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Wie gut ist die Business Class von TAP Air Portugal auf der Langstrecke nach Brasilien? Auf dem Flug von Frankfurt über Lissabon nach Salvador da Bahia zeigt sich ein insgesamt überzeugendes Produkt: moderne Sitze, solides Catering und viel Komfort auf beiden Strecken. Dabei wird allerdings auch deutlich, wie sich der Service zwischen Europa-Zubringer und Langstrecke unterscheidet, findet Redakteur Frank Störbrauck. 

Als der ICE in den unterirdischen Bahnhof des Frankfurter Flughafens einfährt, vibriert der Zug für mich ein letztes Mal, bevor er zum Stehen kommt. Draußen liegt dieses elendige Novembergrau über allem. Es ist feucht, kühl und wenig einladend. Nein, der November in Deutschland ist nicht mein Ding. Er steht in meinem persönlichen Monatsranking auf dem letzten Platz. Deshalb muss ich jetzt weg. In die Ferne. Ich schultere meine Tasche, die Türen öffnen sich zischend, und beim Aussteigen trifft mich die kalte Luft noch einmal direkt am ganzen Körper. Eine Jacke habe ich bewusst nicht dabei; sie würde am Ziel ohnehin nur Ballast sein. Entsprechend fröstelt es, aber da muss ich jetzt durch.

Abflughalle im Frankfurter Flughafen

Foto: Hans Elmo/Shutterstock.com

Gedanklich bin ich eh schon weiter. Zwischen Rolltreppen und Terminal wächst die Vorfreude. In meinem Kopf ist es längst wärmer. Das Ziel ist noch weit weg, aber doch schon sehr präsent. Ich ziehe den Reißverschluss meines Pullis höher und muss kurz schmunzeln. Je grauer es hier ist, desto klarer wird mein Ziel vor Augen. Der Winter bleibt zurück, zumindest vorübergehend. Es geht Richtung Süden. Nach Brasilien. Nach Salvador da Bahia.

Business Class im Europa-Zubringer: Ein spürbares Upgrade

Wer von Deutschland aus in die Metropole in den Nordosten Brasiliens reist, muss inzwischen umsteigen. Direktflüge, wie sie früher Condor angeboten hat, gibt es aktuell nicht mehr. Stattdessen bündeln sich die Nonstop-Flugangebote in West- und Südeuropa: Paris mit Air France, Madrid mit Air Europa oder Lissabon, von wo aus TAP Air Portugal Richtung Brasilien startet.

Mein erster Flug führt ergo von Frankfurt nach Lissabon – und schon hier zeigt sich, dass sich seit meinem letzten Flug in der Business Class der TAP einiges zum Positiven verändert hat. Anders als früher, als im Grunde ein normaler Economy-Sitz genutzt wurde und lediglich der Mittelsitz frei blieb, kommt auf meinem Flug ein echter Business-Class-Sitz zum Einsatz. Vermutlich habe ich einfach nur Glück gehabt, denn der Airbus A321LR wird von der TAP hauptsächlich für die Langstrecke eingesetzt. Manchmal aber, so wie heute, kommt er auch innerhalb Europas zum Einsatz.

Kaum habe ich Platz genommen, tritt ein Flugbegleiter an mich heran, reicht mir einen Drink und legt mir die Menükarte in die Hand. Die Vorspeise ist schnell gewählt: marinierter Perlhuhn-Salat mit grünem Spargel und Mandeln. Auch beim Dessert gibt es keine große Diskussion – Zitronenpudding mit gesüßter Kondensmilch und Muskateller-Sauce. Beim Hauptgang fällt die Entscheidung schwerer: Lammfilet oder Cappellacci mit Kürbisfüllung in Weißweinsauce mit Haselnüssen? Ich entscheide mich schließlich für das Lammfilet, serviert mit Kartoffel-Gemüse-Gratin und roten Linsen. Eine gute Wahl, denn das Fleisch ist zart, die Beilagen stimmig, insgesamt ein überzeugendes Gericht.

Steak mit Kartoffel-Gemüse-Gratin an Bord der TAP Portugal

Foto: Frank Störbrauck

Der Service an Bord passt dazu: aufmerksam, präsent und angenehm unaufdringlich. Getränke werden rechtzeitig nachgeschenkt, Wünsche schnell mit einem Lächeln erfüllt, dabei wirkt nichts einstudiert oder routiniert. Es ist genau die Art von Service, die eine Business Class aufwertet.

Sportlich: Der kurze Zwischenstopp in Lissabon

Die Landung in Lissabon verläuft entspannt, doch die Zeit ist knapp für mich: rund 90 Minuten zum Umsteigen bleiben mir nur. In Frankfurt hatte ich noch mit einer Brasilianerin gesprochen, die regelmäßig auf dieser Strecke unterwegs ist. Sie sagte, dass genau diese knappe Umsteigezeit in Lissabon schnell zum Problem werden kann, wenn der Zubringerflug Verspätung hat. Sie habe den Anschluss in den letzten Jahren schon zweimal verpasst und musste eine Nacht in Lissabon verbringen.

Mehrere Flugzeuge der TAP Portugal auf dem Airport Lissabon

Foto: John Gress Media Inc/Shutterstock.com

Das Flugzeug parkt leider draußen, fern vom Gate, die Busse rumpeln heran. Die Spannung knistert, als ich einsteige. Ich schaue ständig auf die Uhr. Beim Aussteigen aus dem Bus renne ich fast in die elektronischen Schranken der Passkontrolle, die in Lissabon erfreulicherweise fließt wie Quecksilber. Sie ist wirklich gut,  schneller als jeder Beamte mit Stempel. Augen scannen, Tore klicken auf, und plötzlich bin ich durch, Herz pochend, Brasilien einen Flugschritt näher.

Wo ist mein Gate? Auf den Anzeigetafeln der Abflughalle sammeln sich brasilianische Städte wie ein leuchtendes Mosaik: Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador, Recife, Manaus. Kein anderer Flughafen in Europa liegt Brasilien näher als Lissabon. Tag für Tag heben hier die Maschinen der TAP Air Portugal ab, überqueren den Ozean in acht, manchmal zwölf Stunden, getragen von modernen Flugzeugen, die den Abstand zwischen den Kontinenten kleiner wirken lassen, als er ist. Lissabon ist ein Tor und wer hindurchgeht, merkt schnell, wie kurz der Weg plötzlich scheint. So auch bei mir. Schon nach wenigen Metern stehe ich vor dem Gate – und stelle erleichtert fest, dass das Boarding noch gar nicht begonnen hat.

TAP Air Portugal: Business Class auf der Langstrecke im Test

Die Flugzeit nach Salvador beträgt etwa achteinhalb Stunden. Auf dieser Strecke setzt TAP meist den Airbus A330-900neo ein. In der Business Class stehen 34 Sitze in einer 1-2-1-Konfiguration zur Verfügung, jeder mit direktem Zugang zum Gang und vollständig flach verstellbar.

Sitze in der TAP Portugal Business Class

Foto: Airbus/H. Goussé

Nachdem ich Platz genommen habe, wird mir ein Glas Champagner serviert. Die Business Class ist fast vollständig belegt. Ich sitze da, das Menü auf dem Schoß, und überlege länger als erwartet. Zur Auswahl stehen unter anderem geräucherter Aal mit Gazpacho, Entenconfit oder gegrillter Zackenbarsch sowie eine vegetarische Pasta. Am Ende entscheide ich mich für die Ente. Eine gute Wahl, denn sie kommt perfekt gegart: knusprige Haut, zartes Fleisch, die Kombination mit der leichten Süße der Orange funktioniert gut. Auch die Vorspeise hält, was sie verspricht – ausgewogen und hochwertig.

Für einen Moment passt alles. Genau so stellt man sich einen Langstreckenflug in der Business Class vor. Doch dieser Eindruck hält nicht lange. Der Service bleibt korrekt, wirkt aber auffallend distanziert. Der Flugbegleiter arbeitet die Abläufe routiniert ab, ohne wirklich präsent zu sein. Ein kurzes Nachfragen, ob alles geschmeckt hat, wirkt eher wie ein Standardablauf als echtes Interesse. Kaum ist das Tablett abgeräumt und der Kaffee serviert, ist er für längere Zeit nicht mehr zu sehen. Gerade auf einem so langen Flug fällt das auf. Es gibt keine weiteren Getränkerunden, keine Nachfragen und Interaktionen. Am Ende bleibt der Eindruck eines Produkts, das solide ist, aber nicht heraussticht. Der Komfort stimmt, das Essen auch. Doch beim Service fehlt das Sich-Kümmern, das den Unterschied machen würde.

Wenn die Zeit wie im Flug vergeht: Großartige Entertainment-Auswahl

Schön dagegen der Bildschirm vor mir: ein 16-Zoll-Touchscreen, scharf und reaktionsschnell, mit einer großen Auswahl. TAP hat hier wirklich aufgerüstet. Über 130 Filme stehen zur Auswahl, darunter neue Hollywood-Blockbuster, Klassiker, Independent-Perlen und sogar ein paar portugiesische Highlights. Dazu kommen Hunderte TV-Serien und -Episoden (inklusive kompletter Staffeln und einer Auswahl von Apple TV), mehr als 1.000 Musik-Titel aus über 120 Alben, von Fado über brasilianischen Bossa Nova bis zu internationalen Playlists, und sogar Spiele für die Familie. Noise-Cancelling-Kopfhörer liegen bereit, und man kann Bluetooth-Kopfhörer koppeln – alles super bequem.

Ich scrolle eine Weile durch die Menüs und finde schnell etwas Passendes: »Dune: Part Two«, dieser epische Sci-Fi-Film von Denis Villeneuve, der vermutlich gerade erst frisch im Bord-Entertainment aufgetaucht ist. Die Fortsetzung der Wüsten-Saga mit Timothée Chalamet, Zendaya und einem bombastischen Cast ist perfekt für den langen Flug über den Atlantik. Ich starte ihn, setze die Noise-Cancelling-Kopfhörer auf und tauche ein in die endlosen Dünen von Arrakis, die schaurigen Sandwürmer und die politischen Intrigen.

Der Bildschirm ist so scharf und groß, dass man jedes Detail der Kostüme, der Landschaften und der Effekte sieht.. Die Soundqualität passt dazu: der tiefe Bass der Sandwürmer vibriert spürbar, die Musik von Hans Zimmer umhüllt einen richtig. Für die nächsten zwei Stunden vergesse ich den Ozean unter mir komplett; es fühlt sich an, als würde ich selbst durch die Wüste reiten.

Zwischendurch pausiere ich mal kurz, um den Flugverlauf zu checken. Huch. Wir sind ja schon über dem halben Atlantik, die kleine Animation zeigt uns als winzigen Punkt auf der Weltkarte. Danach erst einmal ein kleines Ründchen schlafen. Es ist ja schon fast Mitternacht in Deutschland.

Mann schläft in einem Sitz in der Business Class der TAP Portugal

Foto: TAP Portugal

Ankunft in Salvador: Entspannt trotz später Stunde

Die Landung in Salvador erfolgt etwas früher als geplant. Rund zehn Minuten vor der Zeit setzt die Maschine am späten Abend Ortszeit auf. In Deutschland ist es da längst mitten in der Nacht, fast schon früher Morgen. Entsprechend fühlt sich alles etwas gedämpft an, als ich aussteige. Ich bin müde, aber auch mit diesem leichten Gefühl von Erleichterung nach dem langen Flug.

Beim Betreten des Terminals fällt sofort auf, wie ruhig es ist. Keine großen Ankünfte mehr um diese Uhrzeit, kaum Warteschlangen, nur vereinzelt andere Passagiere, die ebenfalls gerade angekommen sind. Der Weg zur Passkontrolle ist zwar relativ lang, dafür aber verläuft die Einreise selbst typisch brasilianisch: unkompliziert, effizient und erstaunlich schnell. Ein kurzer Blick auf den Pass, ein Stempel, das war’s. Kein langes Warten, keine unnötigen Fragen. Nach wenigen Minuten bin ich durch.

Am Gepäckband dauert es nicht lange, bis die Koffer erscheinen. Auch hier keine Hektik, alles wirkt ruhig und eingespielt. Als ich schließlich den Flughafen verlasse, schlägt mir die warme, schwüle Luft entgegen. Mein Fahrer, der Mitarbeiter der Pousada Encantada, ist schon längst da. »Boa noite, Frank«. Jetzt bin ich wirklich angekommen.

TAP Air Portugal fliegt von Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf nach Lissabon und von dort aus täglich (i.d. Regel um 17:20 Uhr) nach Salvador da Bahia (SSA). Der Abflugpreis für einen Sitz in der Business Class von Deutschland nach Salvador liegt derzeit typischerweise im Bereich von ca. 2.000 bis 3.200 Euro für einen Hin- und Rückflug, je nach Abflugstadt, Reisedatum, Verfügbarkeit und Buchungszeitpunkt. Weitere Informationen und Buchung auf der Website der TAP Air Portugal