Der Día del los Muertos ist ein fröhliches Fest: Man soll den Tod mit Humor nehmen und die Angst davor besiegen. Wir verraten euch, wie echte Mexikaner den Día de los Muertos feiern! Text: Susanne Jung

Mittlerweile haben die sogenannten »Sugar Skulls«, also bunt-bemalte Totenköpfe aus Zucker, die ganze Welt erobert. Auch in Deutschland sieht man sie immer öfter als Tattoos oder Faschingskostüme. Dabei wissen viele gar nicht, was es mit dem ungewöhnlichen Kult auf sich hat. Die Skulls gehören zu dem mexikanischen Fest »Día de los Muerto«, welches jährlich am 1. und 2. November gefeiert wird. Anders als an Halloween gibt es allerdings keinen Grund, sich zu fürchten.

Mann und Frau beim Día de los Muertos

Angela Wolz

Die Geschichte der Día de los Muertos

Día de los Muertos geht auf die Azteken zurück. Die glaubten nämlich daran, dass die Verstorbenen zum Ende der Erntezeit aus dem Jenseits zurückkehren und mit den Lebenden ein rauschendes Fest feiern. Als die Spanier Mexiko entdeckten, waren sie von den uralten, makabren Feierlichkeiten nicht gerade beeindruckt. Aus dem vergeblichen Versuch die indigenen Mexikaner zu missionieren, entstand eine außergewöhnliche Mischung aus einheimischen und christlichen Bräuchen.

Das ist auch der Grund dafür, dass Día de los Muertos zur gleichen Zeit wie Allerheiligen und Allerseelen gefeiert wird. Als wäre es eine Hommage an seine bewegte Vergangenheit, lebt das Fest bis heute von der Veränderung. Allein in den letzten hundert Jahren wurde es um zahlreiche Elemente reicher, wie La Catrina oder die Parade in Mexiko-Stadt. 2008 schafften die Día de los Muertos es sogar als erste kulturelle Praxis auf die Liste der Unesco-Weltkulturerbe!

Karneval der Toten: Die schaurig-schöne Día-de-los-Muertos-Parade

Obwohl die große Día-de-los-Muertos-Parade auf der Reforma Avenue erst seit 2016 stattfindet, ist sie nicht mehr aus Mexiko-Stadt wegzudenken. Ein bisschen erinnert sie an unseren Karneval.

Día de los Muertos: bunt bemalte Totenköpfe

Jeremy Iwanga

Verkleidete Fußgruppen tanzen über die Straße oder spielen Instrumente. Manche huldigen mit ihren Outfits den Azteken, wieder andere tragen Blumenkränze und Totenkopfmasken. Eine Gruppe lustiger Gesellen trägt bunte Särge die Straße entlang, während die Besucher ihnen zujubeln.

Natürlich darf auch La Catrina bei der Parade nicht fehlen, die wahrscheinlich meist portraitierte Figur des mexikanischen Totenkults. Die Kreation des Illustrators José Guadalupe Posada ist erst hundert Jahre alt. Mit ihr wollte er verdeutlichen, dass die Gier nach Reichtum im Angesicht der Vergänglichkeit fast lächerlich wirkt. La Catrina ist eine verstorbene High-Society-Dame – ein Skelett in aufwändigen Roben, behangen mit glitzernden Juwelen.

La Catrina Figur Mexiko während Día de los Muertos

Mario Rodriguez

Zum Sterben schön: Das passende Outfit finden

Das Fest der Toten findet nicht nur im Haus, sondern auch auf den Straßen und Friedhöfen statt. Überall leuchten die gelb-roten Studentenblumen, die in Mexiko auch Blumen der Toten genannt werden. Über den Straßen flattern bunte Papiergirlanden namens Papel Picados, in die meist Namen von Verstorbenen eingestanzt werden.

Papel Picados

Carlos Ivan Palacio/Shutterstock.com

Die Mexikaner dekorieren aber nicht nur die Straßen, sondern sie werfen auch sich selbst in Schale. An vielen Orten kann man sich als Sugar Skull oder La Catrina schminken lassen. Zu den kunstvollen Skelett-Gesichtern passen schicke Anzüge und ausladende Kleider. Auch riesige Blumenkränze und große Hüte gehören fest zum Repertoire. Als Accessoires dienen Rasseln, Muscheln oder Glockenarmbänder: Die lauten Geräusche sollen die Toten aufwecken und zum gemeinsamen Fest locken!

Sugar Skulls und Kerzen: Wie die Mexikaner ihren Liebsten gedenken

Natürlich geht es am Día de los Muertos nicht nur um rauschende Feste, sondern auch um eine besinnliche Zeit. Hierzu errichten die Mexikaner Altäre in oder vor ihren Häusern. In der Mitte stehen Bilder oder Portraits der verstorbenen Familienmitglieder, ringsherum knallige Blumen, Kerzen und Kreuze. Ein zentraler Bestandteil des Altars sind die »Ofrendas«. Dabei handelt es sich um Opfergaben, wie zum Beispiel Gegenstände der Verstorbenen, Essen oder Trinken.

Teilnehmer am Día de los Muertos

Loes Kieboom/Shutterstock.com

Auch die berühmten Sugar Skulls dürfen auf keinem Altar fehlen! Obwohl die Schädel ziemlich ulkig aussehen, haben sie eine schaurige Vergangenheit: Die indigenen Völker gruben die Knochen ihrer Verstorbenen aus, säuberten und schmückten sie zum Fest. Danach ging es zurück in die Erde. Da sich diese Art der Ahnenverehrung mit dem christlichen Glauben nicht besonders gut vertrug, entschied man sich dann doch lieber dafür die Totenköpfe aus Zucker herzustellen!

Mit vollem Magen feiert es sich besser: Mexikanische Festessen

Wer sich nicht mit leerem Magen in das Getümmel stürzen möchte, isst ein paar Pan de Muerto. Sie sehen aus wie gezuckerte Pasteten mit einem großen Knochenkreuz aus Teig in der Mitte. Das süße Hefegebäck ist nicht nur der perfekte Snack für Foodies, sondern auch für die Verstorbenen: Oft liegen die Pan de Muerto als Gaben auf den Altären.  Auch Tamales, leckere gefüllte Teigtaschen,  die dunkle Schokosoße namens »Mole«, oder »Sopa Azteca«, eine scharfe Maissuppe mit Avocado und Chilli, gehören beim Día de los Muertos dazu.

Tamales in Mexiko

Marcos Castillo/Shutterstock.com

Zum Trinken wird »Champurrado«, ein traditionell mexikanischer Kakao gereicht. Die dickflüssige heiße Schokolade wird mit Zimt, Anis und Maismehl zubereitet. Auch »Atole de Vainilla« ist ein beliebtes Feiertags-Getränk. Bereits die Azteken genossen die warme Milch mit Vanille und Maismehl.

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