Andreas Wunn ist Brasilien-Korrespondent des ZDF. Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in dem Land hat er ein Buch veröffentlicht: „Alles für Insider”. Zeit für ein Gespräch. Interview: Frank Störbrauck

Herr Wunn, kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien werfen Sie in Ihrem neuen Buch „Brasilien für Insider” einen Blick auf das Land. Hand aufs Herz: Kann man Brasilien auf 224 Seiten fassen?

Nein, natürlich nicht. Brasilien ist 24-mal so groß wie Deutschland, ein Land wie ein Kontinent, mit 200 Millionen Einwohnern und 1000 Realitäten. In meinem Buch habe ich aber versucht, einen Blick auf dieses faszinierende Brasilien zu werfen, der über die gängigen Klischees und die schnellen Schlagzeilen hinausgeht. Ich schreibe über Strand und Samba, aber auch über Wirtschaft, Politik, Musik, den Amazonas und vieles mehr. Ich erzähle von meinen Reisen und von den Menschen, denen ich begegnet bin. Ich denke, dass man nach der Lektüre Brasilien ein wenig besser kennt und versteht.

Sie leben nun schon seit 2010 in Brasilien. Was fasziniert Sie an dem Land?

Zum einen fasziniert mich diese Vielfalt. In Brasilien vermischen sich europäische, afrikanische und die Wurzeln der Indianerbevölkerung. Die Natur ist atemberaubend und abwechslungsreich: kilometerlange Strände, der Amazonasregenwald, Hochebenen, Flusstäler, Inseln, viele Ecken kaum von Touristen bereist. Außerdem aufregende Metropolen wie Rio de Janeiro und São Paulo. Auf der anderen Seite fasziniert mich als Journalist natürlich auch, den politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Brasiliens zu begleiten, der von vielen Rückschlägen geprägt ist. Und die krassen Gegensätze sind schockierend und faszinierend zugleich: funkelnder Reichtum und bittere Armut direkt nebeneinander, schönes und schreckliches Brasilien gleichzeitig.

Ihre Wahlheimat in Brasilien ist Rio de Janeiro. Keine andere brasilianische Stadt dürfte so viele Sehnsüchte bei den Deutschen hervorrufen. Zu Recht?

Auf der einen Seite ja. Rio de Janeiro hat wirklich all das, was man von den Postkartenbildern kennt: Strand, Samba, Karneval, schöne Frauen, Caipirinha und so weiter. Die Lage ist traumhaft, ich kenne keine schönere Stadt auf der Welt. Rio wird ja gerne „cidade maravilhosa” genannt, wundervolle Stadt. Aber Rio ist keine wundervolle Stadt, eher eine Stadt an einem wundervollen Ort. Denn die urbanen Probleme hier sind riesengroß: katastrophale Infrastruktur, täglicher Verkehrsinfarkt, Drogengewalt und Armut in den Favelas, Korruption, schlechtes Schul- und Gesundheitssystem. Je länger ich hier lebe, desto mehr ärgere ich mich über diese Dinge.

Die DFB-Elf wird ihre ersten WM-Spiele in Salvador, Fortaleza und Recife bestreiten. Lohnt eine mehrtägige Verlängerung in den Spielorten oder ist es besser, nach den Spielen gleich den Weiterflug zu buchen?

Der Nordosten Brasiliens ist im Vergleich zu Rio de Janeiro und São Paulo für viele Brasilien-Besucher bisher ein weißer Fleck. Doch den lohnt es zu entdecken. Salvador wegen seiner kolonialen Geschichte, die sich in der Architektur widerspiegelt und der afro-brasilianischen Kultur, Recife und Fortaleza vor allem wegen der endlosen Strände. Ich würde als WM-Besucher dort ein paar Tage dranhängen.

Was soll, was darf man auf gar keinen Fall bei einem Brasilien-Besuch versäumen?

Sonnenauf- und Sonnenuntergänge am Strand. Und man sollte sich einlassen auf einen tropischen Lebensstil.

Wovon lässt man besser die Finger?

Vom Samba tanzen. Das können die Brasilianer einfach viel, viel besser.

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