Wenn wir schon über Weihnachten nicht verreisen können, dann machen wir es uns wenigstens auf der Couch gemütlich und schalten den Fernseher an. Tibet bereisen mit Popcorn auf dem Schoß, die Wälder Kanadas mit einer Tüte Chips und die Hügel der Toskana betrachten mit einem Glas Rotwein in der Hand. Das wäre zumindest unsere Empfehlung. Und die Filme? Die sind garantiert alle gut.

China – Tiger & Dragon – 2001

Unser erst Tipp in der Rubrik Reisefilme führt nach China. Ang Lees Meisterwerk, oder sagen wir, Martial-Arts-Fabel, um zwei Liebende, ein verschwundenes Schwert und den Diebstahl eines Elfenbeinkamms spielt in der Qing-Dynastie im 19. Jahrhundert in China.

Und doch fühlt sich die Geschichte viel, viel älter an. Sie scheint in einer unbestimmten, gemalten Vergangenheit inszeniert, mit einem wimmelnden Hinterland mongolischer Invasoren und einer herzzerreißend romantischen Schlussszene, die Stufen zeigt, die einen bewaldeten, moosbewachsenen Berg hinauf zu einem alterslosen Tempel führen.

Die Figuren schweben buchstäblich, wenn sie sich im Kampf befinden (die Schauspieler wurden beängstigend hoch an Drähten aufgehängt), Seidengewänder wehen, und was wir unter ihnen sehen und hören, lässt uns zucken, um dabei zu sein: rosa pochende Kirschblüten, das Pfeifen von Kämpfern in weiten Wäldern, Pferde, die durch die Wüste Gobi reiten. Papierlaternen in der Dämmerung antiker chinesischer Höfe, eine Architektur, die sich im Dämmerlicht wie eine zarte Papierrolle zu entfalten scheint, während Yo-Yo Ma auf der Tonspur sein Cello zum Leben erweckt.

Für Fans von: Matrix, Gladiator und Braveheart

Fazit: Die Special-Effects waren damals sensationell. Wer sich darauf einlässt, wird einen wunderbar spannenden und märchenhaften Abend erleben.


Tibet – Sieben Jahre in Tibet – 1997

Es ist das Jahr 1939, und der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer – gespielt vom jungen Brad Pitt – lässt seine schwangere Frau zurück, um einen der höchsten Gipfel der Erde zu bezwingen. Doch während seiner Expedition bricht der Zweite Weltkrieg aus und eine Rückkehr nach Hause ist schier unmöglich.

Harrer findet Zuflucht in Tibet, wo er damals den jungen Dalai Lama trifft. Eine für ihn lebensverändernde Begegnung und Freundschaft. Denn der arrogante Harrer entwickelt sich zu einem Menschenfreund. Die Geschichte ist gespickt mit wunderbaren Bildern und einer großen Portion Philosophie. Es handelt sich um die wahre Geschichte des Heinrich Harrer, die von Jean-Jacques Annaud brillant verfilmt wurde.

Für Fans von: Der mit dem Wolf tanzt, Kon-Tiki und Everest

Fun Fact: Wegen dieses Films erhielten der Regisseur Jean-Jacques Annaud sowie die Darsteller Brad Pitt, David Thewlis und Jamyang Jamtsho Wangchuk ein lebenslanges Einreiseverbot in die Volksrepublik China. Dabei wurden viele Szenen in British Columbia gedreht. Jean-Jacques Annaud hat wochenlang in der Clearwater Lake Lodge gewohnt, die von dem deutschen Ehepaar Gisela und Bernward Kalbhenn betrieben wird.


Belgien – Brügge sehen … und sterben? – 2008

Für die Menschen in Westdeutschland liegt Brügge ja quasi ums Eck. Und doch wissen viele nicht, wie bezaubernd diese niedliche Stadt ist. Drehbuchautor und Regisseur Martin McDonagh weiß, dass wir alle stillschweigend dasitzen und Brügge als »muss-ich-unbedingt-hin« in unseren Köpfen abspeichern. Seine beiden Antihelden Colin Farrell und Brendan Gleeson – beide weichherzige, dem Untergang geweihte irische Auftragskiller – flanieren durch die mittelalterliche Stadt in Flandern, wo sie auf Anweisungen ihres durchgeknallten, Brügge-fanatischen Chefs (ein grandioser Ralph Fiennes) warten.

Während Farrell von der Stadt wütend gelangweilt ist (Geschichte ist »alles nur ein Haufen Zeug, das schon passiert ist«), ist Gleeson völlig entzückt (»all diese Kanäle und Brücken und gepflasterten Straßen…«). Dabei huscht die Kamera die Grachten und Plätze entlang, gespickt von blutroten winterlichen Sonnenuntergängen über den steinernen Glockentürmen aus dem 13. Jahrhundert. Brügge ist fotogen. Doch der Film zeigt eine noch tiefere Seite der schönen Fassade. Eine Frohlockung und eine wunderbare Mischung aus komischen und tragischen Momenten.

Für Fans von: Pulp Fiction, Snatch und Fargo

Fun-Fact: Der Film erhält zahlreiche Filmzitate. Wer ein Cineast ist, hat vielleicht auch Spaß daran, Bezüge zu anderen Filmen zu erkennen.


Italien – Der talentierte Mr. Ripley – 1999

Das mag verwirrend sein, aber in diesem Film ist Matt Damon der Bösewicht. Und wer das Buch von Patricia Highsmith gelesen hat, wird auch etwas verwirrt sein, denn der Film weicht durchaus von der Romanvorlage ab. Tom Ripley, gespielt von Matt Damon, ist ein amerikanischer Scharlatan, dessen Masche es ist, das Leben seines Opfer zu imitieren. Die Szenerie? Das Italien der späten 1950er Jahre. Eine bildschöne Mischung aus Positano, Procida und Ischia.

Sein Opfer, Dickie Greenleaf (gespielt von Jude Law), ist ein schöner Mann, der das Leben dort in vollen Zügen genießt. Und Tom Ripley will das auch. Alles. Auch Teil dieses italienischen Lebens sein. Er will einen Espresso trinken unter den Zitronenbäumen der Amalfiküste, er will auf dem Motorroller sitzen und die kopfsteingepflasterten Straßen hinunterdüsen, er will dem Klang der Mauersegler und der knarzenden Segelmaste lauschen, während er an den Häfen verweilt. Und der Zuschauer will genau das. Auch Italien riechen, schmecken und sehen. Und sich dabei in etwas Reisesehnsucht verlieren.

Für Fans von: Über den Dächern von Nizza, The Tourist und Ein Offizier und ein Gentleman

Fun Fact: Der Film ist auch eine Hommage an den Jazz. Matt Damon hat für die Rolle Klavier spielen gelernt. Jude Law musste Saxophon spielen lernen.


Griechenland – Mamma Mia – 2008

Ich weiß noch, als ich den Film zum ersten Mal sah. Ich lag in einem Liegestuhl an der Küste von Fethiye in der Türkei, und die Leinwand stand mitten im Meer. Die Kinder saßen im Sand, und die Stimmung war wunderbar. Gegenüber von Fethiye liegt Griechenland, eben dort wo der Film spielt. Und dieses Filmmusical ist mehr als nur eine sonnige Hommage an ABBA. Er verzaubert und überrascht.

Da sind die singenden Schauspieler wie Meryl Streep und Pierce Brosnan. Und da sind die malerischen Drehorte. Der Film spielt auf der fiktiven griechischen Insel Kalokairi, und die Darsteller und die Crew ließen sich auf der Sporaden-Insel Skopelos nieder. Amanda Seyfried (Sophie) und Dominic Cooper (Sky) tummeln sich in unberührten mediterranen Buchten wie dem Kastani Beach. Und die winzige Kapelle der Hochzeit thront tatsächlich über einer 100 Meter hohen Klippenwand im Norden der Insel, 202 Stufen führen zum Gipfel.

Für Fans von: Moulin Rouge, Tatsächlich Liebe oder La La Land

Fazit: Es ist nicht nur ein Frauenfilm. Auch Männer können sich dabei amüsieren. Einfach mal drauf einlassen!


Kanada – Schiffsmeldungen – 2001

Es gibt kaum ein Plätzchen Erde, das mich mehr berührt hat, als Neufundland. Es ist einfach ein bezauberndes, aber auch raues Fleckchen Erde. Beinahe wäre der Film, um den nun geht, hier nicht gedreht worden. Denn John Travolta, der ursprünglich die Hauptrolle im Film haben sollte, wollte, dass im US-Bundesstaat Maine gedreht wird. Das wiederum gefiel der Autorin und Pulitzer-Preis Gewinnerin Annie Proulx überhaupt nicht. Also wurde der (viel bessere Schauspieler, aber leider in Verruf geratene) Kevin Spacey für die Rolle des Quoyle gecastet, und die Dreharbeiten fanden unter anderem in Trinity Bight, Neufundland, und in der Provinz Nova Scotia statt.

Wie Regisseur Lasse Hallström in einem Interview sagte, war der Drehort absolut entscheidend für den Film.

»Man kann den Look von Neufundland und die Inspiration dieses Ortes nicht ersetzen. Es ist ein so großer Teil der Inspiration, diesen Film zu machen … es war die Erfahrung des Lebens,«

sagte er. Das kann ich nur so bestätigen. Und der tragische Film hat auch eine gewisse Schwere, die man durchaus auch mit diesem Fleckchen Erde verbinden kann. Sehnsuchtsorte müssen anscheinend nicht immer sonnig und warm sein.

Für Fans von: Gilbert Grape – irgendwo in Iowa, Gottes Werk und Teufels Beitrag und Maudie