Sex and Drugs and Rock’n’Roll – dafür steht Las Vegas, die »Sin City« mitten in der Wüste von Nevada, für viele Touristen. Sogar die Zöllnerin sagt bei der Einreise zu mir: »Sie kommen mit Ihrer Tochter nach Vegas? Geben Sie gut auf sie acht!« Hoppla, denke ich mir. So schlimm wird’s schon nicht sein. Und es ist wie überall in Amerika: Man muss wissen, wann man wo hingeht. Text: Verana Wolff

Auf den ersten Blick scheint Las Vegas mit Kindern im Schlepptau keine gute Idee zu sein. Denn natürlich ist Las Vegas voller schlüpfriger Angebote, Werbung für Stripclubs und »topless entertainment«. Prostitution ist zwar illegal in Clark County, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht stattfindet. Auch in den Hotels, in Casinos und entlang der Straßen, die die Touristen frequentieren. An viele Orte dürfen Menschen unter 21 Jahren nicht, manchmal den ganzen Tag, manchmal nur abends. Zu viel nackte Haut, zu viel Alkohol, zu viel Qualm. Und auch in den Casinos, mit denen nahezu alle Hotels viel Geld verdienen, dürfen die Kids nur auf den Hauptwegen durch die riesigen Hallen im Erdgeschoss huschen – am besten mit einem Erwachsenen im Schlepptau.

Klingt alles nicht nach einem guten Platz für Familien? So schlimm ist es gar nicht – im Gegenteil. Denn die Hotels sind riesig, und viele von ihnen haben jede Menge Angebote für verschiedene Altersgruppen – also auch jugendfreie und solche für kleinere Kinder.

Dolphin Habitat/Shark Reef Aquarium

Spannend findet meine Tochter die Delphine, die schon seit vielen Jahren in den beiden Becken hinter dem Hotel Mirage leben. Besonders, weil sich ein junger Delphin dazugesellt hat, der mit den älteren Damen im Pool spielt. Die Meeressäuger können von allen Seiten angeschaut und beobachtet werden – ein unterirdischer Gang gibt über riesige Glasfronten den Blick ins Innere der Becken frei. Immer wieder geben die Mitarbeiter interessante Informationen über die Tiere – und wer zum regulären Eintritt noch die VIP-Tour dazubucht, kann den Tümmlern noch deutlich näher kommen und sie sogar berühren.

Las Vegas mit Kindern: Shark Reef Aquarium

Verena Wolff

Im Mandalay Bay Hotel muss man ins äußerste Eck des Konferenzzentrums marschieren, um Haie, Sägefische, Piranhas, Meeresschildkröten, Quallen und Rochen zu sehen. Mehr als 2000 Tiere tummeln sich im Shark Reef Aquarium, das wohl einem Atlantis nachempfunden sein soll, inklusive zerklüfteter Pappmaché-Wracks und etwas undefinierbarer Figuren.

Beeindruckend sind die Tunnel, durch die man gehen kann und umrundet ist von dem Meeresgetier – denn das schwimmt um einen herum, über einen drüber und unter den Füßen entlang. Alles bestens sichtbar durch das viele Glas, das Bewohner und Besucher trennt. Und weil in Las Vegas fast alles käuflich ist, gilt auch hier: wer neben dem Eintritt noch ein paar (Hundert) Dollar in die Hand nimmt, kann Haie, Schildkröten und Rochen füttern oder sogar mit den Haien tauchen. Wer es beim normalen Ticket belässt, kann immerhin verschiedene Rochen in einem flachen Becken streicheln.

Adventuredome

Das ist nichts für schwache Nerven: Der Adventuredome befindet sich auf einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern unter der Kuppel des Hotel Circus Circus am Ende des Strips. Es ist eine Mischung aus Oktoberfest und Spielhalle – ohne das Bier natürlich. Die Wilde Maus heißt hier »El Loco«, der Verrückte. Doch das gelb lackierte Fahrgeschäft mit seinen senkrecht abfallenden Abfahrten, den kleinen Hügeln und scharfen Kurven ist nicht das wildeste unter der hohen Kuppel. Es geht auch mit Looping: Canyon Blaster heißt das Fahrgeschäft mit dem unschuldig rosafarbenen Gestell, von dem noch mehr Schreie zu hören sind als von »El Loco«. Kein Wunder, wenn man mit knapp 90 Stundenkilometern über Kopf in seinem Sessel hängt.

Adventure Dome in Las Vegas

Verena Wolff

Doch der Adventuredome ist tatsächlich ein Ziel für die ganze Familie – und ein angenehm temperierter in den heißen Monaten noch dazu. Es gibt eigene Bereiche für kleine Kinder, in denen gemächliche Karussells und Bahnen im Mini-Format aufgebaut sind. Auch gibt es die bekannten Kirmes-Attraktionen wie Bällewerfen, Luftballonschießen und anderes, bei dem man abscheulich schöne Preise gewinnen kann. Der Autoscooter ist nicht so richtig rabiat – den fährt man in Amerika aber grundsätzlich handzahm und ohne Rempelmanöver.

Mandalay Bay – das einzige Hotel mit Strand

Das Mandalay Bay Hotel am Beginn des Strip gehört zu den größten Häusern an der Vergnügungsmeile. Und es ist das einzige, das nicht schlicht einen Pool (oder eine ganze Poollandschaft) hat, sondern einen Sandstrand inklusive Wellenbad. Jeder, der schon mal in einem der großen Freizeitparks in den USA war, wird die Idee wiedererkennen. Feiner Sand, unglaublich viele Liegen, ein recht großes Becken, durch das etwa jede Minute eine Welle rollt.

Mandalay Beach in Las Vegas

Verena Wolff

Dazu: Unzählige Lifeguards in rotem Outfit, die penibel darauf achten, dass sich niemand vor dem blauen Strich aufhält, der in den Boden gefliest ist und hinter dem die Welle bricht. Hinter dem Wellenbecken schlängelt sich ein Lazy River entlang, durch den man wahlweise auf einem dick aufgeblasenen Reifen oder einfach auf dem Bauch gleiten kann – und dann gibt es noch zwei ganz schnöde Pools, ganz ohne Sand und Strand und Wellen. Und das ist nur der Bereich, der für Kinder zugänglich ist. Wer nicht im Hotel Mandalay Bay wohnt, kann unter der Woche eine Eintrittskarte für die Poollandschaft kaufen.

Headz Up

Trick Art – schonmal gehört? Das ist quasi die virtuelle Welt in die echte geholt und den Social-Media-Selfie-Instagram-Fimmel in Kommunikation mit der Familie umgewandelt. »Trick Art ist gerade in Asien total in«, erzählt Chad Dillow, der CEO von Headz Up, das gerade in der ältesten Shopping Mall von Las Vegas eröffnet hat. Die Boulevard Mall wird derzeit verjüngt und aufgepeppt, da passt das Konzept gut hinein. »Trick Art sind Bilder, die so gemalt sind, dass sie auf einem Foto dreidimensional erscheinen«, erläutert Chad. Selfies und andere Fotos sind erwünscht, denn die Wandgemälde sind so große, dass sogar Gruppen meist leicht hineinpassen.

Mädchen in Trickart in Las Vegas

Verena Wolff

Ob King Kong, eine Pferdeherde oder ein gefräßiges Krokodil – mit ein bisschen Schauspielkunst passen sich die Besucher bestens in die Szene ein. Doch nicht nur die rund 30 überdimensionalen Gemälde gibt es hier. Auch verschiedene »Escape Rooms« und »Archery Arrow Tag« werden angeboten – bei letzterem müssen Spieler einer Mannschaft ihre Gegner mit weich gepolsterten Pfeilen und dem Bogen abschießen.

The Container Park

Der Container Park ist wie ein kleiner Stadtteil in Downtown Las Vegas, einige Meilen vom Strip entfernt. Am stilleren Ende der Fremont Street gelegen sind hier 43 Schiffcontainer und einige überdimensionierte Würfel zusammengesteckt worden. Sie beherbergen kleine Geschäfte und Restaurants, die meisten von ihnen Start-ups. Zwischen den Läden gibt es eine riesige Spielfläche für Kinder, am Südende eine Veranstaltungsfläche, auf der Workshops für Kinder und Erwachsene abgehalten werden – von Hula Hoop bis Weinverkostung. Zudem werden einmal im Monat Kinofilme open air gezeigt, der Eintritt ist kostenlos.

Las Vegas mit Kindern: Container Park in Las Vegas

Verena Wolff

Der Park ist Teil der Wiederbelebung dieses Stadtteils, der viele Jahre heruntergekommen war, aber auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Denn 1925 wurde hier die erste Glücksspiellizenz vergeben – vom Strip, der übrigens gar nicht in Las Vegas liegt, hat damals noch niemand geträumt. Wie man den Containerpark findet? Den Eingang an der Kreuzung zur 7th Street schmückt der mehr als zehn Meter hohe Mantis, eine Art überdimensionierte Ameise, die Feuer spuckt, sobald es dunkel wird.

Madame Tussaud’s

Wachsfiguren sind langweilig – zumal von Elvis, Marylin Monroe und anderen Relikten? Das mag, durch Kinderaugen gesehen, schon sein. Doch wenn man sich im zweiten Stock des Museums, das im Hotel The Venetian liegt, umgesehen hat, dann kommt man zu einer ganz speziellen Bar.

Mädchen zu Besuch in Madame Tussauds in Las Vegas

Verena Wolff

Einer nämlich, auf der ein Bottich mit Eiswasser steht und fünf Stahlwannen mit Wachs – ein weißer und vier farbige. Und dann braucht man sich die Promis aus Wachs nicht mehr nur anschauen, sondern kann seine Hand unter den strengen Augen von Wachs-Andy-Warhol selbst in der zähen Masse verewigen. Besonders angenehm ist das nicht, vor allem, wenn Kinderfinger ausführlich zwischen die Eiswürfel getaucht werden, um dann insgesamt fünf Mal im flüssigen Wachs zu verschwinden. Aber das Ergebnis lässt nicht nur die Kinderaugen strahlen.

Mehr Infos über Las Vegas gibt es auf der Website des städtischen Fremdenverkehrsbüros.