Österreich hat die Coronakrise immer besser im Griff – und erlaubt es den Hotels ab dem 29. Mai wieder zu öffnen. Können wir also unseren Sommerurlaub in Österreich verbringen?

Die frohe Kunde erreichte die Österreicher Ende April. Am Morgen des 28. April stand Tourismusministerin Elisabeth Köstinger der Presse im Bundeskanzleramt in Wien Rede und Antwort und sorgte dabei für einen Paukenschlag: Die Hotels in Österreich dürfen bald wieder öffnen. In Deutschland dachte man an diesem Tag noch lange nicht an Hoteleröffnungen. Aber, es war der Startschuss auch für die Politik in Deutschland, doch bitte auch bald wieder die Hotels zu eröffnen. Am 29. Mai nun soll es in Österreich so weit sein.

»Es gibt eine große Sehnsucht, dass wir zurückkommen zu einem normalen Leben«, sagte die 41-jährige ÖVP-Politikerin.

Nanu. Sommerurlaub in Österreich in diesem Jahr? Geht da vielleicht auch was für uns Deutsche?, fragen sich da derzeit viele Liebhaber unseres südlichen Nachbarlandes.

Den Aufschlag zu den Lockerungen in Österreich werden bereits zwei Wochen zuvor die Gastronomie-Betriebe machen. Am 15. Mai sollen Cafés und Restaurants wieder – wie die Österreicher zu sagen pflegen – »aufsperren«. Bis zu vier Personen dürfen dann an einem Tisch sitzen. Zwischen den Tischen muss ein Mindestabstand von einem Meter gewahrt bleiben.

Freier Stuhl in einem Restaurant am Naschplatz in Wien

Aneta Pawlik

Und auf eine freie Tischplatzwahl müssen die Österreich vorerst auch verzichten. Eine Mund-Nasen-Maske darf auch nicht fehlen. Zwar braucht die am Tisch nicht getragen werden. Aber wer auf Toilette möchte, muss sie sich drüberziehen. Die Regelungen sind zwar weit von dem entfernt, was früher in den Restaurants üblich war, aber es ist ein Anfang. Immerhin.

Ab Juni den Sommerurlaub in Österreich verbringen?

Für größeres Interesse dürfte in Deutschland die Ankündigung gesorgt haben, dass ab dem 29. Mai die Hotels in Österreich geöffnet werden. Steht also dem Sommerurlaub in Österreich in diesem Jahr nichts mehr im Wege? Und wenn ja, worauf muss man sich gefasst machen? Denn eins ist klar: Ein gänzlich unbeschwerter Urlaub ohne Abstands- und Hygienemaßnahmen wird auch in Österreich trotz eines erfolgreichen Zurückdrängens des Coronavirus nicht möglich sein. Vorerst jedenfalls nicht.

Riesiger Stein mit Österreich-Flaggen-Emblem

Thomas Q

Und so werden sich mal wieder alle Augen auf die Politik richten. Die deutsche Bundesregierung hatte erst im April die weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni verlängert. Und somit auch für Österreich. Das bedeutet zwar kein Reiseverbot, aber es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass man während des Urlaubs im Ausland damit rechnen muss, eine Ausgangsbeschränkung oder gar Quarantäne verordnet zu bekommen. Aber schon eine Einschränkung lässt aufhorchen: Vor diesem Datum soll die Lage noch einmal neu bewertet werden. Dazu will sich die Bundesregierung in Berlin vor allem mit den EU-Nachbarn eng abstimmen.

Wohin die Reise vermutlich gehen wird, machte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bereits deutlich: »Aus unserer Sicht ist es möglich, in absehbarer Zeit die Grenze zu Deutschland, aber auch zu anderen Nachbarländern, wo die Entwicklung ähnlich gut ist, zu öffnen«, sagte er gegenüber der Bild. Kurz ist sich deshalb sicher, dass Deutsche in diesem Jahr ihren Sommerurlaub in Österreich verbringen können.

»Wenn jemand in Ost-Deutschland lebt, kann es derzeit gefährlicher sein, nach Nordrhein-Westfalen zu fahren, als nach Österreich«, sagte Kurz.

Österreichs Hotels brauchen die Gäste aus Deutschland

Auch Sebastian Kurz weiß: Für den Tourismus in Österreich sind Gäste aus Deutschlands überlebenswichtig. Sie machen sowohl im Winter als auch im Sommer den Großteil der Gäste aus. Gar drei Viertel aller Übernachtungen in Österreich kommen von Gästen aus dem Ausland. Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), sekundiert:

»Sie sind ganz entscheidend. Jeder zweite internationale Gast ist Deutscher. Als attraktive Urlaubsdestination ein so großes Land zum Nachbarn zu haben und noch dazu vor dem Hintergrund der gleichen Sprache führt genau dazu, dass die Öffnung der deutsch-österreichischen Grenzen entscheidend wird für viele Arbeitsplätze bei uns im Land.«

Und da spreche er nicht nur von der Hotellerie, sondern auch von anderen Branchen, die ganz konkret auf die Ausgaben der Gäste oder der Hoteliers angewiesen sind.

Martin Stanits, ÖHV

ÖHV/Lechner

Als Beispiel nennt er Gastwirte, Skiverleiher, Golfplatzbetreiber, Fremdenführer bis hin zu den Web- und Werbeagenturen, Tischlern und Bautischlern, Bäckern, Bauern und Jägern: »Es geht, kurz gesagt, um alles«, erläutert Stantis.

Und so hat auch Ingrid Hochfilzer, Chefin des Hotel Hochfilzer in Ellmau am Wilden Kaiser in Tirol, so wie viele ihrer Kollegen den Rechenstift angesetzt. Nicht nur sie fragt sich derzeit: Rentiert sich die Öffnung des Hotels überhaupt ohne offene Grenze zu Deutschland? Sie ist skeptisch:

»Betriebe mit großer Bettenzahl, und damit meine ich die über 200 Betten, werden keine Chance haben, diese mit Österreichern zu füllen. Dafür hat Nordtirol zu viele Gästebetten.«

Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen in den Hotels

Derweil bereitet sich Ursula Karner vom Karnerhof am Faaker See in Kärnten auf die Eröffnung des Vier-Sterne-Hauses vor. »Gemeinsam mit unseren Abteilungsleiter definieren wir Standards, wie ein Karnerhof-Urlaub größtmöglichen Genuss mit größtmöglicher Sicherheit vereinen kann. In diese Standards arbeiten wir noch die Vorgaben des Gesundheitsministeriums ein, sobald diese zur Verfügung stehen. Wir rechnen in einem vereinten Europa damit, dass die Grenzen zu Ländern mit ähnlichen Entwicklungen zeitnahe wieder geöffnet werden.«, sagt sie.

Ursula Karner

Ursula Karner

Standards? Größtmögliche Sicherheit? Das klingt noch schwammig – und ist eine Chiffre dafür, dass zumindest in diesem Sommer in den Hotels doch einiges anders sein wird. Es sind Fragen über Fragen, die noch offen sind: Wird es Büfetts in den Hotelrestaurants geben? Wird die Lobby ein Ort des geselligen Zusammenkommens bleiben können? Darf man das Schwimmbad und die Sauna im Hotel nutzen?

Wie die Gäste ab Ende Mai in den österreichischen Hotels urlauben können, hat die Regierung mittlerweile noch nicht festgezurrt. Anscheinend gibt es noch großen Gesprächsbedarf. Die Leitlinien sollten bereits Mitte vorvergangener Woche veröffentlicht werden. Doch noch heißt es auf der Website: »In Kürze werden die Verhaltensregeln für Gäste wie auch für Beherbergungsbetriebe hier zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich können sich Gäste von Beherbergungsbetrieben an den Verhaltensregeln für die Gastronomie orientieren.«

In Villach in Kärnten haben schon viele Deutsche den Sommerurlaub gebucht

Und wie ist die Stimmung vor Ort? Georg Overs hat ein feines Gespür für die Befindlichkeiten in Villach im Bundesland Kärnten, unweit der Grenzen zu Italien und Slowenien. Er ist Geschäftsführer der Region Villach – Faaker See – Ossiacher See und spricht in diesen Tagen viel mit den Hoteliers und Geschäftsleuten vor Ort.

Die Stimmung sei wechselhaft, das könne man sich ja nach den letzten Wochen denken, sagt er. Aber, immerhin, »tendenziell positiv«. Das liegt auch daran, dass »viele Österreicher und Deutsche schon ihren Sommerurlaub bei uns gebucht haben«.

Die Urlauber aus Deutschland sind immens wichtig für die Region, 40 Prozent der Touristen seien Deutsche, berichtet er. Und ja, er rechne damit, dass die Deutschen im Sommer auch tatsächlich kommen können.

Die Hoteliers in der Region bereiten sich unterdessen auf den Sommerurlaub in Zeiten von Corona vor. Mag man sich in Wien auch noch die Köpfe darüber zerbrechen, welche Sicherheitsstandards letztlich umgesetzt werden müssen: Hier will man auf alles vorbereitet sein. An der Rezeption werden Plexiglasscheiben aufgebaut, beim Büfett müsse man über eine Entzerrung der Gästeströme nachdenken. Auch einen Mund-Nasen-Schutz müsse man hin und wieder tragen. »Wenn Sie bei uns ins Strandbad wollen, dann muss man den am Eingang tragen. Am Strand aber natürlich nicht«, erläutert er. Klar, »der Urlaub wird heuer anders sein. Aber nun nicht komplett anders«, prognostiziert Overs.

Füße der Reisenden in den Alpen

Grekov’s/Shutterstock.com

Davon geht auch Christoph Schmuck, Gastgeber des Naturhotel Forsthofgut aus: »Auch wenn wir unsere Gäste und Mitarbeiter in den letzten Wochen nicht persönlich im Forsthofgut begrüßen konnten, sind wir uns trotzdem nah geblieben. Wir haben unseren Alltag mit “Familie Schmuck allein zuhaus” geteilt, das gesamte Hotel auf Vordermann gebracht, geplante Umbauten in Angriff genommen und neue Ideen und Projekte geschnürt.«

Kann man jetzt schon den Sommerurlaub in Österreich buchen?

Martin Stanits jedenfalls ist zuversichtlich, dass der Sommerurlaub in Österreich in diesem Sommer auch für Gäste aus Deutschland noch etwas werden wird:

»Die geografische Nähe und die starke Bedeutung des Individualverkehrs spielen eine wichtige Rolle. Niemand läuft Gefahr, aufgrund ausfallender Flüge nicht mehr heimzukommen«, sagt Stanits.

Stanits und seine ÖHV wollen Druck machen: »Also empfehle ich Ihnen auch, das Ihren Volksvertretern klar zu machen. Auch wir forcieren Inlandskampagnen – aber auf freiwilliger Basis, nicht als Zwang, indem wir die Rollbalken unten lassen. Die EU sollte hier einen Gang zulegen und ganz rasch transparente Szenarien und Stufenpläne für die Grenzöffnung vorlegen«, fordert er.

Nachtrag der Redaktion (13. Juni 2020): Die Grenze zwischen Deutschland und Österreich soll spätestens am 15. Juni wieder komplett geöffnet werden. Mehr dazu hier.

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