Wenn ein Fünf-Sterne-Hotel mitten an der prominenten 5th Avenue eröffnet, erwartet man Eleganz. Das Whitby Hotel erfüllte diesen Anspruch von Anfang an mit Bravour. Aber das ist längst nicht alles. Das Designhotel ist voller Magie und Fantasie. Aber warum ist es nach dem Ort benannt ist, wo die literarische Figur Dracula erdacht wurde? Text: Ulrike Klaas

Kunst verlangt Aufmerksamkeit. Es braucht Zeit, die Details zu erfassen. Manchmal ist auch eine Erklärung sinnvoll, denn wer es nicht weiß, mag es auch nicht wahrnehmen. Hätte ich gewusst, dass der massive Tisch im Kaminzimmer das erste Möbelstück war, dass Miteigentümerin und Star-Designerin Kit Kemp damals für das Whitby Hotel kaufte, hätte ich ihn genauer begutachtet. Erst recht, wenn ich gewusst hätte, dass ihn Beine aus Walfischknochen tragen. Doch das war vor dem Check-in. Als ich aus meinem Koffer Sachen gekramt habe und unachtsam auf das teure Stück gelegt habe. Noch bevor ich bemerkte, dass das Whitby Hotel vor Kunst nur so strotzt.

It’s magic!

In der Lobby hält sich dezenter Eichenholzboden im Hintergrund. Nichts lenkt ab von dem bunten Seemannsgarn, das sich unter der Decke zu einem Kunstwerk spannt. Oder den lebensgroßen Steinskulpturen. Oder der alten Standuhr aus Basel, die würdevoll die beiden Aufzüge flankiert. Wer ihr Aufmerksamkeit schenkt, stellt fest: Statt Zeiger gibt ein 3-D-Bildschirm die Zeit an.

Die Lobby des The Whitby Hotels ist ein Kunstwerk

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An den Wänden hängt zeitgenössische Kunst. Hier ein sehr kraftvoll-buntes Bild afrikanischer Frauen, dort ein eher abstraktes Gemälde aus Sätzen. Überall, wo der Blick hinwandert: gerahmte Bilder. Selbst im Aufzug hängt eine Collage, die so voller Impressionen und kleiner Andenken wie Zimmerkarte oder Koffertag ist, dass meine Fahrt in den 14. Stock nicht ausreicht, um sie genau zu studieren. »Step into the magic« – prangt als Titel über der Collage.

Nach allen Regeln der Kunst

Wie passend, dass ein angenehm abgedunkelter Flur mich zu meinem lichtdurchfluteten Eckzimmer mit Balkon führt. Vielleicht um den Sinnen eine kurze Verschnaufpause zu gönnen. Wie eine Art leiser Tusch, um mit dem Öffnen der Zimmertür die Strahlkraft der lichtdurchfluteten Zimmer noch zu verstärken. Bodentiefe Fenster geben einen Ausschnitt der Skyline New Yorks frei. Die Fenster vermitteln die Atmosphäre eines ehemaligen Warenhauses des 19. Jahrhunderts mit ihren Quadraten aus schwarzem Stahl.

Kein Zimmer des The Whitby Hotels gleicht dem anderen

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Außergewöhnliche Kombinationen von Farben und ungewöhnliche Muster und Stoffe fordern das Auge. Eine Leseecke, bestehend aus gut gefülltem Bücherregal, Tischchen und gut gepolstertem Stuhl, bringt Ruhe ins Zimmer. Das Kingsize-Bett mit ausladendem stoff- und musterüberzogenen Rückenteil wirkt so einladend, dass ich mich direkt hineinfallen lasse. Ich schwebe auf Wolken – und bin gleichzeitig heilfroh, dass das Bett nicht mein eigenes ist, denn dann würde ich es wahrscheinlich nur im absoluten Notfall verlassen. Zum Beispiel, um das Bad aus Marmor und Granit aufzusuchen.

Alle 86 Zimmer und Suiten, die sich über 16 Etagen stapeln, sind ein kreatives Wunderland – jedes individuell liebevoll gestaltet. Doch bei aller Kreativität, Kunst, Kombination von Farben und ungewöhnlichen Mustern wirkt das Gesamtkonzept niemals überladen und behält seinen eleganten 5th-Avenue-Charakter. Es ist eine verrückte Mischung aus modernem Design mit englischem Touch und gefüllt mit Liebhaberstücken, die das Whitby einzigartig und urgemütlich erscheinen lassen.

Ein Kunststück up wie down

Verantwortlich für das Design ist wie erwähnt Kit Kemp, die zusammen mit ihrem Mann Tom die Hotelgruppe Firmdale gegründet hat. Die Designgruppe hat ihren Sitz in London, was den modernen englischen Stil des Interieurs erklärt. Fünf der sieben Luxusherbergen befinden sich in England, zwei in New York. Dabei ist das Whitby der jüngste Spross der Firmdale-Familie. Seit März 2017 hat es im ebenso prominenten wie hippen Upper Midtown, im Zentrum Manhattans, eröffnet. Direkt um die Ecke liegen Central Park und Broadway. Auch das MoMa und das Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman sind fußläufig erreichbar. Die große Schwester wächst und gedeiht seit Jahren in Downtown.

Das The Crosby Street Hotel liegt im angesagten Viertel Soho

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Das The Crosby Street Hotel in der gleichnamigen Straße liegt im beeindruckend lässigen Viertel Soho. Wer beide Hotels besucht, wird die Verwandtschaft auf einen Blick feststellen, ist das Crosby Street Hotel doch ein ebensolches verspieltes und zugleich elegantes Wunder-Kunststück. Kein Wunder, dass beide Mitglieder der Design Hotels sind. Es ist die Sammel- und Einrichtungsleidenschaft von Kit Kemp, die fasziniert.

Der britische Einfluss ist stark – in beiden Hotels – ob up- oder downtown. Das fängt im The Whitby Hotel bereits beim Namen an. Whitby ist ein kleines Fischerstädtchen an der Nordostküste Englands, das Bekanntheit erlangte, als Bram Stoker 1890 die Stadt als Inspiration und Kulisse für sein Meistwerk Dracula nutzte. Dennoch kommt auch der New-York-Bezug nicht zu kurz. Neben der Bar mit 30 Meter langer Zinnbar liegt die hübsche mit Glasdach überspannte Orangerie, wo man sämtliche Mahlzeiten des Tages zu sich nehmen kann und deren Wände mit 40 erleuchteten Porzellantellern dekoriert sind, die charakteristische Gebäude und Brücken New Yorks als Motiv haben. Eine wunderbar verrückte Idee – wie das ganze Whitby Hotel. Ob heute Abend im hoteleigenen Kino Dracula läuft?

Info.

Adresse The Whitby Hotel.18 W 56th St, New York, NY 10019, USA. The Crosby Street Hotel, 79 Crosby St, New York, NY 10012, USA.

Preis The Whitby Hotel: DZ ab € 490 die Nacht mit Frühstück. The Crosby Street Hotel: DZ ab € 446 die Nacht mit Frühstück. Buchbar über Design Hotels.

 

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