Die Sky Lagoon ist ein fabulöses Spa-Erlebnis in Island und ein Ort, bei dem man gar nicht anders kann, als sich dort zu entspannen. Dafür sorgen Wasser, Wärme – und der wunderschöne Ausblick. 

Schwimmen kann man in Island in jedem noch so kleinen Dorf. 150 Schwimmbäder gibt es insgesamt auf der Insel im Nordatlantik. Und das will etwas heißen in einem Land, das nur rund 350.000 Einwohner hat und dessen Fläche zu elf Prozent mit Vulkanen bedeckt ist. Während die Bäder überwiegend das ganze Jahr hindurch geöffnet haben, kann man sie nicht als besonders luxuriös bezeichnen – sie sind praktisch und erfüllen ihren Zweck.

Sky Lagoon: Entspannung bei Ankunft

Ganz anders sieht das bei der  Sky Lagoon aus.. Ein Schwimmbad ist das nicht. Eher ein Ort, um die Badetradition des Landes zu zelebrieren. Geplant wurde seit vielen Jahren, gebaut während des gesamten Lockdowns und eröffnet im Mai 2021, in Kópavogur, direkt am Hafen von Karsnes. Vis-à-vis der Hauptstadt Reykjavík.

Abendstimmung ind er Sky Lagoon in ISland.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Okay, bei der Anfahrt darf man sich wundern. Liegt das Luxus-Schwimmbar doch inmitten eines Industriegebiets. Das ist auf das erste Gefühl schon ein wenig abschreckend. Doch schon nach dem Parken geht das Wohlgefühl los.

»Wir haben es im Stil der alten Torfhäuser errichten lassen, der Klömbruhleðsla genannt wird«, sagt Dagný Hrönn Pétursdóttir, CEO der Sky Lagoon. Und das war gar nicht so einfach, denn in Island gibt es nur noch einen Handwerker, der weiß, wie die Vorväter einst die Häuser aus Torf und Stroh gegen die unwirtlichen Verhältnisse auf der Insel sicherten.

Eingang zu Sauna der Sky Lagoon in Island

Norris Niman

Spa-Erlebnis der Extraklasse

Innen ist es stylish und schummrig – das Dunkelgrau an den Wänden und viel Holz in den Umkleiden bestimmen das Bild. Doch das ist alles lediglich der Bühneneingang zu einem noch größeren Spektakel, das der Besucher nun bald erleben wird. Ausgestattet mit einem Silikonarmband, das Eintrittskarte, Spindschlüssel und Geldbörse zugleich ist, geht es Richtung Umkleiden.

Termine für die Sky Lagoon werden am besten über das Internet gebucht – dreierlei Kategorien ermöglichen den Zugang zum Spa-Erlebnis der Extraklasse: der Pure Lite Pass, der neben dem Eintritt auch die Sammelumkleide und ein Leihhandtuch enthält. Der Pure Pass erweitert das Paket zudem noch um das viel gepriesene, aber noch mysteriöse „Ritual“. Und Gäste mit Sky Pass genießen private Umkleiden samt Duschen im Industrie-Chic, die so schwarz und modern daherkommen, dass man die Wasserhähne erst auf den zweiten Blick findet.

Dampf von Thermalwasser der Sky Lagoon in Island

Sky Lagoon

Jetzt also: nackig machen. Ein Pflichtprogramm in jedem Schwimmbad in Island – wer nicht ausführlich und mit Seife sämtliche Körperstellen wäscht, wird böse angeschaut. Zumindest in den Sammelumkleiden. Der Sinn dieser Übung, die vielen deutschen Schwimmern so fremd ist, ist rasch erklärt: Das Thermalwasser in den isländischen Bädern kommt so mit deutlich weniger Chlor aus. So wenig sogar, dass man nach dem Besuch überhaupt nicht danach riecht.

Naturspektakel für alle Sinne

Die Spannung steigt – es geht durch einen langen Korridor zu einer automatischen Tür. Auftritt: Sky Lagoon. Schroffe dunkelgraue Lavafelsen stehen im Kontrast zum leuchtenden smaragdgrünen Wasser, das so herrlich warm ist, dass man den ganzen Tag darin schweben möchte. Ein Naturspektakel für alle Sinne. Doch es wird noch besser! Nach einigen Metern, inmitten der urigen Gesteinswände im Wasser schwebend, öffnet sich plötzlich der Blick auf die Weite des Nordatlantiks. Das 75 Meter breite Becken ist ein wunderschön angelegter, natürlicher Infinity Pool, der direkt in das kalte Polarmeer überzugehen scheint.

Frau schwimmt in infinity Pool vor der Kulisse der isländischen Hauptstadt Reykjavik

Sky Lagoon

Stundenlang könnte man hier sitzen, liegen, durchs Wasser gleiten – egal, ob die Sonne scheint (selten), dunkle Wolken am Himmel ziehen (öfter) oder Niederschlag fällt (noch öfter). Der perfekte Tag hier: kalt, dunkel, mit tanzenden Nordlichtern am Himmel. Denn hier wird nicht um acht Uhr abends abgesperrt – oder im Winter gar früher. Die Lagune öffnet auch in der kalten Jahreszeit zwischen elf und zwölf Uhr morgens und schließt nicht früher als 22 Uhr, am Freitag und Samstag im Winter erst um 23 Uhr.

»Auf das Wetter haben wir keinen Einfluss, zum Glück!«,

sagt Dagný Hrönn Pétursdóttir. Wenn es klar ist und die Sicht gut, können die Besucher vom Wasser aus sogar den aktuell speienden Vulkan Fagradalsfjall sehen.

Hier geht es um Entspannung

Zum Schwimmen sind das warme Wasser und das natürliche Gefüge des Pools nicht so recht geeignet, aber sportlich betätigen kann man sich in vielen anderen Bädern in der Hauptstadt. In der Sky Lagoon geht es genau um eine zentrale Sache: das Entspannen. Schon die Wikinger nutzten dazu vor Hunderten von Jahren die heißen Quellen. Heute gleitet man dafür durch diese eindrucksvolle Wellness-Anlage.

Frau entspannt in Thermalbecken der Sky Lagoon

Sky Lagoon

Besonders stolz ist Dagný Hrönn Pétursdóttir auf das unscheinbare kleine Häuschen am Rand des Pools, das ein mit Gras bewachsenes Dach hat und fast in der Umgebung verschwindet. Und genau so soll es auch sein. Doch hier verbirgt sich der Ort für das neu erdachte Ritual, das sieben Schritte umfasst. Der erste: Entspannen, den Blick übers Meer schweifen lassen, ein kühles Getränk an der Poolbar in der Hand. Der zweite: ein kurzer Dip in einen etwa zehn Grad kalten Pool. Das soll die Durchblutung ankurbeln und das Immunsystem stärken – bevor es aber so weit ist, muss der eine oder die andere einen spitzen Schrei loswerden.

Sauna mit Meerblick

Und dann geht es ab in die Sauna! 90 Grad, trocken, finnisch. Mit Badeklamotte. Und mit einem ebenso tollen Blick auf das Meer direkt vor dem Fenster, wie man ihn im Freien auch hat. »Das ist das größte Fenster, das in Island je in einem Stück verbaut wurde«, sagt die Chefin. Und offensichtlich ist das zweieinhalb Tonnen schwere Glas sowohl hitze- als auch kältebeständig, denn es beschlägt weder von innen noch von außen.

Panorama-Blick über den Ozean in einer Sauna in Island

Sky Lagoon

Danach geht es in eine holzvertäfelte Kammer, in der aus feinen Düsen kühler Nebel auf die Saunagänger regnet. Die Verweildauer in diesem Schritt vier ist ähnlich kurz wie in dem kalten Pool, denn jetzt kommt erst das Tollste: ein Körperpeeling, frisch zusammengerührt aus Meersalz und verschiedenen Ölen. Nachdem das großzügig auf der Haut verteilt ist, geht es nun wieder ins Warme – ein Dampfbad. Ebenso schick und minimalistisch eingerichtet wie der Rest der Sky Lagoon. Wenn die Haut mariniert ist und das Salz langsam zu jucken beginnt, ist die Zeit für den letzten Schritt gekommen: der finale Waschgang unter den riesigen Regenduschen.

An dieser Stelle sei ein Tipp erlaubt: Auch wenn Besucher gespannt sind auf das Ritual und darauf, was sich in dem runden Haus mit dem Grasdach befindet – es empfiehlt sich, das Ritual erst kurz vor dem Verlassen des Bades zu machen. Denn: In die Sauna darf man danach nicht mehr, es ist etwas glitschig mit frisch geölten Füßen – und der Effekt des Öls auf der Haut löst sich im Wasser auf, wenn man danach noch längere Zeit im Infinity Pool verbringt.

Frau benutzt Salz-Peeling in der Sky Lagoon in Island

Sky Lagoon

Absacker-Wasser

Und wenn es dann langsam Zeit wird zu gehen, schweren Herzens, aber tiefenentspannt, ist noch Zeit für einen kurzen Stopp: in der Smakk Bar, in die man auf dem Weg zum Ausgang automatisch geführt wird. Dort nämlich werden allerlei Leckereien aus der traditionellen Bäckerei Sandhold angeboten, die im Zentrum Reykjavíks ihr Stammhaus hat. Und neben schickem Gestühl gibt es auch einige gemütliche Sofas, direkt am kuschelig-warmen Kamin. Genau der richtige Ort, um nach der ganzen Aquatherapie ein Glas Wasser zu trinken.