Erst zehn Minuten auf der Nordfrieseninsel und schon setzt sich die ehemalige Olympiasiegerin Franziska van Almsick an den Nachbartisch – unmittelbar ans Fens­ter. Was sagt uns das? Genau: »Sehen und gesehen werden« heißt auch heute noch die Devise. Warum auch nicht. Es bleibt eine 99,14 Quadratkilometer große VIP-Zone, glamouröse Promi-Insel, Schickimicki-Eiland. Warum so hochgestochen? Um Sylt zu beschreiben, reichen doch fünf Buchstaben: s-c-h-ö-n. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Egal, in welche Richtung sich der Kellner bewegt, er tritt garantiert jemandem auf die Füße. Und so wird es auch seinen gefühlten 20 Kollegen ergehen, die sich Teller schleppend durch die Menge an wartenden Gästen vorbeimanövrieren. Es ist später Nachmittag im Oktober in der Sansibar. Eine Strandbude des Erfolgs. Die Frage, wie es wohl zwischen 19 und 20 Uhr hier zugehen mag, will man in Anbetracht der Lage gar nicht erst aufwerfen. Aber es soll Tage geben, da wird der Parkplatz bereits um 13 Uhr wegen Überfüllung geschlossen.

 

 

Beim ersten Sansibar-Besuch sollte man nicht vor der Tischbesetzung und Speisekartenbe­guckung aufgeben. Also heißt es, nach der Geduld fahnden und die wartende Konkurrenz im richtigen Moment zur Seite drängen. Währenddessen kann man sich der Frage nicht erwehren, was die Bretterbude in Rantum eigentlich zu so einer Goldgrube macht. Ist es die legendäre Currywurst? Ist es Patron Herbert Seckler persönlich oder sind es seine Gäste? Angeblich werden Filmstars, Wirtschaftsbosse und Oma Erna vom Chef gleich behandelt. Dafür sei er bekannt.

Und tatsächlich, alle Vorurteile werden durch simples Können beiseitegeschoben. Der Kellner sieht  zwar aus wie ein gegelter Schnösel, entpuppt sich aber als überaus freundlich, zügig und kompetent. Und das Abendessen? Die Weinkarte zählt 1.000 Positionen – da meckern einige, wegen Überforderung. Die Scampi-Pfanne für 28 Euro ist eine ordentliche Männerportion, die hervorragend schmeckt, und das bei einer derart ausgelasteten Küche.

 

 

Das weiß auch Franziska van Almsick, sicherlich ist das der Grund für ihr Kommen. Ob sie auch so lange auf einen Tisch gewartet hat? Sansibar, der Promitreff, die Merchandising-Hütte. Ach, warum so abwertend? Man kann es auch simpel mit sechs Buchstaben beschreiben: l-e-c-k-e-r.

Schritt für Schritt gen Ellbogen

Spaziergänge sind ein Kindheitsfluch. Wahrscheinlich ergibt sich daraus eine lebenslange Abneigung gegen das »Beinevertreten«, welches gerne am Sonntag und zudem auf derselben Strecke stattgefunden hat.

»Wäre es das Morsumer-Kliff vor meiner Haustüre, dann würde ich mir die Couch auf die Wiese stellen«,

sagt ein älterer Herr, der zu einem perfekten Zeitpunkt (rein lichttechnisch) eine Schönheit bewundert, die sich  just in diesem Moment von ihrer schönsten Farbenpracht zeigt. Bei diesem Anblick würden selbst Kinder in mundoffenes Staunen verfallen. Lust macht das auf ein Spaziergang. Auch bestens dafür geeignet: der Lister Ellbogen. Wie wäre es mit  Wettwandern zum nördlichsten Punkt Deutschlands? Geschichten erfinden Schritt für Schritt gen Leuchtturm und eventuell Muscheln sammeln und dabei Möwen beobachten? Das macht garantiert bummelnde Kinder munter. Wenn für alle am Ende auch noch eine Belohnung am Lister Hafendeck winkt, wird »das Beinevertreten« zu einer sorglosen Angelegenheit.

Fischbrötchen essen bei Gosch auf sylt

Stockcreations/Shutterstock.com

Während die Eltern Fischbrötchen bei Gosch genießen oder ein paar Schritte weiter bei Dittmeyer’s Austern Compagnie eine »Sylter Royal« schlürfen, springen die Kinder sich müde auf dem Bungee-Trampolin. Zahlreiche Erlebnisse also, die es am Abend dann zu verarbeiten gilt, denn der Lister Ellbogen ist durchaus bekannt als Naturspektakel, als Augenweide, als der schönste Ellbogen Deutschlands. Eigentlich reicht ein Wort mit zehn Buchstaben:  e-i-n-z-i-g-a-r-t-i-g.

Die Sonne will gerade untergehen und es wird Zeit, sich ein entspanntes Plätzchen zu suchen. Immerhin war es ein anstrengender Einkaufsbummel, der als solches nicht geplant war. Kampen, das sind hochwertige Boutiquen in niedlichen reetgedeckten Friesenhäusern, das sind die gastronomische Whisky-Meile und die Geschichten von prügelnden bekannten Sportmanagern und deren berühmten Ex-Lebensgefährtinnen. Doch das 600-Einwohner-Dorf Kampen ist weitaus mehr als das.

Das Haus Kliffende hat schon lange VIP-Status

Früher war es Anziehungspunkt für Künstler und Literaten. Das »Haus Kliffende« beispielsweise war gern gebuchtes Quartier von Thomas Mann oder Emil Nolde. Sozusagen der Beginn der Promikultur im Dorf. Dann kamen die FKK-Zeiten und die Berichterstattung über das Nacktbaden an Buhne 16. Und schon galt Sylt in der Wahrnehmung Restdeutschlands als leicht verrucht. Doch Kampen ist auch Uwe-Düne – die  höchste Erhebung der Insel und nur 300 Meter vom beeindruckenden Roten Kliff entfernt.

Düne Uwe erklimmen und Aussicht genießen, Sylt

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Spätestens hier wundert es niemanden, dass dieser Ort VIP-Status erreicht hat. Und zum Ausklang des Abends eignen sich »Dorfkrug«, der zurzeit die Salatdressings in deutschen Haushalten revolutioniert und jetzt noch begehrter ist als je zuvor (bedeutet Tisch reservieren oder sehr früh essen gehen), oder die »Sturmhaube« mit Meerblick. Und wenn man eben dort während der Dämmerung im Strandkorb sitzt und das Terrain durch Fackeln und Kerzen beleuchtet wird, dazu ein exzellentes Matjes­tartar, gefolgt von kross gebratenen Ochsenbäckchen, serviert wird, dann kann man den romantischen Abend mit nur sieben Buchstaben beschreiben: p-e-r-f-e-k-t.

Auf zum Nordseepflichtprogramm

Vorbereitung ist alles. Deswegen dürfen die Windjacke und die kniehohen Gummistiefel nicht fehlen. Es geht nämlich in den grün-braunen Schlick, der weitaus spannender sein soll als sein unscheinbares Erscheinungsbild – eine Wanderung im Watt. Nordseepflichtprogramm. Guide Werner scheint ein eingebautes Navigationssystem für Wattfunde zu haben. Er redet über Pantoffelschnecken, beantwortet drei Fragen, bückt sich und findet eine. Schon faszinierend. Ähnlich wie die Tiere, die 1934 (ja, das weiß Werner ganz genau!) aus den USA über die Niederlande ins nordfriesische Wattenmeer kamen. Steven, der kleinste Teilnehmer der zweistündigen Wattwanderung, zeigt sich am Anfang wenig begeistert. Doch mit den durchsichtigen Krabben, die eigentlich Garnelen heißen, und den verbuddelten Muscheln kommt das Interesse immer mehr. An Ende ist Steven derjenige, der sich traut, den Krebs am Panzer zu packen und ihn in die Luft zu halten, und sein Gesichtsausdruck zeigt mehr, als Worte es könnten, wie sehr ihm dieser Ausflug Spaß macht.

Ungeahnte winzige Wattbewohner, Postkartenidylle, Naturspektakel, Traumstrände, Surfweltmeisterschaften, Sternegastronomie. Ach, Sylt hat so viele Attribute. Eigentlich reicht doch eins mit zehn Buchstaben: w-e-l-t-k-l-a-s-s-e.

 

Anreise. Es gibt innerdeutsche Direktverbindungen von folgenden Flughäfen: Berlin/Tegel, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln/Bonn, München, Münster/Osnabrück und  Stuttgart, www.flughafen-sylt.de
Empfehlenswert ist eine Anreise mit dem Auto, um sich auf der Insel fortzubewegen. Sylt Shuttle, der Autozug, www.bahn.de/syltshuttle

Hotel. Modernes Design und aufmerksamen Service bietet das Budersand Hotel – Golf & Spa in Rantum.  www.budersand.de

Sansibar. Rantum, Strand Sansibar, Tel.: 04651 964646, www.sansibar.de
Strumhaube. Kampen, Riperstieg 1, Tel.: 04651 995940, www.sturmhaube.de

Info. Reichlich Informationen zur Insel bietet die Webseite von Sylt Marketing, www.sylt.de

 

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