Du reizvolles Fleckchen Erde am Ende der Welt. Wer es bis hierhin schafft, sollte Zeit mitbringen, um das »Land der langen, weißen Wolke« ausgiebig zu bereisen. Wir haben in unserem engen Zeitfenster eine kleine, kompakte Tour auf der Nordinsel Neuseelands gewagt zwischen Auckland und Whanganui. Ein überaus inspirierendes Speed-Dating sozusagen, gespickt mit Geheimtipps.

Es ist Abend. Wir sind müde. Nach einer Anreise von fast 30 Stunden sind wir verwirrt. Welches Datum haben wir heute? Wie viel Uhr ist es jetzt? Und steht uns der Sinn nach Frühstück oder Abendessen? Momentan haben wir das Bedürfnis, uns einen Drink zu genehmigen. Wir wollen anstoßen. Anstoßen darauf, dass wir unten rechts auf der Weltkarte angekommen sind, nur, um Nichtgeografen noch mal einen kleinen Eindruck zu geben, wo Neuseeland eigentlich liegt. Es liegt auf der Südhalbkugel. Hier ist das nächtliche Sternenbild ein anderes, die Jahreszeiten sind gegenteilig, und auch der Verkehr fährt links.

Skyline von Auckland

Dan Freeman

Konfusion auf ganzer Linie

Wir haben Hunger und hatten Glück, in einem der coolsten Restaurants von Auckland einen Tisch zu bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass es noch sehr früh am Abend ist und die Auckländer wahrscheinlich noch auf ihren Bürostühlen sitzen, während wir mit zufallenden Augen kämpfen. Macht nichts, so haben der Küchenchef Sid Sahrawat und sein Chefkoch Alok Vasanth noch genügend Lust, ihre Leidenschaft für die regionale Küche ihrer Heimat zu beweisen.

Das Cassia ist ein indisches Restaurant in der Fort Lane, an dem der Unwissende höchstwahrscheinlich vorbeilaufen würde. Es liegt in einem »unterirdischen Speisesaal«, wie es das Restaurant nennt, oder »im Keller«, wie mein Mann sagen würde. Doch anstatt düster und verfallen zu wirken, funkeln Lichtinstallationen. Irgendwie fühlt es sich so an, als hätten wir bereits nach ein paar Stündchen in der Stadt das bestgehütete kulinarische Geheimnis entdeckt.

Wir fühlen uns wie die Trüffelschweine unter den Reisejournalisten

Unser Zustand mag diesen Eindruck verstärken, doch ich bin mir sicher, dass die exquisiten, exotischen und komplexen Gerichte, die wunderschön angerichtet sind und zudem zart auf der Zunge zergehen, auch ohne Jetlag ein sinnliches Vergnügen wären. Neuseeland präsentiert sich am ersten Abend bereits von seiner besten Seite. Geschmackvoller kann eine Reise kaum beginnen.

Unser Aufenthalt in Auckland ist jedoch kurz. Unser Zeitplan eng. Wir machen uns am nächsten Tag schon auf den Weg, die Nordinsel Neuseelands zu erkunden. Faszinierend, dass vor nicht mal 1.000 Jahren die ersten Maoris auf ihren Kanus hier anlegten. Es ist das letzte Land der Erde das von Menschen besiedelt wurde. Und auch wenn uns große, bullige Autos auf dem Weg nach New Plymouth begegnen, so ist es doch vielerorts zu spüren, dass Neuseeland sehr lange eine unberührte, wilde Schönheit war.

New Plymouth

Jennifer Latuperisa-Andresen

Im Schatten des schlafenden Mount Taranaki liegt das authentische Städtchen New Plymouth an der Westküste der Nordinsel. Touristisch betrachtet befindet sich die Region noch im Dornröschenschlaf. Grundlos, wie ich finde. Mir gefällt es hier auf Anhieb. Denn unser Startpunkt ist der zehn Kilometer lange Coastal Walkway.

Der beginnt für uns an der Te Rewa Rewa Brücke, die entweder an ein Walskelett erinnert oder an eine verdrehte Schraube, und der an der »kinetischen Skulptur« mit dem Namen »Wind Wand« vorbeiführt und am Paritutu Rock endet, der uns eine fantastische Aussicht über das fruchtbare Land und den wilden Ozean gewährt (von dem Fabrikschornstein, der direkt vor unserer Nase steht, will ich jetzt mal nicht reden).

Te Rewa Rewa Brücke

Jennifer Latuperisa-Andresen

Die Bewohner von New Plymouth haben ein Händchen für Kunst

Monica Brewster hat die Stimmung der Hippie-Zeit aufgegriffen, um 1970 die »swingiest art gallery of the antipodes« zu eröffnen. Immer im Hinterkopf: der Tabu-Bruch, die Rebellion, die Provokation. Schöne Stillleben sucht man in der Govett-Brewster Art Gallery vergeblich. Alte Meister ebenso. Brewster war als Kunstmäzenin eher bekannt dafür, spannende Ideen und bahnbrechende Visionen zu protegieren.

Der neue Anbau aus dem Jahr 2015 für das Len Lye Centre hätte ihr architektonisch gefallen, weil er durch die spektakuläre Spiegelfassade mutig die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Vor meinem eigenen Spiegelbild graut es mir ein wenig, als ich mit den Füßen im dunkeln Sand des Fitzroy Beach stehe. Der Neoprenanzug kaschiert keinen Millimeter meines Körpers, und spätestens als ich mich auf das Brett legen soll, um die Position des Paddelns zu erlernen, fühle ich mich wie ein gestrandeter Wal. Nun gut, was macht man nicht alles aus Recherchegründen.

Eine Legende als Surflehrerin

Meine Surflehrerin ist eine Legende in New Plymouth, ach was, im ganzen Land. Nach Jahrzehnten des Surfens sagt Daisy Day, dass der Anblick einer hohen Welle bei ihr noch immer Gänsehaut verursacht.

Surferin Daisy Day

Jennifer Latuperisa-Andresen

Bei mir verursacht es hingegen jetzt eher Angstschweiß. Dabei bin ich die Große, ich stehe nämlich mitten in Daisys Kinderkurs und sorge mit meinen unbeholfenen Hampeleien und meinen behäbigen Versuchen, in die Hocke zu springen, bei den Kleinen für süßes Gekicher. »Schön zu sehen, dass viele Mädchen dabei sind«, bemerke ich, auch dankbar für die sportliche Pause, die meine journalistischen Fragen mit sich bringen. »Denen gibt der Sport unglaubliches Selbstvertrauen«, erzählt Daisy, die früher selbst gern an Wettbewerben teilgenommen hat, um die Frauenquote nach oben zu schrauben. Und Daisy ist nicht nur der erste weibliche Präsident des Surfclubs in Fitzroy, sie könnte auch Botschafterin der Region werden.

Erst schwärmt sie uns von »den Traumstränden in New Plymouth« vor, »die tollsten im ganzen Land«. »Seht doch, wie breit der Strand hier ist und wie einsam. Ich würde nirgendwo sonst leben wollen.«

Wandertipps? Gern! Her damit!

Ein Grund dafür ist auch die tolle Natur. Daisy geht, wenn sie nicht im Wasser ist, gerne wandern. Deswegen bekommen wir gleich ihre Lieblingswanderwege genannt. Die wir uns brav notieren, schließlich ist das Terrain um den Taranaki unser nächstes Ziel. Der Egmont Nationalpark, in dessen Mitte der Mount Taranaki (ehemals Mt Egmont) mit seinem 2.518 Meter hohen Vulkankegel wacht, ist nur ein paar Autominuten entfernt.

Mount Taranaki

Jennifer Latuperisa-Andresen

Viel zu kurz für mich, um zu verschnaufen. Jetzt auch noch wandern? Zu Hause ist mein täglicher Anstieg in die dritte Etage zu unserer Altbauwohnung mein einziger Sport. Ich suche mir aus ihrer Liste einen kurzen Weg und beschließe eine Wanderung zu den Wilkies Pools. Das sind natürliche alpine Tauchbecken, die an einem sanften Wasserfall liegen.

Die Strecke ist nur 1,3 Kilometer lang und der Anstieg, selbst für einen Faulpelz wie mich, gut absolvierbar. In die Pools steige ich jedoch nicht. Was nichts damit zu tun hat, dass wir dort nicht ankommen, sondern weil die Sonne sich just versteckt. Auch der schneebedeckte Gipfel hüllt sich mittlerweile in ein bauschiges Wolkenkleid. Aber das macht nichts, die Natur rund um den schlafenden Vulkan ist atemberaubend. Plötzlich steht man inmitten eines Dschungels aus Rimu- und Kamahi-Bäumen. Insgesamt warten hier über 300 Kilometer malerische Wanderwege, die quer durch den Regenwald führen, vorbei an Wasserfällen oder moosigen Sümpfen. Etwa zwei Stunden sind wir im Park unterwegs und begegnen keiner Menschenseele. Dabei gilt der Mount Taranaki als Neuseelands meistbestiegener Berg.

Ab aufs Golfcart

Am nächsten Tag fahren wir Golfcart. Beziehungsweise mein Mann fährt.

Jan Malte Andresen Golfcart

Jennifer Latuperisa-Andresen

Ich sitze nur daneben. Aber wir fahren nicht über einen Golfplatz, obwohl das Grün um uns herum mit einem gepflegten Bermuda-Rasen um die Wette strahlen könnte. Wahrscheinlich haben hier schon Generationen an Schafen gefuttert. Los geht’s. Wir tuckern über Schienen durch die sogenannte »vergessene Welt« in eine unbekannte Republik. Klingt spannend? Ja, ist es auch. Die Wagen von »Forgotten World Adventures« sind tatsächlich für den Schienenverkehr ausgelegt. Das wiederum ist ein glücklicher Zufall, dass eben die jahrhundertealten Eisenbahnschienen die gleiche Spurweite haben wie ein handelsübliches Golfcart.

Also hat sich Ian Blame ein paar ausrangierte und bereits in die Jahre gekommenen Wägelchen aus den USA besorgt, diese schienentauglich umgebaut und daraus einen großen Touristenspaß gemacht. Mein Mann gibt also Gas, und wir tuckern gemächlich, in gefühlter Schrittgeschwindigkeit, aber es sind wohl doch 20 km/h, durch die grüne Einöde Neuseelands. Es ist wunderschön.

Schafe in Neuseeland

Jennifer Latuperisa-Andresen

Würden wir Schäfchen zählen, die uns am Wegesrand verdutzt anschauen, würden wir wahrscheinlich in einen Tiefschlaf fallen. Stattdessen setzt zum ersten Mal auf dieser Reise Entspannung ein, und wir bekommen unser Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Es ist so simpel. Wir müssen nicht mal lenken, es gibt kaum etwas zu sehen außer menschenleeren Landstrichen, zerklüfteten Hügeln und sattgrünen Tälern, dennoch ist es eine traumhafte Erfahrung.

Geisterstadt mit acht Einwohner

Ein klein wenig spannend wird es bei den wenigen Bahnübergängen, die es zu überqueren gilt, ohne aus der Spur zu hüpfen. Oder in den ewig langen, stockdusteren Tunneln, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob am Ende auch wirklich wieder die Sonne scheint.

Golfcart-Bahngleise in Neuseeland

Jennifer Latuperisa-Andresen

Ab und zu halten wir an. Fotografieren uns im Cart, die Schafe drum herum und freuen uns, wenn uns ein Reiter oder Motorradfahrer staunend begrüßt.

Als der Bau der Eisenbahn 1901 begann, verlief die Strecke durch einen florierenden Korridor aus Ackerland, Forstwirtschaft und Kohlebergwerken. Die Versorgung erfolgte damals mit der Bahn auf diesen Schienen. Beispielsweise hatte die Stadt Tangarakau zu florierenden Eisenbahnzeiten 1.200 Einwohner. Heute erklärt ein Schild sie zu einer »Geisterstadt« mit nur acht Bürgern.

Es ist eine mehrstündige Tour. Wie lange sie realistisch dauert, können wir nicht sagen. Wir haben uns einfach sehr viel Zeit gelassen und die Umgebung und die jungfräuliche Atmosphäre genossen. Teilweise sah es wirklich so aus, als hätte dieses Fleckchen Grün bisher kein Mensch betreten. Am Ende unserer Tour erreichen wir die »Republik Whangamomona«, deren Grenzposten heute leider verwaist ist.

Haus in der Republik Whangamomona in Neuseeland

Jennifer Latuperisa-Andresen

In den 1980er Jahren sollten neue Bezirksgrenzen in Neuseeland gezogen werden. Doch damals passten die Vorschläge des Landes nicht zu den Vorstellungen der 20 Einwohner des Dorfes Whangamomona. Also beschloss man mit einem zwinkernden Auge, eine autonome Republik auszurufen. Wie muss ich es mir vorstellen?

Eine Ziege und einen Pudel als Präsidenten

Man nehme Christiana (Kopenhagen), die Kulisse eines Western und die Ideen einer Filmproduktion der Coen-Brüder. Whangamomona ist ein beschauliches Dörfchen inmitten des Nichts. Das Leben innerhalb der Landesgrenzen spielt sich hauptsächlich um das Hotel ab. Das hat immerhin 17 Zimmer und einen Saloon. Wer offiziell einreisen will, muss das nötige Kleingeld auf den Tresen legen, um sich vom Grenzbeamten, ähm, ich meine dem Barkeeper, einen Stempel in den Pass drücken zu lassen.

Jennifer Latuperisa-Andresen

Und jetzt zum Highlight: In ihrer Geschichte hat die Republik eine Ziege und einen Pudel zum Präsidenten gewählt. Schön schräg, oder? Wir sind allerdings hier, um unsere Mitfahrgelegenheit für unseren nächsten Stopp zu erwischen. Achtung, das klingt jetzt dekadent. Auf uns wartet ein Helikopter, der uns in die wahre vergessene Welt fliegt. Der Pilot ist anscheinend schwer beeindruckt von unserem Job und möchte uns nicht nur den mittlerweile weltberühmten Fluss Whanganui aus der Vogelperspektive zeigen (dazu später mehr), sondern auch seine atemberaubenden Flugfähigkeiten beweisen, die an Manöver aus Vietnam-Kriegsfilmen erinnern.

Kopfüber, Seitenlage, drehend, wackelnd, vorwärts, rückwärts, ICH KANN NICHT MEHR! Bis wir schließlich auf irgendeiner Wildgrasfläche im Whanganui Nationalpark landen. Ich torkele benommen aus dem Hubschrauber und habe jetzt bereits weiche Knie. Die Vegetation hier erinnert mich auch irgendwie an Vietnam. Ist das wirklich noch Neuseeland?

Der Wald wuchs zurück und löschte fast alle Spuren der Besiedlung

Das werden sich die Bauern, die hier nach dem Ersten Weltkrieg (meist waren es Veteranen) angesiedelt wurden, ebenfalls gefragt haben, als man sie in dieses unwegsame Gelände schickte, ihnen dort Land schenkte und hoffte, sie könnten es bewirtschaften. Die Absicht war, später Straßen zu bauen, das Nirgendwo mit der nächsten Stadt zu verbinden und den Bauern ein »normales« Leben zu ermöglichen. Doch so weit kam es nie. Die ehemaligen Soldaten brachten ihre Frauen mit und wohnten mit ein paar Leidensgenossen mitten im Busch. Besorgungen waren eine Lebensaufgabe, das Bestellen der Felder sowieso.

Eine hölzerne Drehbrücke für Pferde war damals der Zugang zum Tal über die Mangapurua-Schlucht. Nach jahrelanger Aufregung innerhalb der Gemeinde wurde 1936 eine robustere Betonstraßenbrücke gebaut. Allerdings wurde diese nur sechs Jahre lang genutzt. Die Soldaten hatten nämlich 1942 genug vom harten Leben, den schlechten Böden und die dadurch verursachte Not, und so verließen 32 Familien die Pampa. Der Wald wuchs zurück und löschte alle Spuren der Besiedlung bis auf die Brücke aus.

Bridge to Nowhere ist die Touristenattraktion Nummer eins

Heute ist die »Bridge to Nowhere« eine der meistbesuchten Attraktionen im Whanganui-Nationalpark. Sie ist und bleibt eine verlassene und isolierte Betonbrücke, die über den Mangapurua-Bach inmitten des Regenwaldes führt. Keine Straßen führen zu ihr.

Bridge to Nowhere ist eine Betonbrücke, die den Mangapurua Stream überspannt

Jennifer Latuperisa-Andresen

Man muss sich das Erlebnis sozusagen erwandern. Weil die meisten Besucher sich nicht mit dem Helikopter absetzen lassen, müssen sie auch nicht, wie wir, zur Brücke hinabsteigen. Das klingt im Grunde komfortabler als hinauf (ich erinnere an dieser Stelle noch einmal an mein sportliches Pensum). Allerdings habe ich auch zudem noch Höhenangst (okay, es wirkt so, als sei ich für den Job nicht wirklich geeignet) und war bereits mächtig stolz, als ich die Hängebrücke im ehemaligen Bauerndorf mutig überschritten hatte. Doch nun das.

Ein Steinrutsch hatte den Wanderweg zur »Bridge to Nowhere« und somit unseren einzigen Ausweg ein paar Stunden zuvor völlig weggerissen. Dort, wo vorher wohl ein Weg am Rande des Abgrunds war, befindet sich jetzt nur noch Abgrund. Dekoriert mit rutschigem Geröll, das bei der kleinsten Berührung Hunderte Meter lautstark in die Tiefe braust. Samt mir, wenn ich nicht aufpasse. Den Guide kümmert das wenig. Der hält mich für eine deutsche Schissbuchse (hat er ja auch recht) und hat kein Verständnis für meine Hysterie.

Hilfe, nur noch ein einziger Abgrund

Mein Mann jedoch beweist Geduld und hat durchaus gute Argumente. »Es gibt keinen anderen Weg, Schatz. Und auch, wenn wir zurückgehen, du hast die Hälfte schon geschafft, dann musst du dort wieder zurück. Also komm, der Rest geht auch noch.« Ich nicke. Muss aber erst einmal ein wenig weinen (niemand hat gesagt, dass der Job emotionslos ist) und meine weichen Knie unter Kontrolle bekommen. Doch mein Mann ist todesmutig und stellt sich zwischen mich und den Abgrund, hält mich und führt mich Schritt für Schritt. Er hat mir das Leben gerettet. Ohne ihn würde ich da heute noch hocken und von den vier Keksen zehren, die ich noch im Rucksack hatte.

Doch zurück zur Brücke, die wir bisher noch nicht erreicht haben und die wir überqueren müssen, um den Zugang zum Whanganui River zu haben, der auch damals für die Siedler der einzige Weg in die Zivilisation war. Heute ist der Whanganui auch der übliche Zugang zur Brücke. Die meisten Touristen kommen mit dem Jet Boat und spazieren dann 40 Minuten hinauf. Doch viele von ihnen wissen nicht um die Bedeutung des Flusses, auf dem sie mit 80 km/h hin und wieder zurück düsen.

»Ko au te Awa ko te Awa ko au« – so erklärt uns Gerrard Albert die Bedeutung des Flusses. Das bedeutet »Ich bin der Fluss und der Fluss bin ich«.

Der Fluss hat eine wichtige Bedeutung

Um es kurz zu halten: Der Fluss ist für die Maori heilig. So war er auch der erste Kontakt der Polynesier mit dem heutigen Neuseeland hier.

Whanganui River

Jennifer Latuperisa-Andresen

Dank des Flusses hatten sie die Chance, das Inland zu entdecken und zu besiedeln. Heute hat der Whanganui, nach einem 140 Jahre währenden erbitterten Kampf der Maori, die juristischen Rechte einer Person.

Und Gerrard ist seine legale Vertretung. Er erklärt uns in einem typischen polynesischen Versammlungshaus die Bedeutung des Flusses für seinen Iwi (Stamm).

»Der Fluss ist für uns ein lebendiges Wesen, der Ursprung meines Stammes, der Versorger meiner Ahnen, und nun können wir ihn gegen etwaige Verschmutzungen oder andere Eingriffe schützen.«

Die vielen Paddler jedoch, die im Sommer auf dem Whanganui mehrtägige Kanutouren unternehmen und an den Ufern campen, sind ihm dabei kein Dorn im Auge. Ganz im Gegenteil.

Ausflugsdampfer auf dem Whanganui River

Jennifer Latuperisa-Andresen

Leben soll an den Fluss. »Das fördert seine Wahrnehmung und Wertschätzung«. Der Whanganui Iwi ist auch sehr stolz auf seinen juristischen Erfolg. Denn der drittlängste Fluss Neuseelands ist der erste weltweit, der 2017 diesen Status zugesprochen bekam. Darauf folgte bereits der Ganges in Indien.

Das fast unbekannte Whanganui am Ende der Welt schreibt also Geschichte. Und ja, hier in dem kolonialen Städtchen Whanganui, wo der gleichnamige Fluss in den Pazifik mündet, endet auch unsere Geschichte von der kompakten Reise auf der Nordinsel Neuseelands. Wir haben noch mehr erlebt am Ende der Welt, noch mehr aufgespürt, aber davon erzähle ich euch das nächste Mal.

Infos und Tipps für eine Reise nach Neuseeland

Infos. Zahlreiche Informationen über das Reiseland Neuseeland gibt’s auf der Webseite von Tourism Newzealand.

Anreise. Am besten mit Singapore Airlines mit Zwischenstopp in Singapur. Das teilt die Strecke in zwei etwa gleich große Teile. Die Sitze sind fantastisch, der Service ist ausgezeichnet und das Entertainment reichhaltig. Singapore Airlines fliegt täglich ab Düsseldorf, Frankfurt a. M. und München nach Singapur und von dort aus weiter nach Auckland. Den reisen-EXCLUSIV-Guide gibt es hier.

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