Stewardess – ein Beruf wie eine Legende. Ein ähnliches Image wie das eines schillernden Popstars, der etwas Glamour verloren hat. Nicht so bei Singapore Airlines, wo der Beruf an Bord eines Jumbo-Jets noch Prestige hat. Chefredakteurin Jennifer Latuperisa-Andresen hat das Ausbildungszentrum der Flugbegleiterinnen von Singapore Airlines besucht.

Früher musste eine Stewardess, wenn sie beispielsweise für die amerikanische Fluggesellschaft PanAm gearbeitet hat, eine Alleskönnerin sein: drei Sprachen beherrschen, einen College-Abschluss in der Tasche haben und außerdem von der Aura so hinreißend sein, dass sich die männliche Klientel nach ihr den Hals verdrehte. Heute sind die Ansprüche aufgrund der zahlreichen Airlines stark gesunken. Nur der Zwergenstaat Singapur mit seiner feinen Fluggesellschaft hält sie aufrecht: Das Singapore Girl ist auch weiterhin das bildschöne Markenzeichen von Singapore Airlines.

Das Singapore Girl ist eine Ikone

Es ist nur eine Annahme, eine kleine Vermutung, aber der Marketing-Verantwortliche aus dem Jahre 1972, der Zeit, als die asiatische Airline ihre ersten Flügelschwünge im Luftraum unternahm, muss ein gewiefter Stratege gewesen sein. Schuf er doch mit dem Singapore Girl eine Ikone, die nicht nur in der Airline-Branche anerkennende Blicke erntet, sondern auch bei den Selten-Fliegern.

Will sagen: eine Stewardess, die nicht nur Aushängeschild einer Airline ist, sondern auch noch beste Markenbotschafterin, weil sie (und natürlich auch die männlichen Kollegen, die es ebenso gibt) den Job mit einer derartigen Würde erfüllt, dass die blonden Stewardessen in orangen Etuikleidern, die eventuell tanzend vor Fluggästen stehen müssen, vor Bewunderung erstarren. Warum? Kein lästiges Armgefuchtel bei den Sicherheitseinweisungen, kein festgefrorenes Lächeln bei der Begrüßung an Bord und – ganz wichtig – keine unterschwellige Menschenfeindlichkeit, die man als Fluggast bei der Konkurrenz durchaus zu spüren bekommt. Die Flugbegleiterinnen von Singapore Airlines haben eine eigene Klasse.

Worin liegt das Erfolgskonzept? Warum bewerben sich auch heute noch immer 8000 Mädchen aus allen asiatischen Ländern um den heiß begehrten Job über den Wolken? Ob ihnen bewusst ist, dass sie 13 Wochen härtestes Training über sich ergehen lassen müssen?

Flugbegleiterin von Singapore Airlines

Sorbis/Shutterstock.com

Im Ausbildungszentrum der Flugbegleiterinnen von Singapore Airlines

Grund genug, sich im Flight Crew Trainingscenter in Singapur einmal umzusehen und sich einweisen zu lassen, in den Zauber der Singapore Girls. Bevor die Ausbildung samt Notevakuierung und Essenserwärmung beginnt, müssen die Bewerberinnen bei einer Art Kaffeekränzchen ihre sozialen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Fähigkeit zum Small Talk ist dabei ebenso gefragt wie die servicebejahende Grundeinstellung. Erst danach wird entschieden, wer sich grundsätzlich als Singapore Girl eignet und an der Ausbildung teilnehmen darf.

Dann folgt die harte Schule. Das fängt bei den Sicherheitseinweisungen an. Da wird im Trainingscenter geübt, wie man korrekt die Notrutschen benutzt, wie man die Türen öffnet oder eine Evakuierung einleitet. Selbst die Notwasserung wird im Schwimmbecken samt Wellengang trainiert. Auch der Bordservice muss perfekt durchgeführt werden. Keine Kleinigkeit wird außer Acht gelassen. Die korrekte Haltung vor dem Gast, das zeiteffektive Servieren der Mahlzeiten – alles muss sitzen. Um Letzteres zu üben, werden sogenannte Mock-ups genutzt (detailgetreue Nachbildungen der echten Maschinen), wo in einem »wet run« (also mit tatsächlichem Essen und Getränken) der Service trainiert wird – und zwar in jeder Buchungsklasse.

Detaillierte Vorgaben beim Erscheinungsbild

Wichtig ist auch das äußere Erscheinungsbild, das den detaillierten Angaben der Airline entsprechen sollte. Deshalb bedarf es ein wenig mehr Training als vermutet. Während der Haarknoten (drei Varianten stehen zur Auswahl) korrekt sitzen und der Lidschatten typgerecht aufgetragen sein muss, dürfen Lippenstift und Nagellack weder pink noch knallrot sein. Glücklicherweise gehört auch das Schminken zur professionellen Ausbildung eines Singapore Girls. Ohne dessen Beherrschung darf der Job nicht angetreten werden.

Bei derartigem Feinschliff ist es nicht verwunderlich, dass die Singapore Girls persönlich bei Werbekampagnen für die Airline Modell stehen – auf professionelle Models kann getrost verzichtet werden. Dabei muss die Werbeikone der Lüfte nicht nur Bürgerin des Zwergenstaats sein, sondern schlichtweg ganz Asien repräsentieren. Dementsprechend sind viele Nationen im Team vertreten, von Indien bis China, von Korea bis Indonesien.

Und wie geht die Schönheit der Lüfte mit den Avancen der männlichen, eventuell leicht angetrunkenen, Passagiere um? Freundlich bestimmt, heißt die Devise. Auch eine Feinheit, die den Flugbegleiterinnen von Singapore Airlines in der Ausbildung beigebracht wird. Dann wirkt ein Korb für den Herrn wie eine freundliche Konversation. So, wie es sich gehört, für den Popstar der Lüfte.

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