Einmal einen Gipfel besteigen, einmal Held sein – viele von uns träumen vom Bergsteigen, doch nur wenige trauen sich an die extreme Sportart heran. Viel angenehmer sind da die sogenannten Vie Ferrate, befestigte Wege aus Seilen, Leitern, Brücken und Harken. Diese Bergwege sind in den europäischen Alpen entstanden, um Dörfer und Hütten besser zugänglich zu machen. Zur Sicherung befestigt man sich ähnlich wie im Hochseilpark mit Karabinern. Mittlerweile sind die »eisernen-Straßen« zu einem richtigen Trend geworden – und zwar auf der ganzen Welt. Auf diesen Klettersteigen fühlt man sich wie ein waschechter Bergsteiger! Text: Susanne Jung

Übernachten im Adlernest: Sacred Valley, Peru

Im sogenannten Heiligen Tal in Peru gibt es eine Via Ferrata der besonderen Art. Die Natura Vive’s Sacred Valley Via Ferrata ist mehr als nur eine sportliche Herausforderung. Auf 300 Meter langen Wanderrouten, Hängebrücken und Zip-Lines kann man die Natur der Anden erleben. Nach drei bis vier Stunden erreicht man den absoluten Höhepunkt der  Tour: eine Übernachtung in den Skylodge Adventure Suites. Drei transparente Kugelzelte hängen an den Steilwänden des Berges und versprechen eine unvergleichliche Erfahrung! Im Paket inbegriffen sind ein Frühstück sowie ein Abendessen mit Ausblick.

Scared Valley in Peru

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Canyons und Ziplines: Ras Al Khaimah, Vereinigte Arabische Emirate

Unweit vom Glamour Dubais, im Wüstenstaat Ras Al Khaimah, befindet sich der höchste Berg der Emirate! Jebel Jais ist 1.920 Meter hoch und ganz aus rotem Sandstein, so ähnlich wie die Canyons der USA. Am höchsten Berg der Emirate gibt es natürlich auch die einzige Via Ferrata. Entlang der Schlucht geht es steile Felswände hinauf und über drei Ziplines hinweg. Die längste davon ist 300 Meter lang und führt direkt durch die rote Felsenschlucht. Übrigens ist die Via Ferrata im Sommer geschlossen, denn in der extremen Wüstenhitze wäre der Weg viel zu anstrengend!

Jebel Jais mountain in Ras Al Khaimah

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Gletscher und Wasserfälle: British Columbia, Kanada

Schroffe Felsen, plätschernde Wasserfälle und eisige Gletscher: Hoch in den kanadischen Purcell Mountains in der Provinz British Columbia bietet sich uns ein ganz besonderer Anblick. Am Mount Nimbus liegt die längste Via Ferrata Nord Amerikas vor einem atemberaubenden Bergpanorama. Bereits die Anreise ist ein echtes Abenteuer, denn sie ist nur mit einem Helikopter zu erreichen. Angekommen geht es über Eisenharken in Richtung des 2.743 Meter hohen Gipfels. Der Höhepunkt ist eine 60 Meter lange Hängebrücke, die auf schwindelerregender Höhe von einem Gipfel zum nächsten führt.

Fuß auf Klettersteig

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Klettern im Atlas-Gebirge: Todgha Schlucht, Marokko

Mitten im Atlas-Gebirge in Marokko liegt die 300 Meter hohe Todgha-Schlucht. Während sie im Winter meist Wasser führt, ist die Schlucht im Sommer völlig ausgetrocknet. Weil das Gebiet besonders bei Kletterern beliebt ist, befindet sich hier auch die einzige Via Ferrata in Nordafrika. Sie wurde von dem Kletter-Anbieter Aventures Verticales entwickelt und wird stetig erweitert. Momentan dauert die Tour anderthalb Stunden und endet auf 120 Metern Höhe. Danach geht es zum Entspannen ins Hotel: In direkter Umgebung befindet sich eine Vielzahl romantischer Riads und traditionell marokkanischer Gästehäuser.

Todgha-Schlucht im Atlas-Gebirge in Marokko

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Die höchste Via Ferrata der Welt: Mount Kinabalu, Malaysia

Im Guiness Buch der Rekorde wird sie als die höchste Via Ferrata der Welt gehandelt, gleichzeitig handelt es sich auch um die erste Via Ferrata Asiens. Die Straße am Mount Kinabalu in Malaysia beginnt auf 3.200 Meter und steigert sich bis zu 3.776 Metern Höhe. Dabei kann man zwischen zwei Routen auswählen: Walk the Torq und Low’s Peak Circuit. Die erste ist perfekt für Anfänger und Kinder, während die zweite eher anspruchsvoll ist. Wer nicht in Form ist, sollte sich lieber den Aufstieg wagen! In fünf Stunden überquert man unter anderem eine 3.600 Meter hohe Hängebrücke und hat einen unglaublichen Ausblick über das grüne Gebirge.

Mount Kinabalu Via Ferrata

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Auf zu den Wasserfällen: Wanaka, Neuseeland

In Neuseeland befindet sich eine Via Ferrata der Superlative! Die Wildwire Wanaka zieht sich entlang zweier Wasserfälle, die in ein moosgrünes Bergtal hinab rauschen. Besonders praktisch: Hier gibt es drei Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Die anspruchsvollste davon ist die Lord oft the Rungs. Sieben Stunden lang geht es über 2.500 Leitersprossen und mehrere Seilbrücken, teilweise auch kopfüber, in Richtung der Twin Falls. 300 Meter später erreicht man den Beginn des Wasserfalls – aber sicher nicht trockenen Fußes! Von hier aus fliegt man mit dem Helikopter zurück ins Tal.

Klettersteiger, Via Ferrata

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Wandern in den Wolken: Telluride, Colorado, USA

Eigentlich war die Via Ferrata in Telluride im US-Bundesstaat Colorado bis vor kurzem noch ein richtiger Geheimtipp. Mittlerweile hat der lokale Hotspot sich rumgesprochen, und immer mehr Besucher pilgern zum San Juan Mountain. Im Gegensatz zu den meisten Vie Ferrate geht es hier nämlich nicht um die Höhe, sondern eher um die Strecke. Im Prinzip ist sie eher ein Wanderweg, der sich entlang einer Felswand zieht. An einer Stelle der Krogerata geht es dann sogar wieder nach unten! Die komplette Exkursion dauert zweieinhalb Stunden.

Telluride in Colorado

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Back to the roots: Dolomiten, Italien

Auf geht es in die Heimat der Via Ferrata: Italien. Am Marmolada Berg befindet sich eine Route, die zu großen Teilen aus dem 19. Jahrhundert stammt. Der komplette Rundtrip dauert allerdings bis zu 13 Stunden. Besonders spannend ist die Via Ferrata delle Trincee.

Via Ferrata in den Dolomiten

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Nachdem man mit der Seilbahn von Arabba nach Portavescovo gefahren ist, geht es zunächst 35 Meter steil nach oben. Blutige Anfänger sollten sich also besser einen leichteren Weg aussuchen. Wer sich aber traut, wird belohnt! Unterwegs passiert man österreichische Posten aus dem ersten Weltkrieg, an denen man die wunderschöne Aussicht über die Dolomiten genießen kann.  Bei über 200 Routen in der Region lohnt sich ein längerer Aufenthalt. Dazu wendet man sich am besten an einen erfahrenen lokalen Guide, wie Holomites.

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