Mit ein bisschen »Savoir-vivre« müsste bei einem Frankreich-Urlaub doch alles in Ordnung sein, oder? Nun, nicht ganz. Auch in unserem Nachbarland drohen einige Fettnäpfchen. Mit unserem Frankreich-Knigge sollte nichts schiefgehen!

Parlez-vous francais?

Frankreich und der Stolz einer Nation – darüber ließen sich einige Kapitel eines Buches schreiben! Dabei geht es nicht nur um Geschichte, Mode, Kultur und gutes Essen – die Franzosen sind auch mächtig stolz auf ihre Sprache. Wer also in Frankreich unterwegs ist und kein Wort französisch spricht, der tut sich keinen Gefallen. Solltet ihr nicht in der Schule, VHS oder sonst wo französisch gelernt haben, so versucht vor eurer Reise, die wichtigsten Redewendungen zu lernen. Oder zumindest ein paar Brocken. Die Franzosen wissen das sehr zu schätzen und werden euch gleich loben. Ganz bestimmt. In vielen Touristenregionen werdet ihr aber natürlich auch mit Englisch zurechtkommen. Nahe der Grenze wie etwa im Elsass teilweise auch mit Deutsch – aber bitte nicht gleich im ersten Satz auf Deutsch losschnattern.

Seiten eines französisch-englischen Wörterbuchs

sweeann/ Shutterstock.com

15 Minuten Verspätung sind okay

Wir Deutschen gelten ja als Weltmeister der Pünktlichkeit. Wer zehn Minuten zu spät kommt, besonders bei Geschäftsterminen, wird hierzulande schnell mal schief angesehen. Nicht so in Frankreich. Hier ist man etwas lockerer in Sachen Pünktlichkeit. Ihr solltet es eurer Verabredung also nicht übel nehmen, wenn sie 15 Minuten verspätet erscheint.

Riesen-Uhr im Musee d'Orsay in Paris

Erik Witsoe

Frankreich-Knigge: Bises zur Begrüßung

Der nächste Tipp in unserem Frankreich-Knigge ist ein Klassiker: die Begrüßung. Auch dabei lauert die Gefahr, ins Fettnäpfchen zu treten. Je nach Region und Freundschaftsgrad hauchen sich die Franzosen zur Begrüßung zwei bis vier Küsschen auf die Wagen. Das sind sogenannte Bises. Begonnen wird immer auf der linken Seite. Die Vier-Küsschen-Variante ist vor allem in Paris und Nordfrankreich verbreitet. In der Bretagne um die Hafenstadt Brest herum tauschen die Einheimischen sogar nur eine »bise« aus. Selbst zwischen Kindern und Erwachsenen sind die Begrüßungsküsschen üblich. Im Süden Frankreichs küssen sich sogar Männer untereinander zur Begrüßung. Beim Kennenlernen fremder Personen ist dagegen ein Händedruck üblich, kein Händeschütteln.

Junge Franzosen begrüßen sich auf einer Wiese mit Küsschen

Page Light Studios/Shutterstock.com

Hausnummern-Wirrwarr in Paris leicht erklärt

Wer in Paris ein Sightseeing-Wochenende verbringt, möchte in der Regel zügig von A nach B kommen. Mal will ja meist nicht unnötig Zeit verlieren. Wenn ihr durch die Straßen flaniert und nach einer bestimmten Hausnummer sucht, haben wir einen Tipp für euch: Die Nummerierung beginnt ausgehend von der Seine, also vom Zentrum in Richtung Stadtrand. Habt ihr die Seine im Rücken befinden sich die geraden Hausnummern zu eurer rechten und die ungeraden Hausnummern zu eurer linken Seite.

Frühstück: Kaffee mit Kippe?

Langjährige Frankreich-Kenner wissen: Zu einem guten französischen Frühstück reichen zwei Dinge: ein starker schwarzer Kaffee und eine Zigarette. Spaß! Natürlich wissen auch die Franzosen gut zu frühstücken. Allerdings deutlich weniger herzhaft als bei uns. So kommt üblicherweise Feingebäck auf den Tisch, vorzugsweise ein Croissant. Den könnt ihr pur, gefüllt mit Schokolade oder mit süßem Aufstrich wie etwa Marmelade und Honig genießen. Nicht fehlen darf eine große Tasse Milchkaffee. Bestellt in dem Fall einen »Café au Lait«. Möchtet ihr lieber einen schwarzen Tee, dann bestellt einen »Thé«. Wer Kräutertee mag, ordert einen »Tisane«.

Französisches Frühstück mit Café au laut und Croissant

Song_about_summer/ Shutterstock.com

Restaurants: Patientez s’il-vous-plait!

Eines vorweg: Wenn ihr es wie die Franzosen halten wollt, dann taucht bitte nicht vor 20 Uhr zum Abendessen im Restaurant auf. Wer wie in Deutschland um 18 Uhr bereits vor den Türen mit den Hufen scharrt, dürfte in Frankreich nur ein Augenrollen ernten. Viele (gute) Restaurants öffnen übrigens auch nicht vor 19 Uhr.

Wenn ihr in Deutschland ein Restaurant betretet, habt ihr in der Regel freie Tischwahl. Nicht so in Frankreich. Hier werdet ihr vom Garçon, dem Kellner, zu einem freien Tisch geleitet. Das heißt: Wenn ihr ein Restaurant betretet, müsst ihr zunächst mal einen Moment warten, bis man sich eures Anliegen annehmt. Sagt euch der zugewiesene Tisch nicht zu, könnt ihr natürlich nach einer Alternative fragen. Die Tischzuweisung gilt freilich nur in Restaurants. In einfacheren Cafés, Bars oder Brasserien habt ihr in der Regel freie Platzwahl.

Eck-Restaurant in Paris mit Terrasse

Megan Markham

Ein gutes Essen beginnt mit einem Aperitif

Seid ihr in einem etwas feineren Restaurants unterwegs, wird euch vermutlich ein mehrgängiges Menü vorgeschlagen. In der Regel beginnt der Mampf-Marathon erst mal mit etwas Flüssigen, einem Aperitif. Nahezu jede Region in Frankreich hat ihren eigenen Aperitif – da fällt die Auswahl oft gar nicht so einfach. In der Normandie bietet sich ein Cidre oder Calvados an, in der Region rund um Bordeaux genießt man gern einen Lillet und in Languedoc-Roussillon darf es gern mal ein Süßwein sein.

Flaschen Cidre in einem Korb

makasana photo/Shutterstock.com

Egal was euch angeboten wird: Der Aperitif ist eine wunderbare Gelegenheit, sich zum Start durch die Region zu kosten! Während des Restaurant-Aufenthaltes bekommt ihr in der Regel kostenlos eine »carafe d’eau« auf den Tisch gestellt – eine Karaffe mit Leitungswasser.

Vorsicht beim Baguette!

Die nächste Fettnäpfchen-Gefahr lauert beim Baguette. Das ist in Frankreichs Küche omnipräsent. Darum aufgepasst: Liegt ein Stück Baguette auf dem Tisch, wird mit den Händen ein Stück abgebrochen. Benutzt niemals ein Messer dazu, um euch ein Stück abzuschneiden. Anschließend landet das Stück Baguette neben dem Teller, nicht auf dem Teller! Eine andere Falle lauert beim Wein. Trinkt nie, bevor nicht jeder am Tisch etwas eingeschenkt bekommen hat. Und schüttet euch nach dem Leertrinken niemals allein auf. Das ist ein No-go. Wartet unbedingt darauf, dass der Kellner euch nachschenkt.

Frankreich-Knigge: Das Baguette niemals schneiden, sondern reißen!

Africa Studio/ Shutterstock.com

Frankreich-Knigge: Obacht beim Käse

Danach folgen die Vorspeise (hors d’oeuvre), das Hauptgericht, der Käse und das Dessert. Suppen isst man in Restaurants in der Regel nur abends, nicht mittags. Beim Käse solltet ihr beachten, dass er häufig auf einem eigens hergerichten Wagen präsentiert wird. Da fällt die Auswahl nicht leicht! Und da ihr in Frankreich seid, ist es wahrscheinlich, dass euch etwas aus der französischen Käsefamilie kredenziert wird. Ziegenkäse, Weißschimmelkäse, Blauschimmelkäse und Rotschmierkäse sollten auf jeder guten Platte zur Auswahl stehen. Mehr als drei Stückchen solltet ihr nicht vom Wagen nehmen, das wirkt sonst ein wenig dreist.

Käse und Baguette auf einem Tisch

Alice Donovan Rouse

Nach dem Essen wird gern ein Kaffee getrunken.

Trinkgeld in Frankreich

Im Restaurant sind die Franzosen knausrig. Rund 10 Prozent des Rechnungsbetrages gilt bei vielen schon als Äußerstes. Die meisten Franzosen runden wie wir einfach nur auf. Ähnlich ist es nach der Fahrt mit dem Taxi: aufrunden reicht. Das pourboire, wie die Franzosen zu sagen pflegen, könnt ihr im Restaurant auf dem Tisch liegen lassen. Wenn ihr zahlt, dann zahlt übrigens nur einer. Kommt bloß nicht auf die Idee, den Kellner zu bitten, die Rechnung aufzusplitten.

Freunde bezahlen in Restaurant in Frankreich

Drazen Zigic/ Shutterstock.com

Das Trinkgeld fürs Reinigungspersonal im Hotel sollte sich am Standard des Zimmers orientieren und außerdem daran, wie viel Arbeit die Reinigungskraft tatsächlich mit dem Aufräumen und Säubern hat. Während in Businesshotels eher das Reiseende als passender Zeitpunkt gewählt wird, ist es in Ferienhotels ratsam, am Anfang des Aufenthaltes Trinkgeld zu geben. Ein konkreter Betrag ist schwer zu bemessen, aber empfehlenswert sind zwischen ein bis zwei Euro für eine Nacht und bis zu zehn Euro für eine Woche.

Chambre d’hôtes – perfekte Alternative zum Hotel

Während eures Frankreichurlaubs solltet ihr nicht nur in Hotels übernachten. Äußerst charmant sind nämlich auch die in Frankreich häufig vorzufindenden Chambre d’hôtes. Die Bed&Breakfast-Unterkünfte bieten eine Übernachtungskultur, die es in Deutschland so nicht gibt. Die Privatunterkünfte, maximal fünf Zimmer sind erlaubt, sind oft familiengeführt und eine wunderbare Gelegenheit, tief in das Gastgeberland Frankreich einzutauchen. Viele Betreiber der Chambre d’hôtes bieten an einzelnen Tagen der Woche ein Abendessen an, das sogenannte Table d’hôtes. Sollte das in eurer Unterkunft der Fall sein, solltet ihr es unbedingt mitbuchen.

Apropos Hotel: Solltet ihr in einer Stadt oder einem Dorf auf der Suche nach einer Unterkunft die Orientierung verloren haben und dann plötzlich ein Hinweisschild mit der Aufschrift »Hôtel de ville« entdecken, habt ihr euch zu früh gefreut! Das ist nämlich nicht das »Hotel der Stadt«, sondern das Rathaus!

Schild eines Gasthauses in einem Dorf in Frankreich

Daan Kloeg/ Shutterstock.com

Frankreich-Knigge: FKK am Strand und in der Sauna

Nackt in die Sauna marschieren – das ist bei uns total normal, nicht aber in Frankreich. Dort geht man nur in Badebekleidung in die Sauna. Daran solltet ihr euch auch halten. Wer gegen die Regel verstößt, kann sich eine Menge Ärger einfangen.

Gleiches gilt für die die meisten Strände. Nacktsein, mit den Kleidern die Zwänge des Alltags ablegen, das geht in Frankreich nur an ausgewiesenen FKK-Stränden. Aber diese sogenannten Plage Naturiste gibt es in Frankreich in Hülle und Fülle.

Strand in Etretat in Frankreich

Lynn Vdbr

Habt ihr Lust, euch weiter ins Thema zu vertiefen? Dann hätten wir einen Lesetipps für euch: Fettnäpfchenführer Frankreich – C’est la vie, aber wie! Von Bettina Bouju und Johanna Links, erschienen bei CONBOOK.