Ziemlich in der Mitte Finnlands liegt der kleine Ort Vuokatti. So unscheinbar er auf den ersten Blick auf der Landkarte erscheint, so sehr entpuppt er sich bei genauerer Betrachtung als wahres Eldorado für Aktivurlauber. Die sollten aber in jedem Fall kälteresistent sein oder adäquate Kleidung im Koffer haben. Denn hier frönt man vor allem dem Wintersport – mit allem, was dazugehört.

Gerade einmal fünf Millionen Einwohner hat das Land, aber zwei Millionen Saunen. So steht es, schwarz auf weiß, im Bordmagazin von Finnair. Die müssen das ja eigentlich wissen, und, ich nehme es vorweg, es stimmt. Zu einhundert Prozent. Wer jemals auch nur einen Fuß auf finnischen Boden gesetzt hat, der kommt um den Saunagang nicht herum. Das mutet manchmal etwas skurril an, wenn etwa in einem Überlandbus hinten eine verbaut ist oder man sich die Skyline Helsinkis vom Riesenrad aus gegenüber den alten Markthallen schwitzend ansehen kann. Natürlich hat auch fast jedes gewöhnliche Apartment eine eigene Sauna, und wenn nicht, so zumindest eine für das Gemeinwohl auf dem Gelände. Fehlt sie, ist man nicht in Finnland.

Der Winter in Finnland fällt eine Nummer heftiger aus als der in Deutschland

Vuokatti ist deshalb ganz sicherlich Finnland, mein gleichnamiges Hotel hat nämlich gleich zwei Saunen. Eine kleine im Haupthaus und eine, etwas größere und schönere, im Nebengebäude, die man auch ganz privat buchen kann. Ich habe mich seit der Ankunft im Hotel schon darauf gefreut, dass ich abends endlich übertriebene Wärme genießen darf. Vor allem, weil ich keine richtige Winterjacke mein Eigen nenne. Denn ein Winter im hohen Norden ist nicht so ganz vergleichbar mit dem Winter in Deutschland. Mit meinem dicken Parka habe ich jedenfalls noch nicht gefroren, vielleicht gehe ich auch nur nicht raus, wenn es mir zu kalt ist.

Hier in Finnland haben wir minus 19 Grad am Abend, und auch tagsüber rutschen die Temperaturen gerade mal so ins Plus, da ist mein dicker Parka plötzlich nur noch ein leichtes Jäckchen.

Handschuhe auf Stab

Andreas Dauerer

Ein Saunagang verspricht da Hoffnung. Und Sozialleben. Nach dem Essen heißt es nämlich: Männerrunde. In der Küche wird Bier getrunken, und natürlich darf auch Lonkero nicht fehlen, jenes Gin-Mischgetränk in den blau-weißen Dosen, das zu den Olympischen Spielen 1952 erfunden wurde und sich seitdem zum heimlichen Nationalgetränk gemausert hat. Nebenbei läuft der Fernseher, und man spricht über die jüngsten Sportergebnisse. Sogar Fußball ist erlaubt, wenngleich er im Schnee nur schwer zu spielen ist.

Gewöhnungsbedürftig: barfuß durch den Schnee

Tja, und nach der vielen Plauderei ist man dann irgendwann einfach reif für die Sauna. Die Finnen schwören auf Holzbefeuerung, aber hier im Hotel ist es dann doch eine elektrische Heizung. Heiß ist es trotzdem.

Mann steht halbnackt mit Sauna-Utensilien in finnischer Winterlandschaft

Harri Tarvainen

So weit, so gut, für mich kommt erst im Anschluss der schwierige Teil: Kalle, der einzige Finne heute Abend, hat mich überredet, mit ins Eisloch zu steigen. »Im Wasser ist es wärmer als hier draußen«, erklärt er mir. Da mag der Hobbyphysiker recht haben, aber es kostet doch eine gewisse Überwindung, barfuß über den Schnee hinunterzulaufen und dann auch noch einzutauchen.

Wenn allerdings drei weitere Augenpaare von oben auf dich gerichtet sind, dann fallen auch Ausreden recht dürftig aus. Also Augen zu und durch. Und was soll ich sagen? Ich habe es überlebt. Das Schönste, weil schnellste, waren dann allerdings der Weg zurück und das anschließende Aufwärmen in gemäßigteren Temperaturen, während meine taub gewordene Haut versucht, sich unter leichtem Britzeln wieder mit Leben zu füllen. Was man nicht alles mal macht für die eigene Gesundheit.

Ideale Ziel, um im Winter die Natur Finnlands zu erleben

Nach Vuokatti reist man aber nicht vorrangig wegen der Sauna und der Gesundheit. Hierher fährt man, weil man in der Natur aktiv sein und vielleicht auch mal etwas Neues ausprobieren möchte. Profiathleten etwa kommen gerne, weil sie hier sieben Monate lang perfekte Bedingungen für ihren Wintersport haben. Aber auch der geneigte Amateur findet alles, was das Herz begehrt, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Skifahren, Snowboarden oder Langlaufen zählen dabei noch zu den eher traditionellen Möglichkeiten, wobei gerade Letzteres über die zugefrorene Seenlandschaft ein Wirklichkeit gewordener Wintertraum ist.

Skitunnel in Vuakatti

Andreas Dauerer

Fast endlos kann man hier über das meterdicke Eis des Nuasjärvi-Sees auf bestens präparierten Spuren gleiten und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Überhaupt gehört genau das für mich zu den wichtigsten Aspekten des Wintervergnügens in Vuokatti: Sportliche Ertüchtigung geht immer einher mit einem ruhigen Naturerleben. Wenn man etwa am frühen Morgen in die Berge fährt, sich bestens eingepackt die Schneeschuhe anmontiert und durch die verschneiten Nadelwälder wandert, dann tritt das rein Körperliche irgendwann in den Hintergrund. Jeder findet seinen Rhythmus, vorbei an den riesigen Tannen, die bis zu drei Tonnen an gefrorenen Schneemassen auf ihren Zweigen verteilt tragen können.

Hier wechseln sich Keuchen und Knirschen ab

Bei schönem Wetter eröffnen sich dem Schneewanderer immer wieder atemberaubende Blicke in die Täler, während die kleinen, zugefrorenen Gebirgsseen nicht nur hübsch anzuschauen sind, sie eignen sich auch bestens für eine kurze Erholungspause, wenn die Höhenmeter vielleicht doch anstrengender waren als gedacht.

Allerdings, und gerade das macht die Region besonders, kann man neben den traditionellen Sportarten auch einige Dinge ausprobieren, die vielleicht nicht ganz so alltäglich sind, dafür aber auch jede Menge Spaß versprechen. Die oft belächelten Fatbikes etwa machen auf verschneiten Wegen eine sehr gute Figur. Und, ähnlich wie beim Langlaufen, hat man damit sogar auf dem Eis einen überraschend guten Halt und kann sich so die Winterlandschaft und das Umland relativ einfach auf dicken Reifen erschließen.

Fatbikefahrer in Finnland

Andreas Dauerer

Etwas rasanter geht das Ganze natürlich mit dem Schneemobil, allerdings hat es den Nachteil, dass man doch ein bisschen Eingewöhnung braucht, um nicht allein dem schnöden Adrenalinkick zu verfallen. Wobei der natürlich auch gewollt ist. Für Touristen sind die Schlitten immerhin etwas gedrosselt und auf maximal 80 Kilometer die Stunde ausgelegt, was dem Fahrspaß aber überhaupt keinen Abbruch tut.

Rein in den Trockenanzug und ab ins Wasserloch

Wer dann noch weiterhin den Drang hat, etwas Ungewöhnliches tun zu wollen, der wirft sich in einen orangefarbenen Trockenanzug und springt in den gefrorenen See. Nun ja, im übertragenen Sinne, denn natürlich hat der Veranstalter Vuokatti Safaris hier erst einmal ein Loch freigeschaufelt, damit das überhaupt möglich ist. Wie kleine Marshmallows treibt man dann mit Schwimmweste, Neoprenhaube und -füßlingen erst einmal etwas unbeholfen in dem kleinen Wasserloch.

Eisbad in Finnland

Andreas Dauerer

Es ist ein seltsames Gefühl, auf einem quasi gefrierenden Wasser zu liegen und dabei den finnischen Himmel anzugucken. Noch komischer wird es, wenn man auf die Abbruchkante klettert und ordentlich darauf herumhüpft, in der Hoffnung, eine große Scholle möge sich lösen. Entweder man plumpst dann nicht ganz so elegant ins Eiswasser oder aber hat einen kleinen Moment, sich als Eis-Schollen-Surfer auszuprobieren. So ungewohnt es anmuten mag, es macht tatsächlich Spaß.

Pflicht in Vuokatti: eine Tour mit dem Hundeschlitten

Abends könnte dann Ruhe einkehren. Vielleicht nach dem Eisbad auf einen Beerenwein bei Niels Erland vorbeizuschauen und anschließend Bärenfleisch im Kippo Restaurant zu probieren, wären ziemlich gute Möglichkeiten, sich den lokalen kulinarischen Eigenheiten ein bisschen hinzugeben. Obwohl beides köstlich ist, wartet vor der Dämmerung noch ein weiteres Highlight: Horizont gucken vom Hundeschlitten aus. Eine Husky-Tour ist Pflicht in Vuokatti, insbesondere für diejenigen, die noch nie eine gemacht haben.

Husky im Schnee

Max van den Oetelaar

Greg, Ende 40, Australier, hat hier fern der Heimat als Guide angeheuert und hält die insgesamt 93 Hunde im Zaum. »Früher hatten wir auch mehrtägige Exkursionen im Angebot«, sagt er. «Aber für die Hunde war das immer eine ungeheure Belastung. Wer schläft schon gerne fünf Tage am Stück draußen in Eiseskälte und hat auch noch genügend Proviant für Mensch und Tier im Gepäck?!«

Mich braucht er da gar nicht zu fragen, wobei ich jetzt im warmen Überzieh-Overall stecke und mir es nach der kurzen Einführung in Sachen Bremsen und Manövrieren schon im mit Fell ausgelegten Schlitten vorne bequem gemacht habe. Erst mal darf mein Kompagnon losfahren, ich genieße derweil das Dämmerlicht, das sogleich die ganze Strecke in ein kleines Märchenland verwandeln wird, während die Hunde endlich das dürfen, was sie am liebsten tun: losrennen.

Der Mond scheint und die Sterne funkeln

Ich sitze da, gucke auf das rhythmische Zucken der Hundekörper, die gierig nach vorne preschen. Es hat mittlerweile wieder elf Grad minus, aber die Kälte spüre ich gar nicht. Zumindest dann nicht, wenn ich nicht doch meine Kamera aus den Decken wühle und meine Handschuhe ablege, um den Auslöser zu drücken. Die Hände merken dann recht schnell, wie kalt es wirklich ist. Der Fahrtwind tut sein Übriges. Wir gleiten durch die anbrechende Nacht, und als wir nach 20 Minuten den Wald hinter uns lassen und auf den See kommen, liegt der unter einer meterdicken Eis- und Schneeschicht ruhig und friedlich da.

Huskys ziehen Schlitten durch Winterlandschaft

Leo Mengoli

Am Horizont hat ein glutroter Streifen die winzigen Nadelbäume in Brand gesteckt, so sieht es zu mindest aus. Die Sonne ist schnell verschwunden, die Hunde hecheln, über uns scheint der Mond, und die Sterne funkeln. Nach einer Stunde sind wir auf einer Insel im See angelangt. Pause. Die Hunde dürfen rasten, wir bekommen in der eigens aufgebauten Jurte wieder warme Füße und einen warmen Tee.

Kein Motor, keine Abgase, nur die Kraft der Hunde

Am Lagerfeuer brutzelt dann jeder seine Wurst und lauscht entweder Gregs Ausführungen zu seinen Hunden und dem temporären Leben in der freien Natur. Oder man schaut sich den Sternenhimmel an. Sogar das Polarlicht bekommt man hier immer wieder zu sehen. Zumindest dann, wenn der Nachthimmel sich klar zeigt. Wir haben kein Glück. Dennoch bin ich beseelt von diesem kleinen Ausflug.

Grillfeuer

Alex Holt

Kein Motor, keine Abgase, nur die Kraft der Hunde und ihr geschicktes Zusammenspiel mit dem Fahrer. Es ist dieses Zurückgehen zu den Wurzeln, das mir Freude bereitet. Die Zivilisation ist gerade einmal 90 Hundeschlittenminuten weit weg; und doch fühlt sie sich so fern an. Gefühlt könnte ich heute ewig hier sitzen und mich vom Lagerfeuer wärmen lassen. Aber natürlich müssen wir zurück. Greg will es, die Hunde werden wieder unruhig und sind bereit, loszulaufen. Diesmal mit mir als Pilot. Nach 20 Minuten ein wenig fröstelnd. Aber glücklich.

Tipps für eine Reise nach Vuokatti

Allgemeine Informationen zu Finnland findet man beim Fremdenverkehrsamt. Weitere Infos zur Ferienregion Vuokatti gibt es hier.

Anreise. Finnair unterhält von zahlreichen deutschen Städten aus eine Direktverbindung nach Helsinki. Von dort aus besteigt man eine kleine Maschine nach Kajaani, und von dort aus sind es knapp 40 Minuten nach Vuokatti. Entweder mit einem der zahlreichen Shuttlebusse oder mit dem Mietwagen.

Schlafen. Das kleine Hotel Vuokatti & Suites Apartments liegt direkt am Nuasjärvi-See und hat neben gemütlichen Hotelzimmern auch Apartments in den Nebenhäusern, was vor allem für Langzeitaufenthalte und Familien eine Überlegung wert sein dürfte. Zimmerpreise ab 90 Euro für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück. Die Apartments mit Seeblick sind knapp 60 qm groß; es gibt sie ab 150 Euro pro Nacht ohne Frühstück für maximal 6 Personen.  Beim Touranbieter Vuokatti Safaris kommen Aktivurlauber voll auf ihre Kosten. Egal, ob Fatbike- oder Schneeschuhtour, eine Ausfahrt mit dem Hundeschlitten oder Schneemobil, das Team von Kimmo und Samuli bietet es entweder mit ihren Kooperationspartnern direkt an oder kann es anderweitig möglich machen.

Hier geht’s zum reisen-EXCLUSIV-Guide der Region.

 

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