Dome, Burgen, Schlösser, Klöster, Sakralkunst: Für seine hochmittelalterliche Pracht ist Saale-Unstrut bekannt. Doch die Geschichte der Kulturlandschaft zwischen Leipzig und Weimar hat auch eine ganz profane, aber nicht weniger spannende Seite: Industrie. In der Region befand sich der wichtigste Chemiestandort Deutschlands und der größte Schuhproduzent Europas. Und wo heute der größte künstliche See des Landes zur Erholung lädt, klaffte einst ein gigantischer Tagebau. Auf den Spuren der DDR-Industrie.

Schuhmuseum Weißenfels: Tradition der Schuhherstellung

An der Vitrine mit den Schuhen von Basketballstar Dirk Nowitzki in Größe 54 bleiben Besucher meist staunend stehen. Die Promi-Ecke im Schuhmuseum auf Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels mit Schuhwerk von Helmut Kohl, George W. Bush oder Nina Hagen ist ein Publikumsmagnet. Doch der größte Anteil der 400 Paar ausgestellten Schuhe erzählt nicht von Stars, sondern von der langen Tradition der Schuhherstellung in der Stadt an der Saale.

Schuhmuseum Schloss Neu Augustusburg

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Diese Geschichte begann im 12. Jahrhundert mit den ersten Schuhmachern. Wenige Jahrhunderte später forderten bereits die sächsischen Höfe Luxusschuhe in großen Mengen an. Zu DDR-Zeiten war das VEB Schuhkombinat mit rund 30 000 Beschäftigten einer der größten Schuhproduzenten in Europa. Mit der Wende kam das Ende der Massenproduktion. Neben Exemplaren aus den erfolgreichen Jahren, können Besucher im Museum auch völkerkundliches Schuhwerk wie Sandaletten aus der Türkei und Stiefel aus Skandinavien bewundern.

Deutsches Chemie-Museum Merseburg: Geschichte der chemischen Industrie

Auch wenige Kilometer die Saale flussabwärts läutete das Ende der DDR das Ende einer Ära ein. »Leuna«: Bis 1990 war das der Inbegriff für chemische Großindustrie. Zeitweise arbeiteten bis zu 30 000 Menschen an dem Standort südlich von Halle. Im Zweiten Weltkrieg waren die Werke als eine der größten Produktionsstätten synthetischen Benzins – auch »Deutsches Benzin« genannt – von überragender strategischer Bedeutung. Ihre Zerstörung war ein schwerer Schlag.

Kinder im Außenbereich Pfännerhall

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Nach dem Abbau von Industrie- und Chemieanlagen nach der Wende gründete sich ein Verein, der die historischen Geräte vor dem Verfall rettete und restaurierte. Heute sind mehr als 350 dieser Zeitzeugen wie Turbinen, Kompressoren, Pumpen und Kohlewagen im Deutschen Chemie-Museum Merseburg ausgestellt. Eine Ausstellung die einer Zeitreise gleicht und nicht nur für diejenigen interessant ist, die auch selbst gern den Lötkolben mal in der Hand halten.

Herrmannschacht Zeitz: Brikettherstellung

Auch in Zeitz, etwa 40 Kilometer südlich vom Geiseltalsee, kann man auf den Spuren der DDR-Industrie wandeln. Dort steht ein bedeutendes Industriedenkmal aus der Braunkohleära: Der Herrmannschacht ist die älteste erhaltene Brikettfabrik der Welt. Von 1889 bis 1959 wurden hier aus der Kohle der Region unter hohem Druck die energiereichen Presslinge geformt. Schon 1961 wurde die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Seit den 1990er Jahren kümmert sich ein Verein um ihren Erhalt.

Besucherinnen in der rikettfabrik Herrmannsschacht

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Bei Führungen können Gäste zahlreiche Original-Maschinen besichtigen, sich auf dem Lehrpfad durch den eigens angepflanzten Braunkohlenwald über die Entstehung der Braunkohle informieren und in der Ofenausstellung historische Herd- und Ofenmodelle im jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext sehen und verstehen.

Gradierwerk Bad Dürrenberg: Salzgewinnung

Fehlt noch das Salz. Lange bevor die industrielle Gewinnung der Braunkohle in der Region begann, gab es in Bad Dürrenberg, zehn Kilometer südlich von Merseburg, bereits ein florierendes Geschäft mit dem weißen Gold aus der Erde. Mitte des 18. Jahrhunderts stieß Johann Gottfried Borlach in über 200 Metern Tiefe auf eine Solequelle und ließ ein Gradierwerk errichten, um durch Verdunstung Salz zu gewinnen. Über 80 Jahre später entdeckte man die Sole auch für medizinische Anwendungen. Daraus entwickelte sich ein lebhafter Kur- und Badebetrieb. Noch heute wandeln Gäste die Gänge des längsten zusammenhängenden Gradierwerkes Deutschlands entlang, um die wohltuende, salzhaltige Luft tief einzuatmen.

Radfahrerinnen Gradierwerk Bad Dürrenberg

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Und nachdem man in die Industriekultur eingetaucht ist genießt man den Abend am wunderschönen Geiseltalsee bei einem Gläschen Wein. Denn die Region ist auch für ihren exzellenten Weinanbau berühmt. Und das ebenfalls mit langer Tradition. Aber davon erzählen wir ein anderes Mal.

 

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