Aufgrund des milden Klimas, auch während der Wintermonate, ist Andalusien mit seinen langen Sandstränden, kulturhistorisch spannenden Orten und sehenswerten Großstädten ein attraktives Reiseziel. Und das das ganze Jahr über. Allen voran die Hauptstadt Sevilla. Warum? Wir verraten euch, was es in Sevilla zu sehen gibt.

Giralda und die Kathedrale

Der Glockenturm Giralda gilt als das Wahrzeichen Sevillas – und das nicht nur wegen der ungewöhnlichen Architektur. Denn der Turm war einst das Minarett einer Moschee aus dem Jahr 1184. Von der Moschee ist leider nur noch der Turm übrig geblieben, den die Christen nach der Rückeroberung stehen ließen, jedoch mit einem katholischen Häubchen ergänzten. So wurde der Turm noch höher – und darum ging es auch beim Bau der Kathedrale.

Große Kathedrale mit quadratischem Turm

Renata Sedmakova/Shutterstock.com

Sie solle so groß und eindrucksvoll sein, dass ein Jeder die Domherren von 1401 für verrückt erklären würde. Noch heute ist die Kathedrale Santa Maria die größte gotische Kirche der Welt. Auch von innen ist das Bauwerk ein echtes Prunkstück. Riesige Säulen, überall glänzt das Gold und wunderschöne Fenster. Möchte man die siebzehn Stockwerke des Glockenturms erklingen, wird man oben mit einem herrschaftlichen Blick über Sevilla belohnt. Übrigens: In der Kathedrale liegen fünfzehn Prozent der Gebeine des Abenteurers Christoph Kolumbus.

Interessant ist auch der Besuch der Erlöserkirche. Sie ist das zweitbedeutendste Kirchengebäude in Sevilla nach der Kathedrale. Empfehlenswert ist die Teilnahme an einen der geführten Rundgänge. Dabei wird Teilnehmern der imposante Innenhof mit Orangenbäumen, die Krypta, das Dach und die Gebetskapelle von Nuestra Señora de las Aguas gezeigt.

Plaza de España – wahrhaft traumhaft

Der aus Sevilla stammende großartige Architekt Aníbal González entwarf mit dem Plaza de España sein wohl großartigstes Gebäude. Umgeben von einem Kanal und eingerahmt vom Parque de María Luisa ist es ein Ort zum Träumen.

Man knann mit einem kleinen Boot auf dem Kanal an dem eindrucksvollen Gebäude entlangschippern oder die Ruhe des Parks genießen. Doch auch das Gebäude sollte man sich ansehen. Denn es vereint nicht nur die verschiedensten spanischen Stilelemente, auch viele sehenswerte Details sind zu entdecken. Wie zum Beispiel die bunten Kachelbänke, die jeweils die geschichtlichen Höhepunkte der Provinzen zeigen. Es gibt insgesamt fünfzig Kachelbilder zu entdecken! Genau hinsehen lohnt sich also.

Großer Palast mit türkisem Kanal und glanzvoller Brücke.

Tono Balaguer/Shutterstock.com

Bis zum Morgen tanzen – Alameda de Hercules

Gar nicht weit, ein paar hundert Meter abseits des Touristen-Getümmels gewährt das Viertel Alameda de Hercules einen Einblick in das »echte Sevilla«. Das einst verrufene Viertel entwickelte sich mit den Jahren zum Szeneviertel, zur Alternativkultur. Tagsüber gibt es für manch einen, der mit dem Zentrum Sevillas vergleicht, wenig zu sehen. Kleine Cafés, alternative Restaurants, Handwerksbetriebe und Krämerläden. Kinder spielen Fußball, Einheimische sitzen in den Lokalen. Abends entpuppt sich das Viertel zum echten Ausgehparadies. Es wird getanzt bis der Morgen einbricht, Einheimische und Touristen gemeinsam.

Flamengo-Tänzerinnen in Sevilla

Stéphan Valentin

Wer also eine Auszeit vom Sightseeing möchte, und in das echtere Leben Sevillas eintauchen möchte, der sollte ab zwanzig Uhr nach Alameda de Hercules.

Reales Alcázar – der Königspalast

Betritt man die älteste Königsresidenz Europas, befindet man sich in einem orientalischen Traum. Unzählige Marmorsäulen, edle Kachelmosaike, Kuppeln und Bögen. Im Mittelpunkt natürlich ein herrlicher Garten mit den schönsten Pflanzen. Das verblüffende an dem orientalischen Palast ist: Er stammt aus christlicher Zeit. Der Liebhaber islamischer Kunst, Pedro I., ließ die Residenz 1364 erbauen. Die Grundsteine der Festung legten allerdings bereits die Mauren im Jahr 913. Der Palast gilt damit als die älteste Königsresidenz Europas und wird noch heute von spanischen Königen genutzt.

Palast mit arabschen Akzenten und Innenhof mit Garten.

Visual Intermezzo/Shutterstock.com

Ein solcher Palast mit solch einer außergewöhnlichen Anmutung zieht selbstverständlich unzählige Besucher an. Früh morgens, wenn die Gruppen das Gebäude strömen, sollte man erst einmal ganz durch zu den Gärten. Dort kann man die Schönheit und die Ruhe relativ ungestört genießen. Den Rest einfach danach ansehen. Tipp: Studentenausweis mitnehmen lohnt sich. Zwischen April und Oktober werden auch Nacht-Führungen durch den Alcázar angeboten.

Seit einigen Jahren kann man auch die Casa Palacio de Las Dueñas, die sevillanische Residenz des XIX. Herzogs von Alba, besuchen. Der Palacio de Las Dueñas, der seinen Namen vom verschwundenen Kloster Santa María de Las Dueñas erhielt, bietet einen Einblick in das künstlerisch Mäzenatentum des Hauses Alba sowie die pittoresken Innenhöfe und Gärten.

Metropol Parasol: Über die Setas de Sevilla flanieren

Als der Metropol Parasol 2011 fertiggestellt wurde, staunten die Bewohner und Touristen nicht schlecht: Das auf dem Plaza de la Encarnación errichtete Komplex aus Holz, Beton und Stahl ist ein architektonisches Wunderwerk. Nicht wenigen in Sevilla gilt das Gebäude heute als das neue Wahrzeichen der Stadt. Die geschwungene Oberfläche mit ihrem pilzartigen Holzgebilde beherbergt eine Markthalle, mehrere Bars und das Antiquarium, ein archäologisches Museum. Ein tolles Erlebnis ist es, den Setas de Sevilla (Pilzen von Sevilla) über das geschwungene Fußgängerwegesystem aufs Dach zu steigen.

Touristen auf der Space Metropol Parasol in Sevilla

LucVi/Shutterstock.com

Santa Cruz und La Macarena

Wie die so viele Städte Andalusiens hat selbstverständlich auch Sevilla eine wunderschöne Altstadt. Auch hier unser Tipp: Einfach schlendern und treiben lassen. Die kleine Gasse links sieht irgendwie interessanter aus als der Hauptweg? Nichts wie abbiegen! Das kleine Café an der Ecke sieht uriger aus als das im Reiseführer empfohlene? Rein da! So wird die Erkundung der schönen kleinen Straßen mit unzähligen Balkons und bunten Häusern zur ganz persönlichen Entdeckungstour.

Bei einer Stadttour durch Santa Cruz darf eines nicht fehlen: Tapas. Die Sevillianos lieben ihre kleinen Häppchen aus Krabben, Schinken und Allerlei. Am liebsten abends mit Freunden und einem leckeren Bier oder Sangria. Dann liegen auf den Böden der Bars Zahnstocher, Olivenkerne und Schalen. Da hats wohl geschmeckt!

Tapas

Rawpixel

Zur Flamenco-Show ins Távora Teatro Abierto

Sevilla und Flamenco – das gehört zusammen wie die Lederhose zu Bayern. Sevilla ist die Wiege und die Stadt des Flamencos schlechthin. In der Stadt kann man die Darstellung des Gesangs und des Tanzes in all seinen Facetten genießen. Allen voran in den »Tablaos«, den Bühnen der Stadtteile, und in vielen anderen Restaurants und Bars, wo Tänzer und Tänzerinnen ihr Können präsentieren.

Flamenco-Tänzerbeine auf der Bühne

Anna55555/Shutterstock.com

Der Flamenco und Stierkämpfer Salvador Távora erzählt seit 1996 die Geschichte der Flamencotänzerin Carmen – ein stimmungsvolles Drama voller Liebe und Leidenschaft. Nachdem das Werk über 20 Jahre lang auf der ganzen Welt aufgeführt wurde, ist es nun einmal in der Woche, immer samstags, im Theater Távora Teatro Abierto im Stadtteil Cerro del Águila zu sehen. Die Show zeigt die andalusische Flamenco-Identität in all ihren Facetten: Tanz und Gesang, Gitarrenspieler und Live-Musik vereinen sich zu einer großartigen visuellen, musikalischen und emotionsgeladenen Aufführung. Zwei Ticket-Arten gibt es im Angebot: Ein Komplettpaket, das den Transfer von der alten Tabakfabrik zum Theater, die Führung während der Tour und die Show umfasst oder nur das Ticket für den Theaterbesuch.

Ab ins Kloster!

Der Besuch eines Klosters ist ein besonderes Ereignis. Seit jeher gelten sie als Stätte von Bildung, Wissenschaft sowie innovativen Erkenntnissen, oftmals garniert mit architektonischen Kostbarkeiten und weitläufigen Gartenanlagen. In und um Sevilla gibt es einige Klöster, die man besuchen kann. Ende 2019 wurde dazu das Programm Conventum aufgelegt – eine neue Art, die Klöster von Sevilla zu besuchen und kennenzulernen. Ziel ist es, Touristen (aber natürlich auch Bürgern) einen näheren Einblick in die monistische Welt zu gewähren, um ihnen die Hinterlassenschaften, Lebensweise und Spiritualität der Klöster aus erster Hand zu zeigen. Neben Führungen kann man auch an einer Messe teilnehmen. Einige Klöster bieten sogar Snacks in Form von Frühstück, Verkostung von Kloster-Produkten oder anderen Kulinarik-Erlebnissen an. Besucht werden können etwa das Convento del Santo Angel, Convento de Santa Paula und Convento de Pozo Santo.

Museo de Bellas Artes und Museo de Baile Flamenco

Erste Anlaufstation für Kunstliebhaber ist das Museo de Bellas Artes, wo in 14 Räumen Gemälde und Skulpturen des XV. Jahrhunderts bis hin zu milieutypischen, sevillanischen Malereien des XX. Jahrhunderts präsentiert werden, darunter Werke von Künstlern wie beispielsweise El Greco, Pacheco, Velázquez und Alonso Cano.

Um die Herkunft, Geschichte und Entwicklung des Flamenco kennenzulernen, gibt es nichts Besseres, als das Museo de Baile Flamenco zu besuchen. Besucher können sich hier auch eine Flamenco-Vorstellung ansehen und sogar selbst an einem Flamenco-Kurs teilnehmen.

Was für die kleinen Besucher: der Themenpark Isla Mágica

Nur wenige Meter von der Altstadt, am Ufer des Guadalquivir, entführt ein Themenpark der besonderen Art in andere Welten. Kinder und Kindgebliebene vergessen im Isla Mágica die Wirklichkeit und treffen auf eine Zeit des 16. Jahrhunderts, in der es von Rittern und Gauklern nur so wimmelt. Doch die sieben Themenwelten (Sevilla Puerto de Indias, Eingangstor nach Amerika, Löwengrube der Piraten, Amazonas, Jungbrunnen, El Dorado und Agua Mágica) haben noch mehr zu bieten: Piratenschiffe, eine Dschungelwelt, Achterbahnen und einen Wasserpark. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues, etwas Magisches zu erleben.

Das Aquarium von Sevilla dagegen zeigt in 35 Aquarien rund 7.000 Meeresbewohner – und ist besonders bei Familien beliebt. Das Areal ist in fünf Themenbereiche unterteilt (Guadalquivir, Atlantischer Ozean, Amazonasgebiet, Pazifik und Indischer Ozean) und bildet die Reise des Magellan ab, der 1519 um die Welt gesegelt war. Eine der größten Attraktionen ist das neun Meter tiefe und zwei Millionen Liter Wasser fassende Haifischbecken. Darin befinden sich zwei der größten Wassertiere des Aquariums, zwei Bullenhaie.

Mann und Kind im Aquarium Sevilla

Anibal Trejo/Shutterstock.com

Anreise nach Sevilla mit dem Flugzeug und der Bahn

Anreise. Wer nicht gerade aus einer anderen andalusischen Traumstadt kommt, der reist sicherlich mit dem Flugzeug an. Der Flughafen Sevilla-San Pablo (SVQ) ist nur zehn Kilometer vom Zentrum entfernt. Mit dem Bus fährt man rund dreißig Minuten bis zum Bahnhof Plaza de Armas. Die Fahrt mit dem Taxi dauert ca. 15 Minuten und kostet rund 25 Euro.

Wer mit dem Zug anreist, dessen Ziel ist der Bahnhof Sevilla-Santa Justa. Der Bahnhof ist an das Hochgeschwindigkeitsnetz der spanischen (AVE) angeschlossen und verbindet Sevilla mit vielen spanischen Städten. Von Madrid ist man 2:30 Stunden unterwegs, von Córdoba 40 Minuten, von Málaga knapp zwei Stunden und von Barcelona mehr als fünf Stunden. Vom Regionalbahnhof Prado de San Sebastián fahren Züge zu Zielen der Umgebung, unter anderem nach Ronda, Cádiz, an die Costa Gaditana.