Wer derzeit in den Urlaub fliegt und vor Ort einen Mietwagen buchen möchte, muss sich auf saftige Preise gefasst machen – sofern man überhaupt noch einen Wagen bekommt. Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg haben der Branche schwer zugesetzt. Ein Ende der Mietwagen-Knappheit scheint auch im Sommer nicht in Sicht. Urlauber müssen weiter mit teuren Mietwagen rechnen.

Die Osterferien sind vorbei – und viele Urlauber, die sich in der Zeit spontan einen Mietwagen ausleihen wollten, schauten dabei in die Röhre. Der Grund: In manchen Urlaubsorten war an den Mietstationen kein Auto mehr zu bekommen. Anderenorts gab es mit etwas Glück statt eines günstigen Kleinwagens nur noch teure Mietwagen wie etwa SUV im Angebot.

Mann lehnt an SUV in der Wüste

Jamie Street

Und auch wer dank rechtzeitiger Buchung glücklicher Besitzer eines ganz normalen Mietwagens war, griff dafür deutlich tiefer in die Tasche. Kunden berichten von bis 100 Prozent höheren Kosten als vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Und ein Ende der Mietwagen-Knappheit ist nicht abzusehen. Sofern es überhaupt noch buchbare Mietwagen gibt, wird es den Urlaubsorten immer schwieriger, das Wunschauto zu finden. Vielerorts sieht es düster aus, etwa auf La Palma, in Malaga, Funchal, Paris und Marseille sowie in Fernzielen wie Cancun, Bonaire und Aruba. Ein Preisbeispiel für Palma de Mallorca: Hier liegt der Wochenpreis für den Mietwagen aktuell bei über 1.000 Euro. Kein Wunder, bereits im Winter fehlten auf den Balearen rund 50.000 Mietwagen, notierte die Mallorca Zeitung. Aber auch in den USA macht sich die Mietwagen-Knappheit bemerkbar. Dort betrug der Durchschnittspreis pro Mietwagenbuchung im Januar 2020 rund 430 Euro. In diesem Jahr liegt er bei knapp 1.180 Euro.

Füße aus dem Fenster beim Roadtrip

Tamara Menzi

Die Gründe für die Mietwagen-Knappheit

Die Mietwagen-Knappheit ging los, als die Corona-Pandemie ausbrach. Während der ersten Corona-Lockdowns war die Lage auf dem Mietwagen-Markt unvorhersehbar. Die Buchungen brachen zeitweise drastisch ein, zahlreiche Urlauber-Stornierungen hagelten auf die Verleiher ein. Die Folge: Die Mietwagen wurden in der Corona-Pandemie zu Ladenhütern. Auf den Parkplätzen der Verleiher stapelten sich die Autos. Die Autoverleiher reduzierten ihre Flottenbestände drastisch, bei den Autorherstellern verzichteten sie auf die Lieferung neuer Autos. Verständlich – denn kaum jemand konnte seriös vorhersagen, wie lang die Pandemie, die damit einhergehenden Reisebeschränkungen und die Nachfrage-Ebbe andauern würden.

Nun aber scheint die Tourismusbranche aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Viele Urlauber wollen nach der langen Corona-Durststrecke endlich wieder verreisen. Auch das Mietwagengeschäft zieht wieder kräftig an, heißt es bei SIXT: »Nun, da Regelungen zu Reisebeschränkungen nahezu vollständig aufgehoben sind, wollen die Menschen uneingeschränkt reisen. Dies konnten wir auch schon im Sommer 2021 beobachten. Wir gehen daher von einer sehr hohen Nachfrage in Europa und in den USA aus«, heißt es aus dem Unternehmen.

Sixt-Autovermietung in Berlin

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Gründe für teure Mietwagen: erst Corona, dann der Ukraine-Krieg

Doch jetzt sind die Mietwagen-Bestände an einigen Orten wie leergefegt. Zwar konnte SIXT seinen Flottenbestand gegenüber 2020 steigern und 2022 bisher einen höheren Bestand als noch 2021 verzeichnen – aber ob das reicht? Eher nicht. Vielmehr merken die Verbraucher: Mietwagen sind rar und teuer geworden.

Die Gründe dafür sind offensichtlich: Zunächst bescherten die durch die Pandemie ausgelösten Lieferprobleme einen Chip-Mangel – was zur Folge hatte, dass die Vermieter Probleme bei der Beschaffung von Fahrzeugen hatten. Nun sind es Lieferschwierigkeiten von Autobauteilen aufgrund des Krieges in der Ukraine, die die Branche in Aufruhr versetzt. »Manchen Fahrzeugherstellern fehlen beispielsweise akut Kabelbäume für die technische Ausstattung der Fahrzeuge. Daher haben sie keine andere Möglichkeit, als ihre Produktion herunterzufahren«, sagt Kai Sannwald, Geschäftsführer von Sunny Cars.

Mietwagen sind diesen Sommer leider teurer.

Alex Mares

Die vor Kriegsbeginn häufig in der Ukraine produzierten Kabelbäume stellen so etwas wie ein Symbolbild dar. Denn sie brachten aufgrund ihrer Individualität die Produktion in einigen Werken innerhalb wenige Tagen zum Stillstand. Wann das Problem behoben sein wird? Ungewiss: »Der Ukraine-Konflikt verstärkt die Produktionsprobleme und die Folgen sind derzeit für die gesamte Mobilitäts- und Reisebranche noch nicht absehbar«, sagt Miriam Grether von Europacar.

Autovermieter haben zu wenig Wagen

Denn anders als manch einer vermutet, verfügen die Mietwagen-Firmen meist nicht dauerhaft über ihr Autokontingent. Sie schließen vielmehr sogenannte Sale-and-buy-back-Verträge mit den Autoherstellern ab. Ein Verkauf und Rückkauf also, ähnlich wie beim Leasing. Mietwagen-Firmen erhalten von den Autoherstellern meist nur Fahrzeuge, die sie später wieder an den Hersteller zurück verkaufen. Dabei herrschen strenge Kriterien, beispielsweise über eine kurze Zulassung und einen niedrigen Kilometerstand. Dementsprechend lassen sich die Wagen lediglich kurzzeitig zur Vermietung einsetzen.

Autos in einer Reihe auf Parkplatz

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Die Folgen dieser Sale-and-buy-back-Verträge bekommen die Kunden heute zu spüren. Während der Corona-Krise gaben die Vermieter wie üblich ihre Autos an die Automobilhersteller zurück. Wollen sie nun neue, schauen sie in die Röhre. Denn viele Hersteller sind äußerst zurückhaltend, wenn es um Geschäfte mit den Mietwagen-Firmen geht. Der Grund liegt auf der Hand: Durch die geschrumpfte Zahl der Neuwagen verkaufen sie diese ohne Probleme an anderer Stelle mit mehr Gewinn. Schließlich ist die Nachfrage nach Privat- und Firmenwagen vor allem hierzulande ungebrochen hoch.

Logistikprobleme und Personalmangel

Wenn Hersteller Vermietern derzeit Autos zum Kauf anbieten, müssen diese viel mehr Geld auf den Tisch legen.  »Dabei entsteht beinahe ein Kampf um verfügbare Fahrzeuge«, sagt Kai Sannwald von Sunny Cars. Zusätzlich kämen Fahrzeuge teilweise aufgrund von pandemiebedingten Logistikproblemen nicht pünktlich zur Mietwagen-Station.» Selbst wenn wir wieder mehr Fahrzeuge geliefert bekommen, dauert es seine Zeit, bis diese mit Fähren und den dort entsprechend begrenzten Kapazitäten auf beliebten Urlaubsinseln ankommen«, erläutert Miriam Grether von Europcar. Nicht nur das: Mancherorts fehlt den Mietwagen-Verleihern Personal, da sich Mitarbeiter in der Corona-Zeit umorientierten und das Weite suchten.

Luftbild eines großen RoRo (Roll on/off) Fahrzeug-Transportschiffs

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Teure Mietwagen: Frühbucher-Appelle fruchten nicht

Was also tun? Abwarten, Tee trinken und im Urlaub auf den Mietwagen erst mal verzichten? »Buchen Sie rechtzeitig. Am besten jetzt schnellstmöglich für den Sommer und achten Sie auf Rabatte: Wenn unsere Kunden frühzeitig buchen, können wir besser planen. Damit profitieren beide Seiten«, empfiehlt Miriam Grether. Und: »Zusätzlich lohnt es sich immer, auf aktuelle Rabatte zu achten. Es gibt zum Beispiel regelmäßig Frühbucher-Aktionen bei uns.« Ob der Appell bei den Kunden fruchten wird, darf freilich bezweifelt werden. »Wurden die Mietwagen im Februar noch rund 80 Tage vor Anmietung reserviert, lag die durchschnittliche Vorausbuchungszeit im April bei nur mehr 66 Tagen«, sagt Thorsten Lehmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Sunny Cars.

Navigation beim Roadtrip mit dem Mietwagen

Leio Mclaren