschland. Sein offizieller Name lautete »Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Krise und Krieg«. Und das war er auch sehr lange Zeit. Die Tunnel wurden in den 1960er-Jahren zum Regierungsbunker aus- und umgebaut. 110 Meter unter Wald und Weinbergen entstand eine gigantische Stadt mit 83.000 Quadratmeter Nutzfläche.
Wie 1950 die Suche nach einem geheimen Regierungssitz begann
Bereits ab 1950 beschäftigte sich das Bundesinnenministerium der Frage, wohin sich die Regierung im Kriegsfall zurückziehen könnte, um handlungsfähig zu bleiben. Nach dem Beitritt Deutschlands zur Nato am 6. Mai 1955, der eine Bereitstellung eines Ausweichsitzes verpflichtend machte, wurden die Planungen konkreter. Die Blicke richteten sich in das nicht weit von Bonn entfernte Ahrtal. Dort befand sich eine Tunnelanlage mit zwei größeren, ausbaufähigen Eisenbahntunneln, die für den Ausbau zum Regierungsbunker geeignet erschienen.
Am 19. Januar 1962 schließlich gab Konrad Adenauer den Startschuss für den Ausbau der beiden längsten Tunnelanlagen unter dem Kuxberg und dem Trotzenberg. Die Anlage sollte sich von Ahrweiler über Marienthal bis nach Dernau ziehen. Unter dem Decknamen »Anlagen des THW« entstand hier, rund 25 Kilometer von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt, eine 19 Kilometer große unterirdische Stadt. Intern trug sie den Namen »Rosengarten«.
20.000 Arbeiter, 936 Schlafräume, ein eigenes TV-Studio: die Stadt im Berg
Unter strengen Geheimhaltungsvorschriften waren insgesamt rund 20.000 Arbeiter beteiligt. Die gigantische Stadt im Berg, in der 3.000 Menschen einen Zeitraum von 30 Tagen überstehen sollten, bestand aus fünf autarken Bauteilen. Jeder davon war ausgestattet mit einer eigenen Energie-, Wasser-, Luft-, und Lebensmittelversorgung. Der Regierungsbunker verfügte über 936 Schlafräume sowie 897 Büros. Nicht nur das: Es gab Technikräume, einen Friseursalon, ein Hör- und Fernsehstudio des WDR und vier Krankenstationen. Lediglich der Bundeskanzler und der Bundespräsident sowie weitere hochrangige Politiker hätten über eigene Räumlichkeiten verfügt.

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Alle anderen Bunkerbewohner wären in Mehrbett-Zimmern untergebracht worden. 140 Mitarbeiter der »Dienststelle Marienthal« hielten den Bunker betriebsbereit, weitere 40 waren in der Bunkerverwaltung im Verwaltungsgebäude in Marienthal tätig.
Erst 1997, acht Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, entschied das Bundeskabinett, die Anlage aufzugeben. Es wurde versucht, eine Nachnutzung für die riesige Anlage zu finden. Große Verkaufsanzeigen in allen deutschen Zeitungen folgten. Neben einer Champignonzuchtanlage (!) gingen auch Konzept für ein Bunkerwunderland oder eine Einlagerung von Zeitkapseln für die Nachwelt ein. Allerdings sollte keiner der Interessenten einen Zuschlag für den Kauf oder Vermietung der Bunkeranlage erhalten. Somit war der Rückbau beschlossene Sache. In den Jahren von 2001 bis 2006 erfolgte die Entkernung der Anlage bis auf die Betonwände. Das neben der Berliner Mauer größte Bauwerk aus der Zeit des Kalten Krieges wurde komplett ausradiert.
Vom geheimsten Bauwerk der Republik zum Museum: Was heute noch zu sehen ist
Ein Teilstück aber wurde im Originalzustand erhalten. Es gibt seit 2008 als Museum die einst streng geheime Geschichte preis. Der Eingang liegt versteckt zwischen Weinbergen und Wald oberhalb von Ahrweiler. Auf 203 Metern können sich Gäste heute hautnah in die Zeit des Kalten Krieges zurückversetzen.

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Schon nach wenigen Metern erhalten Besucher beeindruckende Einblicke in die Zeit des Kalten Krieges, die hier physisch und psychisch spürbar ist. Zeitzeugen berichten als Gästeführer über ihre Erfahrungen.
Träger der Dokumentationsstätte ist der Heimatverein »Alt-Ahrweiler«. Dessen Mitarbeiter begleiten auf ihrer rund 90-minütigen Bunker-Führung die Besucher durch die unterirdische Welt. Details zu den Reservierungen und Öffnungen gibt es auf der Website des Regierungsbunkers.
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Noch mehr Informationen zum Bunker und anderen Geheimtipps in Rheinland-Pfalz gibt’s bei unserem Schwestermagazin funkyGERMANY.


