Wenn euch in Neuseeland ein Fremder die Nase ins Gesicht drückt, ist das kein Grund zur Panik. Der will doch nur Hallo sagen! Richtig gehört. Nicht alle Kulturen begrüßen sich mit dem deutschen Handschlag. Auf der ganzen Welt gibt es ungefähr 10 unterschiedliche Wege um Freunde, Fremde und Kollegen zu begrüßen. Text: Susanne Jung

Hongis: in Neuseeland

Eine alte Tradition der Maori in Neuseeland ist der Hongi. Dabei drückt man sanft Stirn und Nasenspitze zusammen und reibt die Nasen aneinander. Die Maiori bezeichnen den Gruß als Atem teilen. Damit heißen die Ureinwohner Neuseelands üblicherweise Besucher willkommen. Es handelt sich nicht um eine alltägliche Begrüßung, sondern um eine Ehre!

Hongi-Begrüßung in Neuseeland

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Zunge rausstrecken: Tibet

Wenn dir in Tibet jemand die Zunge rausstreckt, ist er im Normalfall nicht frech, sondern will dir nur Hallo sagen. Erfunden wurde der Gruß von Mönchen, die ihre Zunge als Zeichen des Friedens rausstreckten. Wer die Zunge rausstreckt, will sagen, dass er in Frieden kommt. Bis heute handelt es sich hierbei um einen üblichen Gruß.

Luft-Küsschen: Fast überall

Auch wenn Küsschen nahezu international sind, gibt es dennoch Unterschiede auf der Welt. In Argentinien, Chile, Peru, Mexiko, Brasilien und Kolumbien gibt man nur einen Kuss. Zwei Küsschen gibt man in Spanien, Portugal, Québec, Paraguay, Italien, Paris, der Türkei und auf den Philippinen. In Russland und in der Ukraine küsst man gleich dreimal. Noch lieber küssen nur die Franzosen außerhalb der Hauptstadt: An manchen Orten gibt man sich ganze vier Küsschen.

Bise in Frankreich

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Nasen-Stupser: Katar, Jemen, Oman

In Katar, Jemen und im Oman stupst man die Nasen gegeneinander. Damit demonstriert man seinem Gegenüber, dass man ihm ebenbürtig ist. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Einen Businesspartner kann man wunderbar auf diese Art begrüßen – bei Frauen sollte man sich besser zurückhalten.

Applaus, Applaus: Zimbabwe und Mosambik

In diesen Ländern applaudiert man seinem Gegenüber quasi zu. Man klatscht einmal und das Gegenüber erwidert zweimal. Oder eben andersrum. Aber auch hier gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Männer klatschen mit den Handflächen und Fingern, Frauen klatschen nur mit den Fingern im rechten Winkel zueinander. Und im Norden Mosambiks klatschen die Leute sogar ganze drei Mal!

Hand aufs Herz: Malaysia

Nirgends sagen die Menschen schöner Guten Tag als in Malaysia. Zunächst umschließt man die Hände seines Gegenübers, dann führt man seine eigenen Hände zum Herz. Begleitet von einem kleinen Kopfnicken symbolisiert die Geste ein offenes Herz und guten Willen. Die Person gegenüber erwidert darauf die Geste. Männer sollten übrigens warten bevor sie die Hand einer Frau nehmen. Wenn die Frau nicht beginnt, führt Mann stattdessen nur die Hand zum Herz und nickt leicht.

Respekt vor dem Alter: Asien und Afrika

In Asien und Afrika ist es üblich, die älteren Mitbürger zu ehren und ihnen besonderen Respekt gegenüber zu bringen. Deshalb grüßt man sie vor allen anderen. Auf den Philippinen begrüßt man ältere Menschen, indem man ihre Hand nimmt und sie sich an die eigene Stirn hält. In der Türkei wird die Hand zunächst geküsst und dann an die Stirn gehalten. In Indien berührt man die Füße einer älteren Person als Zeichen von Respekt. In Liberia und Nigeria kniet man vor den älteren Verwandten nieder.

älterer mann in afrika hebt daumen

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Schnupperstunde: Grönland und Tuvalu

Die Inuit in Grönland nennen ihren Gruß Kunik. Dabei drückt man seine Nase und Lippe an die Wange des Gegenübers und schnuppert. Das macht man natürlich nur mit engen Bekannten. Auf der polynesischen Insel Tuvalu drückt man ausschließlich die Wangen aneinander und atmet tief ein. Auch heute begrüßt man dort noch Freunde und Familie auf diese Art und Weise!

Verbeugung: Kambodscha, Indien, Japan, Laos, and Thailand

Verbeugungen macht man nicht nur am königlichen Hof und sie sind keine Erscheinung des Mittelalters. Auch heute verbeugt man sich noch an vielen Orten auf der Welt. In Indien, Kambodscha, Thailand und Laos, führt man die Handflächen wie zum Gebet zusammen und verbeugt sich dann. In Thailand grüßt man zwar ähnlich, aber frei nach dem Motto desto höher die Hände, desto größer der Respekt. In Japan ist der Respekt umso größer, je tiefer man sich verbeugt. Männer halten dabei die Hände an der Seite, Frauen stützen sich auf die Oberschenkel. Bei jungen Japanern ist eher ein kleines Kopfnicken en vogue.

Japanische Dame, die sich vor ihrem Haus mit einem Kimono bowing

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Handschlag: Botswana, China, Deutschland, Zambia, Rwanda und der Mittlere Osten

Händeschütteln ist für uns nicht ungewöhnlich. Allerdings gibt es verschiedene Wege einem Fremden die Hand zu geben. Im Mittleren Osten zum Beispiel muss man darauf achten, nur die rechte Hand zu verwenden, denn die linke gilt als unrein. Auch bei dem anderen Geschlecht muss man Vorsicht walten lassen! Am besten wartet man darauf, dass der andere loslegt, sonst nickt man einfach. Während wir Deutschen gerne fest zupacken, mögen die Chinesen es lieber zart!

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