Heute Abend um 23:22 Uhr ist nach dem Kalender offizieller Winterbeginn. Das heißt: Heute ist der kürzeste Tag des Jahres. Ab morgen heißt es: Sommer! Wir kommen! In einigen Regionen auf der Welt wird das sogar ausgiebig gefeiert.

Die Nase voll von der grauen Dezember-Tristesse? Vom späten Sonnenaufgang am Morgen und späten Sonnenuntergang am Abend … äh … Nachmittag? Dann haben wir eine gute Nachricht: Ab morgen geht es wieder aufwärts. Es ist Wintersonnenwende. Die Tage werden länger. Die Sonne wird euch schon bald früher aus dem Bett küssen und euch am Abend länger auf dem Balkon becircen.

Frau auf Balkon stehend, blickt in Sonne

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Aber bis ihr davon wirklich etwas bemerkt, müsst ihr euch noch ein paar Tage gedulden. Bis zum Jahresende passiert erst mal wenig. Sehr wenig. Beispiel gefällig? In Köln geht heute die Sonne um 08:31 Uhr auf und um 16:26 Uhr unter, in Berlin um 8:14 Uhr auf und gar schon um 15:52 Uhr unter.

Bis Silvester kriecht die Sonne nur im Schneckentempo auf die Nordhalbkugel zurück. Mehr als zehn Minuten mehr Tageslicht ist für uns bis zum Jahreswechsel nicht drin. Interessant dabei allerdings: Ihr werdet es am ehesten am Nachmittag merken; dann bleibt es länger hell, während sich morgens die Sonne nur ein paar Minütchen früher blicken lässt. Aber keine Sorge, spätestens in der ersten Januarhälfte nimmt die Sonne Fahrt auf – so könnt ihr im Rheinland Ende Januar schon bis 17:20 Uhr die Sonne genießen.

Blick auf Kölner Dom

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Wintersonnenwende-Feierlichkeiten in Irland und auf Sylt

Davon können freilich andere Regionen auf der Welt nur träumen. Dort ist es derzeit zappenduster. Nördlich des Polarkreises ist von der Sonne im Moment gar nichts zu sehen. Das heißt: In Lappland sowie in den nördlichen Regionen von Kanada, Alaska und Sibirien herrscht aktuell Dunkelheit.  An der Nordspitze Finnlands in Utsjoki zum Beispiel ist aktuell fast zwei Monate lang dunkel.

Anderenorts wiederum wird die Wintersonnenwende gefeiert. Jedes Jahr am 21. Dezember, wenn die Sonne ihre niedrigste Mittagshöhe erreicht, vollzieht sich beispielweise in der ostirischen Grafschaft Meath Irlands ein spektakuläres Lichtspiel. Mit etwas Glück können Besucher dem eindrucksvollen Einsickern des »Lichts der Welt« beiwohnen, das schon vor über 5.000 Jahren Menschen verzückte.

Stonehenge in Irland

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Auch auf Sylt wird der Winter feierlich ausgetrieben. Allerdings erst in zwei Monaten, am 21. Februar. Einheimische und Besucher reihen sich dann in Fackelzüge ein, die von den Dörfern zu einem der neun Biikeplätze führen. Dorfhonoratioren halten dort ihre Reden – traditionell auf Söl’ring, dem Sylter Friesisch, und auf Hochdeutsch. Um die Ursprünge der friesischen Tradition, die auf alten heidnischen Opferfeuern fußt, ranken sich viele unterschiedliche Erzählungen. Eine besagt, dass mit dem Biikebrennen der eisige Winter vertrieben werden soll. Der Winter wird dann symbolisch in Gestalt einer Tonne oder einer Puppe, dem Pidder, auf der Biike verbrannt.

Biikebrennen auf Sylt

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In China und vor allem Taiwan feiern die Einheimischen die Wintersonnenwende mit dem Dongzhi Festival. Dabei geht es aber weniger darum, dass die Tage nun wieder länger werden, sondern eher darum, dass die Ankunft des Winters gefeiert wird. Hat schließlich auch was – vor allem für jene, die den Winter deutlich mehr lieben als den Sommer. Soll es ja auch geben.

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