Auf der Kanaren-Insel La Palma kam es am Sonntag zu einem Vulkanausbruch. Wir beantworten wichtige Fragen rund um das Naturereignis und erklären, was das für Reisende bedeutet.

Was ist passiert?

Am vergangenen Sonntagnachmittag brach um 16:12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) der Vulkan Cumbre Vieja aus. Der Vulkan liegt im dünnbesiedelten Süden der Insel La Palma. Nach den derzeit vorliegenden Informationen wurden zwei lange Spalten beobachtet, die in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sind und etwa 200 Meter voneinander entfernt liegen, an denen Pyroklast-Fontänen und Lavaströme an mehreren Stellen austreten.

La Palma war auf den Ausbruch vorbereitet. Schon seit anderthalb Wochen tat sich etwas unter der Erde. Die Seismografen bemerkten erste Erdstöße, die immer näher an die Erdoberfläche rückten. Sie warnten bereits seit Tagen vor einem möglichen Vulkanausbruch. Sie wussten allerdings nicht, ob der Ausbruch unmittelbar bevorsteht oder sich noch Wochen, Monate oder gar Jahre hinauszögert.

Dann ging es alles ganz schnell. Noch in der Nacht auf Montag wurden Mitglieder der militärischen Notfalleinheit, der Umweltabteilung der Inselräte von Teneriffa und Gran Canaria, der Feuerwehr des Notfallkonsortiums von Gran Canaria und Beamte des Generalkorps der kanarischen Polizei auf die Insel entsandt. Die Feuerwehr von Teneriffa ist bereits zusammen mit lokalen Kräften der Insel La Palma an den Arbeiten vor Ort beteiligt.

Waren auch Touristen betroffen?

Ja. Die Gegend rund um den Vulkan Cumbre Vieja wurde evakuiert. Dies betraf vor allem den Ort El Paso, aber auch Puerto Naos, Los Llanos de Aridane und Tazacorte. Rund 6.000 Menschen mussten bisher ihre Häuser und Hotels verlassen, darunter rund 1.000 Touristen.

Puerto Naos ist ein beliebter Ferienort für Urlauber. Ein Hotel mit etwa 380 Touristen wurde evakuiert. Die Urlauber wurden mit der Fähre auf die nahe gelegene Insel Teneriffa gebracht. Auch andere Hotels und Appartements auf der Insel wurden evakuiert. Die rund 100 Touristen, die dort ihren Urlaub verbrachten, wurden zunächst in eine alte Kaserne in die Hauptstadt gebracht, später dann in andere Unterkünfte.

Lava fließt ins Meer

Marc Szeglat

Kann man sich das Naturspektakel ansehen?

Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto jedenfalls schien in einer ersten Reaktion mehr fasziniert denn erschüttert zu sein. In einem Interview sagte sie, jetzt sei der richtige Moment, sich auf den Weg nach La Palma zu machen, um »dieses wunderbare Spektakel der Natur« zu betrachten und »etwas Außergewöhnliches zu genießen«. Lokalpolitiker der Kanaren und die Opposition in Madrid fanden den Kommentar angesichts der Tragödie, die der Vulkanausbruch für viele Einheimische bedeutet, völlig daneben. Später ruderte die Ministerin wieder zurück und beteuerte, in ihren Gedanken bei den Menschen zu sein, die ihr Hab und Gut verloren hätten.

Die Regierung der Kanarischen Inseln zog mit Blick auf Katastrophen-Touristen jedenfalls die Reißleine. Schaulustige sind nicht willkommen. Sie hat einen Sperrradius von zwei Kilometern um die Emissionszentren empfohlen, um das Risiko durch pyroklastische Niedergänge und die Aussetzung von Gasen zu minimieren. Bürger und Touristen wurden aufgefordert, sich nicht in die Nähe der Lavaströme zu begeben. Der Grund liegt auf der Hand: Es besteht die Gefahr, dass sie dort austretenden Gasen, möglichen Erdrutschen und extrem hohen Temperaturen ausgesetzt sind.

Wie geht es nun weiter?

Abwarten ist das Gebot der Stunde. Zunächst war ein Rückgang der Seismizität zu beobachten, auch wenn weiterhin einige Erdbeben geringer Stärke registriert wurden. Das Auftreten von spürbaren Erdbeben wurde noch am Montag nicht ausgeschlossen. Zurecht: Es wurden und werden weiterhin Anhebungen des Erdbodens registriert; vor allem in dem Gebiet, das der Eruption am nächsten liegt, und zwar bis zu einer Anhebung von 19 Zentimetern. Die Überwachung der Vulkan-Tätigkeit wurde verstärkt. In der Nacht auf Dienstag wurde ein Beben in einer Stärke von 3,8 registriert.

Die Lava suchte sich derweil ihren Weg Richtung Westküste. Die Orte La Bombilla and Puerto Naos, wo etwa 200 Einheimische leben, wurden evakuiert. Gleiches gilt in der Zwischenzeit für den Ort Tacande.

Was sagt das Auswärtige Amt dazu?

Die Lage ist derzeit unübersichtlich. Von Evakuierungen in Gebieten der Insel, die nicht vom Vulkanausbruch betroffen sind, ist derzeit nichts bekannt.

Landschaft im Cumbre Vieja auf La Palma

OMP.stock/Shutterstock.com

Dennoch hat das Auswärtige Amt auf seiner Website eine Reisewarnung für die Insel ausgesprochen. Dort heißt es: »Von nicht notwendigen Reisen nach La Palma wird derzeit abgeraten.« Zur Begründung heißt es, es bestünde erhebliche Waldbrandgefahr und das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung durch Ascheregen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Flughafen auf La Palma geschlossen werden muss. Eine aktuelle Abfrage der An- und Abflüge vom Flughafen La Palma zeigt: Der Airport ist derzeit in Betrieb.

Welche Empfehlung hat das örtliche Fremdenverkehrsbüro?

In einer Mitteilung an die internationale Presse schreibt das Tourismusbüro von La Palma: »Der Vulkanausbruch betrifft ein ganz bestimmtes Gebiet im Westen von La Palma. Der Rest von La Palma  funktioniert normal. Es gibt keine Auswirkungen auf die touristische Aktivität.« Von den rund 1.000 Touristen, die von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen waren, hätte sich das Gros dazu entschieden, an einem anderen, sicheren Ort auf der Insel zu bleiben, heißt es weiter. Eine Minderheit habe die Insel verlassen und sei mit der Fähre nach Teneriffa gereist.

Für Touristen, die eine Reise nach La Palma planten und deren Aufenthalt nicht in einem der vom Vulkanausbruch betroffenen Gebiete läge, bestünde »derzeit kein Problem«. Es sei jedoch ratsam, sich vor dem Flug mit den Unterkunftsanbietern in Verbindung zu setzen, um die Situation zu überprüfen, heißt es weiter.

Wie reagieren die Reiseveranstalter?

Der Reiseveranstalter DER Touristik hat Gäste aus den betroffenen Regionen nach Teneriffa evakuiert. »Wir betreuen unsere Gäste sehr umfangreich vor Ort und organisieren von dort die Heimreise«, erklärte eine Sprecherin gegenüber reisen EXCLUSIV. Man sei an ein internationales digitales Frühwarnsystem angeschlossen und könne auf Knopfdruck die Gäste sofort über etwaige Änderungen informieren. Vor Ort habe DER Touristik  am Hafen auf La Palma eine Außenstation der Agentur eingerichtet, sodass man dort rund um die Uhr für etwaige Reisegäste erreichbar sei.

»Reisegäste können bis zum 28.09.2021 kostenlos umbuchen oder stornieren. Wir bitten unsere Reisegäste, ihre Reiseabsichten in Anbetracht der unklaren Lage dringend zu überdenken. Reisegäste vor Ort bieten wir kostenlose Umbuchungen nach Teneriffa oder Stornierungen an.«

Die TUI in Großbritannien erklärte: »Wir können bestätigen, dass die betroffenen Gebiete der Insel keine Auswirkungen auf unsere Kunden haben und unsere Flüge wie geplant durchgeführt werden. Wir werden die Situation weiterhin genau beobachten und die Kunden direkt kontaktieren, falls ihr Urlaub beeinträchtigt wird.« Tui-Sprecher Aage Dünhaupt erklärte, man stünde mit den Behörden in Kontakt und böte anreisenden Gästen »in den nächsten Tagen gebührenfreie Umbuchungen an«.

Beim Deutschen Reiseverband (DRV) hält man sich zurück. Das liegt vor allem daran, dass La Palma in erster Linie von Individualtouristen besucht wird – Urlauber, die ihre Reise nicht beim Veranstalter buchen, sondern auf eigene Faust unterwegs sind. »Diejenigen, die mit einem Reiseveranstalter auf der Insel sind oder bald fliegen wollen, sollten tunlichst mit ihrem Veranstalter Kontakt aufnehmen und klären, wie die Situation ist«, empfiehlt DRV-Pressesprecherin Kerstin Heinen.

Welche Rechte habe ich als Reisender?

Urlauber, die eine Pauschalreise auf die Insel gebucht haben, könnten kostenfrei vom Reisevertrag zurücktreten, sagt Reiserechtsanwalt Arndt Kempgens. Er verweist auf § 651h Abs. 3 BGB. Demnach ergeben sich vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag. Sind diese am Bestimmungsort – und auch bei der Beförderung – erheblich beeinträchtigt, sei ein Rücktritt möglich. »Dabei fallen dann keine Stornierungskosten an«, erläutert Kempgens. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes sei ein deutliches Indiz, dass dies nicht nur die vom Vulkanausbruch betroffenen Regionen, sondern die gesamte Insel betreffe.