Manche Orte brennen sich tief ins Bewusstsein ein und beeindrucken langfristig. Wenn man dann noch das unfassbare Glück hat, dass man an einem ganz besonderen Tag an einem solch besonderen Ort verweilen darf – dann hat man seinen Geburtstag im neuen Chikwenya Camp in Simbabwe verbracht.

5:00 Uhr

Es summt – erst in meinem Traum, doch als ich langsam aus meinem tiefen Schlaf gedanklich in das gemütliche Himmelbett zurückkehre, erhasche ich auf der anderen Seite der dünnen Zeltplane eine menschliche Silhouette im Dämmerlicht. Die – jetzt erkenne ich die Melodie –»Happy Birthday« summt. Augenblicklich bin ich hellwach. Wenig später sitze ich auf meiner geräumigen Terrasse, eine warme Tasse Kaffee in Händen, die mein Weckservice mir aufmerksamerweise auf die Terrasse gestellt hat. Der bittere Kaffeegeruch mischt sich mit dem süßlichen Duft der umliegenden Feigen- und Affenbrotbäume. Vor mir erahne ich schon den sanft dahinfließenden Riesen, den Sambesi.

Breit und wild fließt der Sambesi am Chikwenya Camp vorbei.

Caroline Culbert

Eine leichte Brise, die noch die Kühle der Nacht mit sich trägt, raschelt durch die Bäume. Glücklicherweise habe ich mir noch schnell den dünnen Bademantel übergezogen, dessen Muster so schön sind, dass ich ihn am liebsten mitnehmen mag. Die Bademäntel – wie viele der Details im Zimmer – sind von dem hier angesiedelten Stamm der Shona handgefertigt. Der Wind weht das Röhren eines Nilpferdes herüber, das mit mir diesen neuen, schönen Tag begrüßt.

Neugierig äugen die Nilpferde die Gäste des Chikwenya Camp.

Marie Tysiak

8:00 Uhr

Hier sitze ich nun, Angel in der Hand – doch meine Gedanken schweifen verträumt zur Rift-Valley-Bergkette auf der anderen Uferseite. Bei diesem strahlend blauen Wetter reicht der Blick weit über die dicht bewachsenen Hügel am Horizont, die wild bis ans Flussufer auslaufen. Dort – auf der anderen Flussseite – ist Sambia. Kein einziges Haus ist weit und breit zu sehen, auch unser Boot wankt einsam in dieser grandiosen Szenerie. Stromschnellen und Wasserfälle, allen voran die berüchtigten Victoria-Wasserfälle, haben in Simbabwe den Sambesi als Verkehrsweg unnutzbar gemacht. Die wilde und ertragsarme Landschaft zu beiden Seiten tat ihr Übriges. Und so haben sich kaum Menschen angesiedelt in diesem riesigen Gebiet, das heute den Mana-Pools-Nationalpark bildet.

Eindrucksvoll steigt diese Gruppe junger Elefantenbullen vor dem Chikwenya Camp in Simbabwe aus dem Sambesi.

Marie Tysiak

Zum Glück der Natur. Denn für die ist der Sambesi Lebensader. Wenige Meter von unserem Boot entfernt lugen immer wieder die neugierigen Augen einer Nilpferd-Familie aus dem braunen Wasser, brav in Reih und Glied. Elefanten trinken am Ufer, wo Krokodile lauern und lüstern die Sattelstörche beobachten, die durch das hohe Gras auf Chikwenya Island staksen.

Beim Chikwenya Camp ist der Fluss so breit, dass eine mehrere Kilometer lange und breite Insel den Fluss zeitweilig teilt und unserem Boot ein wenig Schutz liefert, um abseits der großen Strömungen zu fischen. Denn hier tummeln sich die berüchtigten Tigerfische. Die Raubfische mit ihren spitzen Zähnen sind das afrikanische Äquivalent zum Piranha Südamerikas. Der aggressive Tigerfisch soll Afrikas einziger Fisch sein, der sogar tief fliegende Vögel erbeuten kann.

Die Guides im Chikwenya Camp in Simbabwe kümmern sich sehr rührend um die Gäste.

Marie Tysiak

11:00 Uhr

Doch heute habe ich kein Anglerglück, bis auf einen kleinen Fisch als Köder besteige ich drei Stunden später mit leerem Eimer wieder den Safari-Jeep, den wir am Bootsanleger  geparkt haben. Einmal hat sogar ein Tigerfisch angebissen – und es wurde ganz schon aufregend an Bord. Doch schlussendlich ries die Leine – und Köder und Tigerfisch waren fort. Das macht aber gar nichts, finde ich, als Angelguide Abiot den Motor des Geländewagens startet. Die Ruhe auf dem Sambesi war einfach magisch. Nicht nur für die vielen großen und kleinen Tiere, auch für die Pflanzen ist der Sambesi ein Segen. Ganzjährig trägt er Wasser und bildet in der Regenzeit sogar sieben große Seen und viele weitere Tümpel am Ufer. Und so haben sich in Flussnähe fast moorähnliche Landschaften entwickelt, die kurz dahinter in dichte Laubwälder übergehen, die an den Indian Summer in Nordamerika erinnern.

Ruth und Kyle de Nobrega/Wilderness Safaris

Durchleuchtet wird der Zauberwald von einem warmen, mystischen Licht. Im Schatten der Mahagonibäume grasen Springböcke und Kudus, bunte Vögel lassen sich in den Baumkronen erhaschen. Als unser Allrad-Jeep kurze Zeit später mit Blick auf eine besonders schöne Lichtung samt Wasserloch hält, steht ein gedeckter Mittagstisch ebendort für uns mitten in der Natur bereit. Vom Grill daneben duftet es köstlich nach würzigem BBQ. »Happy Birthday, Mam«, ruft mir Abiot zu. Ich bin ganz schön gerührt von dieser tollen Überraschung!

Autorin Marie zeigt stolz ihren Fisch, den sie auf dem Sambesi geangelt hat.

Marie Tysiak

13:00 Uhr

Es ist heiß, unerträglich heiß. Doch hier, im wunderschönen Pool mit kaltem Drink, lässt es sich zur Mittagshitze aushalten. Die Location des neu eröffneten Camps von Wilderness Safaris ist grandios: Alle sieben Zelte stehen weit auseinander am Flussufer, in der Mitte der Pool mit Lounge und das Hauptzelt, via Holzstege miteinander verbunden. Nicht selten kommen Elefanten vorbei und trinken aus dem Pool, doch glücklicherweise (!) habe ich das kühle Becken für mich.

Der Pool im Chikwenya Camp lädt zur Erfrischung ein.

Marie Tysiak

Gleich werde ich mir noch ein kleines Mittagspäuschen gönnen. Ich mag die Zeltsuiten sehr gern – naturbelassen und doch Luxus pur: freistehende Badewanne, Innen- wie Outdoor-Regendusche, ein riesiges Kuschelbett, handgefertigte Lampenschirme, Tische und Kleiderstangen. Und von überall ist der Blick über den Sambesi gigantisch.

Ruth und Kyle de Nobrega/Wilderness Safaris

18:00 Uhr

Wir gleiten mit dem Boot der bald untergehenden Sonne entgegen und teilen die stille Wasseroberfläche in zwei. In dem sonst braunen Sambesi spiegelt sich das leuchtende Lila, das auch den Himmel überspannt. Umhüllt von dieser Magie, werden köstliche Canapés und Wein gereicht. Mein Geburtstagswunsch war es, nach der nachmittäglichen Pirschfahrt nochmals auf den Fluss zu fahren – für den Sonnenuntergang. Und heute stimmt einfach alles: Just, als der rote Feuerball den Horizont von Sambia küsst, schwimmt ein riesiger Elefantenbulle am Boot vorbei, klettert auf eine kleine Insel und posiert wie bestellt vor dem Spektakel. Wow.

Dramatische Sonnenuntergänge am Sambesi bleiben unvergessen.

Marie Tysiak

21:00 Uhr

Dieser Tag soll einfach nicht enden, wünsche ich mir. Meine Füße habe ich in den feinen Sand um das Lagerfeuer gegraben, vor mir knistern die Flammen. Ich nippe an meinem erfrischenden Bier, ich bin eigentlich pappsatt. Dass wir leider keinen Fisch zum Abendessen beisteuern konnten, war gar nicht weiter schlimm, denn auch das feine Rinderragout zerging auf der Zunge. Luke, der hier im Camp arbeitet, sitzt neben mir am Feuer. Er ist Guide mit Leidenschaft, das habe ich gleich am ersten Tag gemerkt. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er zu den Büschen unten am Flussufer – unzählige rote Augenpaare blinken uns entgegen. »Wildhunde«, verrät er auf meinen erstaunten Blick. Mit der Geduld eines Lehrers hat er mir in den vergangenen Tagen die Flora und Fauna anschaulich erklärt.

Beim Anflug auf das Chikwenya Camp in Simbabwe zeigt sich der namensgebende Affenbrotbaum.

Marie Tysiak

Der Artenreichtum ist groß, doch wer für die Big Five herkommt, wird enttäuscht werden. Die Nashörner wurden umgesiedelt, und auch Giraffen leben hier keine. »Kommst du gleich noch mal mit aufs Boot? Wir wollen wieder raus auf den Fluss, um dort die Sterne zu beobachten. Man kann heute sogar den Mars am Himmel sehen«, flüstert Luke mir geheimnisvoll zu. Ich nicke entschlossen – wer braucht schon Giraffen? Plötzlich höre ich Trommelschläge, die in einem schnellen Rhythmus immer näherkommen. Ich drehe mich um, doch außer den unzähligen Lampions, die die Holzwege schmücken, erkenne ich nichts.

Ruth und Kyle de Nobrega/Wilderness Safaris

Glorreiches Ende

Dann tauchen sie hinterm Haupthaus auf – erst als grobe Schatten, doch als sie nur noch wenige Meter entfernt sind, erkenne ich sie: die Köche, die übrigen Guides, die Kellner – all die Leute, die mir den heutigen Geburtstag zu einem wunderschönen bereitet haben, sind gekommen und singen für mich. Drei Trommeln geben den Rhythmus an, alle springen durch den Sand. Abiot nimmt mich auffordernd an die Hand – und ehe ich mich versehe, hüpfe ich mit ihnen barfuß durch den Sand, strahlende Gesichter fliegen an mir vorbei, der Rhythmus der Trommeln betäubt meine Ohren, der Geruch und Rauch vom süßen Feuer meine restlichen Sinne. Auch wenn sich mir dieser Tanz wie ein absurdes Klischee aus einem Kolonialroman in mein Gehirn einbrennt – er krönt den Tag. Dieser Geburtstag und dieser Ort sind einfach besonders.

Wilderness Safaris

Infos.

Das neu eröffnete Chikwenya Camp von Wilderness Safaris in Simbabwe liegt mit seinen sieben Luxuszelten weit abgeschieden im nördlichsten Zipfel des Landes im Mana-Pools-Nationalpark, einem von der Unesco geschütztem Gebiet. Besucher werden von Wilderness Air mit dem Buschflugzeug hergeflogen. Aufgrund der heftigen Regenzeit ist das Camp nur von April bis Oktober geöffnet. Eine Nacht im Chikwenya Camp kostet inklusive Programm und Verpflegung ab ca. 1.100 Euro pro Person im Doppelzelt. Wilderness Safaris unterstützt unzählige soziale Projekte im Land, zum Beispiel erhält das Unternehmen Schulen für Kinder in ländlichen Gebieten und finanziert Arbeitsplätze für Frauen.

Eine Bildergalerie findet ihr hier. 

Ruth und Kyle de Nobrega/Wilderness Safaris

Der Reiseveranstalter All Around Africa organisiert individuelle und maßgeschneiderte Safari-Aufenthalte in Simbabwe. Mehr Infos hier.

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