Thailand lockt mit tollen Nationalparks. Auf einer Trekkingtour durch den Dschungel erlebt man Abenteuerliches – zu Land, zu Wasser und auf dem Elefanten. Ein Urlaub mit exotischer Note! Text: Ulrike Klaas

Ab wann darf man sagen: »Ich habe ein Abenteuer erlebt«?

Wenn man das gewohnte Umfeld verlässt, um etwas Riskantes zu unternehmen, bei dem der Ausgang ungewiss ist, sagt die Definition. Aha! Dann gilt eine Trekkingtour in Thailands Nationalparks wohl als Abenteuer! Warum? Ungewohnt sind die spärlichen Bambushütten, in denen man übernachtet. Ungewöhnlich ist es auch, dass man sich den Weg zwischen Lianen und anderem Gestrüpp mit einer Machete frei schlagen muss. Das kommt in unseren heimischen Wäldern eher selten vor. Somit habe ich auch das gewohnte Umfeld verlassen.

Jennifer Latuperisa-Andresen

Dazu gehört wohl auch, dass der gewöhnungsbedürftig schaukelnde Rücken eines Elefanten den bequemen anschmiegsamen Autositz ersetzt. Riskant ist zweifellos der matschige Boden, der so glitschig ist, dass es fast einfacher scheint, in Bowling-Schuhen eine Eisfläche zu überqueren. Durchaus riskant sind auch das Schwimmen mit Wasserschlangen, oder Blutegel, die sich an der Haut festsaugen wie ein Staubsauger am Badezimmerteppich. Nur keine Panik! Denn wie viel Abenteuer man erleben möchte, liegt in den eigenen Händen. So gibt es verschieden lange Touren für verschiedene Ansprüche: Eintagestouren, wo die Gruppen im Dschungel »nur« wandern oder Drei- bis Fünftagestouren, bei denen ein Elefantenritt, eine geruhsame Flussfahrt auf Bambusflößen oder wahlweise ein richtig wilder Rafting-Trip und natürlich Trekking auf dem Programm stehen.

Khao-Yai-Nationalpark

Für die 33-jährige Carla Kaiser war der Trekkingtag mit Übernachtung im Khao-Yai-Nationalpark »ein wirkliches Erlebnis«, allerdings war ihr der eine Tag im Dschungel »Abenteuer genug«. »Bei blutigen Kadavern am Wegesrand und Krallenspuren von Tigern in der Rinde der Bäume wurde mir schon etwas mulmig«, erzählt die Fotografin. Der Weg durch den Dschungel führte streckenweise dahin, wo vorher noch niemand gegangen war, sodass ihr weiblicher Guide Nan den Weg teilweise mit der Machete frei schlagen musste. »Am schwierigsten war es aber, auf dem schlammigen Boden zu gehen.« Eines steht fest: Bei der nächsten Trekkingtour zieht sie Schuhe mit Profil an. Ihre Turnschuhe waren da weniger geeignet und landeten schlammverkrustet nach der Wanderung im Müll. Richtig ins Schwärmen gerät sie bei der Tierwelt: »So viele verschiedene Vögel habe ich noch nirgends gesehen. Am spaßigsten fand ich die schwarz-gelben Nashornvögel, weil die so brummende Geräusche von sich gegeben haben.« Außerdem seien dort handgroße bunte Schmetterlinge herumgeflattert, oder vor den Füßen sei auch mal eine Raupe so dick wie ein Schal herumgekrochen.

Jennifer Latuperisa-Andresen

Eine Millionen Fledermäuse sind hier daheim

Spannend wurde es zur Abenddämmerung, wenn die Fledermäuse aus der einzigen Höhle des Parks geflogen kamen. »Das waren so viele, dass der Schwarm aussah wie eine große schwarze Wolke.« Rund eine Million Fledermäuse leben in der Höhle am Rande des Khao-Yai-Nationalparks. Der erste Park seiner Art, den König Bhumibol 1962 eröffnete, ist einer von 148 Nationalparks, die sich gleichmäßig auf ganz Thailand verteilen. Rund 125 Kilometer nordöstlich von Bangkok gelegen, misst der Park 218.400 Hektar. Üppig und vielfältig sind die Adjektive, die auf Khao Yai zutreffen. Immergrüne Trocken-, Regen- und Nebelwälder wechseln sich mit Graslandschaften ab. Über 2.000 Pflanzenarten finden sich dort wie Feigen, Farne, Lianen und Rattanpalmen. Die Vegetation bietet Platz für 70 Säugetrierarten und 320 Vogelarten. Vom asiatischen Elefanten über indonesischen Tiger, Gibbons, Hirsche und Wildschweine bis hin zu Nashornvögeln. Und es gibt spektakuläre Wasserfälle, die nicht nur einen Sprung ins kalte Nass garantieren, sondern auch den ein oder anderen Überraschungsmoment in petto haben wie das plötzliche Auftauchen einer Wasserschlange. »Erst dachte ich, das ist ein Ast, aber als der sich dann bewegte, hab ich mich schnell davongemacht«, erzählt Lena Döring.

Jennifer Latuperisa-Andresen

Doi-Inthanon-Nationalpark

Allerdings hat die 25-jährige Studentin nicht im Khao-Yai-Nationalpark Bekanntschaft mit den Wasserschlangen gemacht, sondern im Doi-Inthanon-Nationalpark. Als sie im vergangenen Jahr mit ihrem Freund in Thailand umherreiste, wanderten sie auch drei Tage durch den Nationalpark im Norden des Landes, der mit dem 2.565 Meter hohen Doi Inthanon nicht nur den höchsten Gipfel Thailands zu verzeichnen hat, sondern auch eine höchst ungewöhnliche Vegetation. Neben feuchtem Regenwald stehen dort Eichen und Kiefern, also Arten, die man im Dschungel von Thailand eher nicht vermuten würde. Das kommt durch die Höhenlage, die für kühlere Temperaturen sorgt. Neben Trekkingschuhen gehören auch Toilettenpapier und eine Taschenlampe zum Equipment. »Man läuft durch den Dschungel, übernachtet bei einem Bergvolk in einfachen Bambushütten auf Stelzen und reitet auf Elefanten so schmale Pfade entlang, dass man meint, da kommen die nie durch«, beschreibt die Studentin ihren Dschungeltrip.

OctoberSonata/Shutterstock.com

Eine Nacht verbrachte die Trekkinggruppe bei dem Bergvolk der Padaung, einer speziellen Gruppe von Karen (zu dem Stamm der Karen gehören insgesamt 300.000 Menschen), die vor allem wegen ihrer Frauen berühmt sind. Sie tragen goldene Metallringe um ihre Hälse. Je älter die Frauen, desto mehr Ringe sind es. »Die Frauen sahen wirklich exotisch aus, fast wie Giraffenhalsfrauen.« Der Elefantenritt barg ebenfalls eine Überraschung, denn Elefanten sind beharrt, zwar sehr spärlich, aber die Haare sind umso stacheliger. Somit ein Muss: Lange Hosen! Die schützen vor den Borsten, aber auch vor Schmarotzern: »Blutegel fallen von den Bäumen, saugen sich an Rücken, Beinen und Armen fest, und wenn man sie dann abzieht, blutet die Wunde stark. Also besser keine weißen Sachen anziehen«, rät Lena Döring.

Nach dem schaukelnden Elefantenrücken kommt am nächsten Tag das noch wackeligere Bambusfloß, auf dem es stehend flussabwärts geht. Nach zweieinhalb Stunden und diversen Beinahe-Kollisionen mit Felsen seien sie dann zur Sammelstelle gekommen, erzählt die Studentin. Ihr Fazit: »Nicht ganz ungefährlich das Ganze, vor allem der Rafting-Trip, aber die Tour ist abwechslungsreich und abenteuerlich. Ich habe Tiere und Landschaften gesehen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt habe.«

Wie war gleich die Definition von Abenteuer? Etwas Riskantes mit ungewissem Ausgang? Dann ist Trekking in Thailands Nationalparks wohl eher ein wohldosiertes Abenteuer, denn nicht zuletzt sorgen die Guides dafür, dass der Ausgang des Abenteuers gewiss ist. Der da wäre: Alle verlassen quietschfidel und voller Eindrücke den Park mit der für sie perfekten Portion erlebtem Abenteuer im Gepäck!

Anreise. Thai Airways fliegt täglich ab Frankfurt a. M. und München nach Bangkok. www.thai-airways.de.Der Khao-Yai-Park-liegt rund 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernt und ist gut mit Bus oder Bahn erreichbar. Rund 700 Kilometer liegen zwischen Bangkok und dem Doi-Inthanon-Park. Mit dem Bus braucht man neun Stunden, allerdings besteht die Möglichkeit mit Thai International und Bangkok Airways Chiang Mai zu erreichen. Ab Flughafen dann mit einem Taxi weiter.

Mitnehmen. Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen, Mücken- und Sonnenschutz, Malaria-Prophylaxe, Regenjacke (nur für die Zeit zwischen Juni bis Oktober)

Infos. Über das Thailändische Fremdenverkehrsamt, Bethmannstr. 58, 60311 Frankfurt a. M., Tel.: 069 1381390, www.thailandtourismus.de

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