Kein Motorenlärm, keine Staus, keine nervtötende Parkplatzsuche, keine verpestete Luft: Auf Inseln, auf denen keine Autos fahren dürfen, lässt es sich exzellent erholen. Wir haben weltweit sieben Eilände herausgesucht, die besondere Entspannung versprechen.

Mackinac Island, USA

Die USA sind nach wie vor das Land der blubbernden V8-Motoren; das Land, das einst mit dem Ford Model T die individuelle Mobilität demokratisierte. Und doch gibt es Flecken, die autofrei sind. Dazu zählt diese kleine Insel im Huronsee oberhalb der Lower Peninsula: Mackinac Island.

Frühling auf Mackinac Island in den USA

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Autofrei darf auf der Insel gern auch als immobil verstanden werden, denn die Vielfalt der architektonischen Stile ist groß. Sie reicht vom Greek-Revival- über Kolonial- bis zum Tudor-Revival-Stil. Die ältesten Strukturen sind mehr als 300 Jahre alt und stammen von den Ureinwohnern des Odawa-Stammes. Herausstechend sind das Grand Hotel aus viktorianischer Zeit oder das historisch bedeutsame Fort Mackinac, das im Unabhängigkeitskrieg von strategischer Bedeutung war.

Fassade des grand Hotel auf Mackinac Island in den USA

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Aber auch Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten. Neben den gepflegten Gärten wartet die Insel mit Taiga-Nadelwald auf, in dem sich Kojoten, Nerze und in Kalksteinhöhlen eine Menge Fledermäuse aufhalten. Vor allem aber ist das Süßwassereiland ein guter Ort für Vogelbeobachter. Der Mackinac National Park wurde 1875 gegründet und ist damit der zweitälteste Nationalpark der USA. Die Wassersportmöglichkeiten reichen von Fisch-Exkursionen, Kajak-Trips, Parasailing bis zum Segeltörn. Und wer auf der Insel mobil sein möchte, muss auf Kutsche oder Pferd zurückgreifen – wie in guten alten Zeiten. Oder zu Fuß gehen.

Juist, Deutschland

Nachhaltiger Tourismus ist hoch im Kurs. Dass auf dem 17 Kilometer langen Nordseeeiland keine Autos unterwegs sind, gehört zu den Selbstverständlichkeiten und lässt sich auch dort vermarkten. Unter dem Titel »Juist Unplugged« nimmt Thomas Vodde, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Insel, mit auf eine zweieinhalbstündige Fahrradtour und informiert über die Ökologie der Insel im Watt.

Strand auf der deutschen Insel Juist

Ibrahim Rifath

Auf Juist, das sich »Hot Spot der Biodiversität« bezeichnet, gedeihen 295 botanische Arten wie Moosglöckchen oder Waldhyazinthe, 71 Vogelarten leben dort. Die Fahrradtour mit dem Klimaexperten führt auch zum Wasserwerk, wo er die autarke Wasserversorgung der Insel erläutert (Termine 2019 hier). Die ostfriesische Insel hat ein Ziel: Bis 2030 will man klimaneutral sein. Es soll nicht mehr CO2 in die Luft gepustet werden, als eingespart wird.

Pferdekutsche auf der Insel Juist

Ibrahim Rifath

Juist liegt rund sieben Kilometer vom Festland entfernt. Die Insel ist von Norddeich-Mole aus per Schiff in eineinviertel Stunden erreichbar. Dass es vor Ort keine Autos gibt, heißt nicht, dass man kein Taxi bestellen könnte. Statt eines Pkw fährt kurze Zeit später allerdings ein Gespann mit Kutsche und Pferden vor.

Rottnest Island, Australien

Wer sich im Getriebe der westaustralischen Millionenstadt Perth selbst im Urlaub einmal reif für die Insel fühlen sollte, hat eine Option: ab zum Anleger Barrack Street Jetty und an Bord eines der Schnellboote von Rottnest Express gehen (Alternativ mit Rottnest Fast Ferries). 90 Minuten später ist man dort, wo eine Beuteltierart überlebt hat, die es ansonsten kaum noch in freier Wildbahn anzutreffen gibt. Die Rede ist vom Quokka, einem 30 Zentimeter großen Kurzschwanzkänguru, das als äußerst zutraulich gilt. Der Star von Rottnest Island.

Quokka lächelt in die Kamera

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Noch 8.000 bis 12.000 Exemplare sollen auf der 11 mal 4,5 Kilometer großen Insel leben. Einer der Gründe: Ratten als Feinde wurden nie eingeschleppt. Dafür aber kommen jährlich rund 500.000 Touristen, die Rottnest Island auf 50 Straßenkilometern meist auf dem Fahrrad erkunden. 63 Strände und 20 Buchten gibt es. Seelöwen sind heimisch, und im türkisen Wasser tummeln sich Delfine und manchmal auch Buckelwale, Exkursionen werden angeboten. Eine Ausnahme von der Regel »autofrei« ist ein Touristenbus. Er bringt Tagesgäste in einer Rundtour zu den schönsten Ecken. Zum Beispiel zum The Basin, so nennt sich der populärste Strand wegen seines natürlichen Schwimmbeckens im Riff.

Traumhafte Bucht auf Rottnest Island in Australien

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Ein Verkehrsmittel, das einem die Unterwasserwelt näher bringt, ist das Glasboden-Paddelboot. Es kann zum Beispiel bei Rottnest Kayak geliehen werden. Wer über Nacht bleibt, findet mehrere Unterkünfte, darunter neben einer Jugendherberge und mehreren Campingplätzen das »Hotel Rottnest« oder die »Rottnest Lodge«.

Suomenlinna, Finnland

Für skandinavische Verhältnisse spottbillig: Die 20-minütige Überfahrt vom Anleger an Helsinkis Marktplatz Kauppatori zur »Finnenburg« kostet gerade einmal zwei Euro pro Person. Und teurer wird’s auch nicht, denn die Fähre ist keine Autofähre. Wer die Seefestung Suomenlinna, offiziell ein Stadtteil der finnischen Hauptstadt, besucht, kommt zu Fuß oder hat sein Fahrrad dabei.

Brücke zur Festung Suomenlinna

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Suomenlinna ist eine Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert. Gebaut wurde sie, als Finnland noch unter schwedischer Herrschaft stand. Sie sollte als Bollwerk gegen das unter Peter dem Großen erstarkende Russland dienen, doch fiel es 1808 an den mächtigen Nachbarn im Osten. Erst über 100 Jahre später sollte sich Finnland die Unabhängigkeit erkämpfen.

Blick auf die Festungsinsel Suomenlinna vor der finnischen hauptstadt Helsinki

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Aufgrund seiner historischen Bedeutung zählt die sechs Inseln verbindende Finnenburg mit ihren vier Bastionen seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe. Vor der Haustür Helsinkis im Finnischen Meerbusen gelegen, ist Suomenlinna eine der größten touristischen Attraktionen des Landes. Die Besucher wandeln durch historische Tunnelgänge, schreiten durch das Königstor Kuninkaanportti oder inspizieren die Kanonen auf den Sandbänken aus russischer Zeit. Suomenlinna hat Strände, die Besucher kommen zum Spazierengehen, Joggen oder schlürfen Kaffee im alten Café Piper. Die letzte Fähre verlässt die Bastionsinseln um zwei Uhr nachts.

Brijuni Inseln, Kroatien

Der Gelbhaubenkakadu soll so husten können wie Tito. Der Vogel ist einer der letzten Gefährten des jugoslawischen Staatschefs, der 1980 starb. Er lebt im Safaripark der Insel Veli Brijun. Auch die Elefantenfrau Lanka, ein Geschenk der indischen Präsidenten Indira Ghandi an Tito, kannte den Diktator noch, der den Archipel jahrzehntelang als seinen Privatbesitz proklamierte.

Küstenlinie der Brijuni Insel in kroatien auf den Leuchtturm

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1983, drei Jahre nach Titos Tod, wurden die Inseln ein Nationalpark. Kurze Zeit später kam der Tourismus wieder in Fahrt, der im Grunde schon mit den Römern begonnen hatte. Der Bestand an Steineichen, Zypressen und Aleppokiefern ist groß. Auch ein uralter Olivenbaum wächst hier, dessen Alter per C14-Methode mit über 1700 Jahren ermittelt wurde. Er bringt noch heute Oliven hervor.

Von den istrischen Küstenstädten Fazana und Pula aus gibt es Schiffsverbindungen auf die Hauptinsel, auch Ausflüge mit Programm können gebucht werden. Wer nicht nur einen Tag bleiben möchte, kann im Hotel »Neptun« oder Hotel »Karmen« unterkommen. Auch Rundflüge über die Inselwelt können unternommen werden. Mit ein bisschen Glück sieht man dann Lanka sogar aus der Luft.

Lamu, Kenia

Esel statt Auto: Wer auf der Sandinsel, die sich dicht ans kenianische Festland schmiegt, unterwegs ist, kann ein Langohr mieten. Doch weit sind die Wege nicht, und Straßen gibt es gar nicht. Von der mittelalterlichen Lamu Town mit ihren engen Gassen und pittoresken, teils aus Korallenkalk gebauten Steinhäusern aus der Zeit der ersten Swahili-Siedler im 14. Jahrhundert, sind es nach Shela, einer weiteren Siedlung, nur rund zwei Kilometer.

Esel statt Auto heißt es auf der autofreien Lamu Island in Kenia

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Im Prinzip kann ganz Lamu Island an einem Tag erwandert werden. Die Küstenlinie ist 13 Kilometer lang, zum Land hin gedeihen Mangrovenwälder. Es gibt lange Sandstrände und Wanderdünen, Kokos- und Mangoplantagen. Und immer lockt der warme Ozean zum Planschen oder Tauchen am vorgelagerten Korallenriff.

Blick auf die Stadt in Lamu Island vom Wasser aus

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Ein besonderes Erlebnis ist ein Törn mit einer Dau, dem im Indischen Ozean verbreiteten Bootstyp mit Trapez-Segel, rund um Lamu und die benachbarten Inseln wie Pate oder Siyu. Mit einer Dau kommen auch die meisten Reisenden an. Vom Flugplatz auf den Halbinsel Manda Island, der von Mombasa oder Nairobi angesteuert wird, pendeln die archaisch anmutenden Segelschiffe als Fähren. Doch nicht zu viel der Romantik: Die Insel ist längst kein unentdeckter Ort mehr. Sienna Miller, Ewan McGregor und Kate Moss wurden gesehen, und Barack Obama war schon da. Die Unterkünfte sind teils ganz schön schick.

Koh Klang, Thailand

Ziegen erobern die Straßen, es spazieren manchmal riesige Warane umher, und auf den Reisfelder grasen die Wasserbüffel. Auf der Insel wird – als einer der wenigen Orte in Thailand – der braun-lilafarbene Sangyod-Reis angebaut. An den Ufern stehen traditionelle Holzhäuser auf Stelzen im Wasser, dahinter ein Saum aus Palmen, das Seafood gilt als exzellent. Koh Klang ist ein traumhaftes Stück Thailand. Doch der Klang von Motorengeräuschen ist nicht völlig abwesend.

Longtailboot fährt Richtung Koh Klang Insel in Thailand

Anna Ewa Bieniek/ Shutterstock.com

Zwar sind Autos auch hier auf der Insel mitten Flussdelta von Krabi verboten. Aber Tuk-Tuks dürfen wie im ganzen Land nicht fehlen und knattern entlang der sechs Kilometer langen Küstenstraße, die den Südosten mit dem Pier im Nordwesten verbindet, wo die meisten Gäste von Krabi ankommen. Ab dem Hafen der Stadt verkehren Longtail-Boote. Die Überfahrt dauert nur fünf Minuten. Den Transfer organisieren zum Beispiel Unterkünfte wie das »Islanda Hideaway Resort«.

Fast alle der rund 5.000 Insulaner gehören dem Islam an. So gibt es ein paar Regeln, an die sich Gäste halten sollten. Mit spärlicher Badekleidung umherzulaufen, verbietet sich. Und auch die Abwesenheit von Autos sollte nicht als Einladung zu Saufgelagen missverstanden werden. Denn offen zur Schau getragener Alkoholkonsum wird ebenfalls nicht gern gesehen.

Von Kuh Klang, Thailands autofreier Insel, ist es nicht weit zu den berühmten Zwillingsfelsen von Krabi.

beboy/Shutterstock.com

Dafür kann man zum Wahrzeichen Krabis, den Zwillingsfelsen von Krabi, paddeln. Unterhab der Monolithen von Khao Khanap Nam an einer steinernen Treppe im Fels legen auch die Ausflugsboote auf Krabi an. Die Stufen führen zu den Höhlen im Fels, die Siedler in der Antike einst als Wohnraum nutzten.

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